Kaufprämien und Nachhaltigkeit Was die Dieselprämie der Umwelt bringt

Kritisch beurteilt werden die Umweltprämien der Autokonzerne von Umweltexperten. Ob es nachhaltig ist, fahrtaugliche Autos zu verschrotten und ob das die Luft wirklich verbessern würde.

Ein Messschlauch eines Gerätes zur Abgasuntersuchung für Dieselmotoren steckt im Auspuffrohr eines PKW. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Damit Dieselautos sauberer werden, gibt es mehr Möglichkeiten als verschrotten picture-alliance / dpa -

Eine Einschätzung von Susanne Henn, SWR Umwelt und Ernährung

Einen alten Diesel der Euronorm 4 zu verschrotten und durch einen relativ neuen der Norm 6 zu ersetzen, kostet, trotz Prämie, erst einmal den Käufer eine Stange Geld und bringt der Umwelt kaum etwas. Denn, wie mittlerweile hinlänglich bekannt ist, werden die strengeren Werte nur im Labor eingehalten, auf der Straße nicht. Auch wenn ein neuer Diesel fast immer etwas sauberer ist als ein alter, ist er meist immer noch ziemlich schmutzig. Kauft man statt eines Diesels einen Benziner, stößt man während der Fahrt zwar weniger Stickoxide aus, dafür aber etwas mehr des Klimakillers CO 2.

Der Umwelt würden Erdgas- und Elektroautos mehr bringen

Spürbar umweltfreundlicher wird es erst, wenn man sich für ein Erdgas- oder gleich für ein Elektroauto entscheidet. Gerade beim letzteren gibt es aber bekanntermaßen bei der Infrastruktur noch ein paar Probleme. Das ist nur die Bilanz auf der Straße.

Fahrtüchtige Autos verschrotten und neue produzieren, ist nicht ökologisch

Die Sonne strahlt am 19.01.2016 in Stuttgart durch den Dunst auf den Rauch, der vom Heizkraftwerk Gaisburg aufsteigt. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Um die Luft in den Städten zu verbessern, reichen die Dieselprämien der Autokonzerne nicht picture-alliance / dpa -

Es ist per se nicht besonders umweltfreundlich, ein noch völlig verkehrstüchtiges, erst wenige Jahre altes, Auto zu verschrotten, um es durch ein neueres zu ersetzen. Denn das neue Auto muss erst einmal produziert werden, und auch dabei werden Schadstoffe frei - vor allem die so gehassten Stickoxide. Zwischen 20 und 40 Prozent der gesamten Stickoxide, die ein Auto auf seinem Lebensweg produziert, entstehen allein bei der Produktion.

Dazu kommen der Verbrauch an Wasser, Energie und so weiter. Was dabei an Schadstoffen in die Luft geblasen wird, lässt sich durch einen etwas geringeren Ausstoß auf der Straße kaum wett machen.

Autobauer wollen an neuen Autos verdienen

Autoverkauf Sujet 1 (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Prämien sollen Autokäufer anlocken Foto: Colourbox.de -

Diese sogenannte Umweltprämie für alte Diesel ist der verzweifelte Versuch der deutschen Autobauer, Vertrauen zurückzugewinnen und Marktanteile zu behalten. Das lassen sie sich zwar einiges kosten - aber es rechnet sich für sie, wenn am Ende in den Bilanzen deutlich mehr verkaufte Autos stehen.

Den größten Teil des Geldes müssen immer noch die Käufer aufbringen, die sich vielleicht nur deshalb ein neues Auto kaufen, damit sie von möglichen Fahrverboten nicht getroffen werden.

Ein Geschenk wären kostenlose Nachrüstungen

VW Passat (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Bei älteren Baujahren ist eine Umrüstung prinzipiell technisch möglich picture-alliance / dpa -

Ein echtes Geschenk an Umwelt und Verbraucher wäre es, wenn die Autobauer das Prämiengeld nähmen und dafür kostenlose Hardware-Nachrüstungen anbieten würden - nicht nur für die neuen Modelle, sondern auch für alte Diesel.

Das hätte einen spürbaren Effekt für die Umweltbilanz - allerdings nicht für die Geschäftsbilanzen der Autobauer.

Online: Heidi Keller

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