Kaum noch bezahlbarer Wohnraum Große Immobilienkonzerne als Preistreiber

Großen, börsennotierten Immobilienkonzernen gehören inzwischen hunderttausende Mietwohnungen. Was letztlich zu steigenden Mieten für alle führt.

Eine Suchanzeige für eine «bezahlbare Wohnung» hängt in der Goethe-Universität an einem schwarzen Brett (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Bezahlbare Wohnungen sind derzeit Mangelware in vielen deutschen Städten. picture-alliance / dpa -

Fragen an SWR-Wirtschaftsredakteur Lutz Heyser

Was sind das für Konzerne, die den Mietmarkt als Geschäftsfeld für sich entdeckt haben?

23.04.2018, Baden-Württemberg, Stuttgart: Häuser stehen eng beieinander. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Dicht an dicht stehen die Häuser in vielen Innenstädten - wie hier in Stuttgart- bereits. Platz für Neubauten ist damit oft nur noch im Umland. picture-alliance / dpa -

Auffällig ist für mich: Die zwei größten Immobilienkonzerne in Deutschland, Vonovia und Deutsche Wohnen, sind beides noch recht junge Unternehmen. Beide wurden erst Ende der 1990er/Anfang der 2000er-Jahre gegründet und sind dann in kurzer Zeit stark gewachsen. Sie haben zugeschlagen, als zehntausende ehemalige Bundeswehr- oder Werkswohnungen verkauft wurden. In diese Zeit fiel auch der Haushaltssanierungs-Versuch einiger Städte - gerade im Osten, etwa Dresden - oder hier bei uns Heidenheim an der Brenz, die deshalb ihre städtischen Wohnungen verkauft haben. Auch da haben die privaten Immobilienkonzerne zugegriffen und im großen Stil ehemalige städtische Wohnungen gekauft.

Auffällig ist für mich auch, dass diese jungen, großen Immobilienkonzerne zum Großteil ausländischen Investoren gehören - etwa Black Rock, der größten amerikanischen Fondsgesellschaft, was immer wieder zu Problemen führt. Denn diese Eigentümer trimmen die Immobilienkonzerne total auf Rendite und Gewinn. Dafür vernachlässigen die dann die Mieter, indem sie möglichst wenig Geld für die Instandhaltung der Mietwohnungen ausgeben wollen, so etwa die Kritik vom Mieterbund.

Wozu führt die Profit-Getriebenheit der privaten Wohnungskonzerne?

Menschen nehmen vor dem Rathaus an einer Demo gegen Wohnungsnot teil, während im Rathaus die Generaldebatte des Gemeinderates Stuttgart zum Thema Wohnungsnot läuft. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Gegen das Geschäftsgebaren großer Immobilienkonzerne gibt es immer wieder Proteste der Mieter. picture-alliance / dpa -

Zum Beispiel dazu, dass deren Mieter immer wieder protestieren, wie gerade Vonovia-Mieter in Konstanz, Esslingen oder auch Stuttgart. Die Konzerne wollen deren Wohnungen gerne komplett sanieren. Bauen dazu Aufzüge ein, elektrische Fensterläden, neue Fenster oder dämmen die Fassaden. Aus Sicht der Mieter ist das häufig komplett unnötig.

Aus Sicht der Konzerne aber sind solche Modernisierungen hoch lukrativ. Denn die Sanierungskosten dafür können sie komplett auf die Mieter umlegen und anschließend binnen Kurzem die Mieten um 20 Prozent und mehr erhöhen. Die alten Mieter können sich diese Mieten nicht mehr leisten und fliegen raus. Aber weil Wohnungen in den Städten so knapp sind, finden sich immer schnell neue Mieter, die die höheren Mieten zahlen. Das gilt auch für ehemalige Sozialwohnungen, die nun ein bisschen aufgehübscht worden sind. Damit sind die privaten Immobilienkonzerne die Preistreiber auf dem deutschen Mietmarkt.

Was ist mit den städtischen Wohnungsgesellschaften - können die der Preistreiberei der Privaten nicht Einhalt gebieten, indem sie günstige Mietwohnungen anbieten?

Bauarbeiter sind auf einer Baustelle an einem Rohbau beschäftigt. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Es wird zwar neu gebaut - aber immer noch zu wenig, um die gestiegene Nachfrage nach Wohnungen auch nur annähernd zu befriedigen. picture-alliance / dpa -

Die städtischen Wohnbaugesellschaften sind aktuell oft keine Konkurrenz für die privaten. Die Immobilienkonzerne sind in vielen Städten einfach viel größer und stärker und bestimmen damit den Mietmarkt. Hinzu kommt, dass die städtischen Wohnungsbaugesellschaften in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten viel zu wenig neue Wohnungen gebaut haben. Auch deshalb gibt es jetzt, wenn es die Leute in die Städte zieht, dort einfach zu wenig Wohnungen für alle. Das bedeutet: Die Mietpreise steigen.

Letztlich müssten sich also die Kommunen dazu durchringen, selbst aktiv zu werden und wieder mehr zu bauen. Aber bis in großem Stil neue Wohnungen und Häuser entstehen, wird es dauern.

Jedenfalls sollte der Kommunalpolitik inzwischen klar geworden sein, dass das Thema Wohnen und Miete zu ernst und wichtig ist, um es allein dem freien Wettbewerb der privaten Immobilienkonzerne zu überlassen. Denn dann stehen kleine Mieter gegen riesengroße Konzerne - und haben das Nachsehen. Das treibt die Mieten weiter in die Höhe und führt zu viel Verdruss, Unzufriedenheit und Wut der Bürger - die schließlich ja auch Wähler sind. So wie wir es bereits in Städten wie Stuttgart, Karlsruhe oder Freiburg beobachten können.

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