Kommentar | Plastiksteuer Hin zu einer Welt mit etwas weniger Plastik

Grünen-Chef Robert Habeck hat eine Steuer auf Wegwerfverpackungen aus Plastik gefordert. Eine gute Idee, findet SWR-Umweltredakteur Dominik Bartoschek.

Tomaten in Klarsicht-Plastikverpackung (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Plastik-Verpackung: Praktisch für den Handel, fatal für die Umwelt. picture-alliance / dpa -

Plastik ist ein echtes Problem! Es ist mittlerweile überall: im Boden, im Meer, in Seen und Flüssen, im Magen von Regenwürmern und Fischen. Das Material hat fatale Eigenschaften: Es ist in Sekundenbruchteilen produziert und spottbillig, kann die Umwelt aber jahrhundertelang belasten.

Eine Plastiksteuer könnte daran etwas ändern, weil sie den Handel und die Hersteller dort packt, wo es am schmerzhaftesten ist: beim Geld.

Verpackung ist bequem

Ein Beispiel: Wenn ich im Supermarkt Gemüse kaufen möchte, habe ich oft gar nicht mehr die Wahl, unverpackte Ware zu kaufen.

Nur noch ein Drittel des Gemüses liegt dort lose, der Rest ist eingepackt in Folien, Schälchen und Netzen. Warum? Weil es für den Handel so bequem ist. Eine Plastikschale mit Kirschtomaten ist schneller über den Scanner gezogen als der Kunde die lose Ware wiegt.

Würde das Schälchen für Kirschtomaten aber plötzlich etwas kosten, dann wäre die lose Ware ohne aufwändige Verpackung wieder konkurrenzfähig.

Käufer zum Nachdenken bringen

Eine Plastiksteuer könnte aber auch deshalb wirken, weil sie uns Konsumenten dort packt, wo es am schmerzhaftesten ist: beim Geld!

Wer einmal daran denkt, wie er zögert, wenn er im Laden gefragt wird, ob er eine Plastiktüte für 10 Cent haben möchte, oder den Einkauf lieber in den Rucksack steckt, der wird schnell einsehen: Cent-Beträge, und seien sie noch so klein, können uns klar machen und deutlich vor Augen halten, dass eine Sache nicht alternativlos ist. Oder dass sie vielleicht gar nicht notwendig ist.

Wenn eine Plastiksteuer oder -abgabe in Deutschland dazu führen würde, dass wir Verbraucher einen Moment nachdächten, bevor wir ein Produkt kaufen, dass in Plastik steckt - dann wäre zwar noch nicht das globale Plastikproblem gelöst, aber es wäre ein wichtiger Schritt hin zu einer Welt mit etwas weniger Plastik.

Von Dominik Bartoschek, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Sola Hülsewig

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