Kommentar Ostern - (k)ein Geschenkefest

Ostern ist nicht Weihnachten - doch immer mehr Menschen sind dazu übergegangen, sich mehr als nur ein Schoko-Ei ins Nest zu legen. Also wieder ein Fest dem Konsum geopfert? Es geht auch anders.

Geschenke zu Ostern - extravagant oder eher schlicht? (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Geschenke zu Ostern - extravagant oder eher schlicht? picture-alliance / dpa -

Dazu die Meinung von Silke Arning, SWR Religion und Welt

Silke Arning (Foto: SWR - SWR)
Silke Arning, SWR Religion und Welt SWR - SWR

Wir schenken uns nichts zu Ostern - diesen Spruch habe ich mit schöner Regelmäßigkeit in den letzten Tagen gehört. Aber am Ende gibt es dann doch den obligatorischen Schoko-Osterhasen, die Nougateier, den Frühlingsblumenstrauß, das kleine Fläschchen Parfüm, die handgeschöpften Eiswein-Trüffel, die Gartenhandschuhe, den neuen Krimi oder das lustige Familienspiel. Meistens sind es genau diese berühmten netten Kleinigkeiten, die vom Osterhasen vorbeigebracht werden. Und offen gesagt: Ja, her damit. Ich habe nichts dagegen. Denn oft sind auch Dinge dabei, die man ohnehin gebraucht hätte: ein neues T-Shirt, Stifte für die Schule oder ein Paar Sportschuhe.

Immer exklusiver, immer extravaganter

Zugegeben, die Entwicklung kann und darf zu denken geben: Die simple Milchschokolade ist mittlerweile zur edel-herb-Variante mit Pfefferstückchen mutiert, den Hasen gibt es in neongrün und schrillem Pink und das Krokant-Ei ist inzwischen mindestens bei der Straußenei-XXL-Version angekommen. Immer größer, immer exklusiver, immer extravaganter - das ist unsere Zeit. Und dass da für die Mädels noch ein Armband und für die Jungen ein Ballerspiel ins Osternest abfallen - auch das liegt im Trend.

Entscheidend für mich: Das Ganze bleibt im Rahmen und es bleibt etwas Besonderes, eine Ausnahme. Wenn wir uns wirklich nur auf Weihnachten, Ostern und den Geburtstag beschränken würden, wäre alle Schenkerei sehr überschaubar. Aber die findige Industrie bringt uns auf immer neue Ideen: Valentinstag, Mutter- und Vatertag, Einschulungstag, Zeugnistag und und und. Es gibt immer eine Gelegenheit, sich rund ums Jahr was Gutes zu tun. Was letztlich entschieden zu viel des Guten ist.

Politisch korrekt schenken

Das klassische Osternest ohne Geschenke ist mittlerweile selten (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Das klassische Osternest ohne Geschenke ist mittlerweile selten picture-alliance / dpa -

Natürlich kann man sich ganz politisch korrekt - gar nichts schenken. Oder - was gerade noch akzeptabel wäre - Zeit. Nach dem Motto: Wir lesen uns etwas vor, gehen spazieren oder basteln einen Riesen-Osterhasen. Alles völlig in Ordnung. Leben und leben lassen. Denn Tatsache ist doch: Mit dem christlichen Osterfest haben immer weniger Menschen etwas am Hut. Vielleicht wissen sie gerade noch, wer da auferstanden ist, aber wieso? Da wird's schon schwierig. Was zählt, ist das Drumherum: die freien Tage, das prasselnde Osterfeuer, das gute Essen, das Familientreffen. Wenn überhaupt - schließlich gibt es Leute, die diese Feiertage ins Skifahren oder in den ersten Badeurlaub stecken.

Wenn sich Menschen zu Ostern in die Kirche verirren, sind das in der Regel zwei Gruppen: Die, die wirklich noch den Titel "Gläubige" verdienen und die, die mal wieder ein exzellentes Kirchenkonzert genießen wollen. Denn davon gibt es zu Ostern wirklich jede Menge. Das wäre doch übrigens auch ein schönes Ostergeschenk - und noch dazu kostenlos.

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