Kartell-Whistleblower Wer zuerst verpfeift, gewinnt

Haben sich deutsche Automobil-Hersteller strafbar gemacht mit illegalen Absprachen? Wenn VW und Daimler die Behörden informiert haben, könnten sie von der Kronzeugen-Regelung profitieren.

Wer beim Kartell zuerst die Behörden informiert, geht als Kronzeuge straffrei aus (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Wer bei einem Kartell als Erster die Behörden informiert, könnte als Kronzeuge straffrei bleiben picture-alliance / dpa -

Der Skandal um ein mögliches Auto-Kartell sorgt weiter für Schlagzeilen. Der Verdacht, ob sich Deutschlands führende Automobil-Hersteller strafbar gemacht haben mit illegalen Absprachen steht im Raum und bekommt jetzt neuen Schwung. Denn es gibt Meldungen wonach VW und Daimler schon mal vorbeugend bei den Kartell-Behörden Bescheid gesagt haben sollen.

Alfred Schmit, SWR Wirtschaft und Soziales, erklärt, was dahinter steckt:

Wer die anderen verpfeift, kann sich Strafen ersparen und so aus einem Verstoß gegen das Kartellrecht fein rauskommen - ganz oder teilweise straffrei. Das hängt davon ab, wie schnell und wie umfassend ein Kartell-Mitglied die ganze Sache kenntlich macht - also den Behörden anzeigt, dass es hier:

  • erstens – überhaupt ein Kartell gibt und
  • zweitens - wer die Teilnehmer sind.

Die Kronzeugen-Regelung gibt es schon länger

Eingeführt wurde diese Kronzeugen-Regelung vom Bundeskartellamt im Jahr 2000. Sie ermöglicht es, Kartell-Absprachen von innen heraus aufzudecken und die Kartell-Teilnehmer zur Zusammenarbeit mit den Behörden zu bewegen. So steht es auf der Webseite des Bundeskartellamtes. Ganz offiziell und nutzerfreundlich, sogar eine Telefonnummer in Bonn steht dabei - falls jemand mit Gewissensbissen gleich anrufen mag, mit mehr oder weniger ausführlichen Details.

Mehr oder weniger - davon hängt es ab, wie viel von einer möglichen Kartellstrafe dann wegfallen könnte. Und das können Milliarden sein. Im aktuellen Fall des möglichen Automobil-Kartells geht es darum, ob sich zum Beispiel Daimler oder VW zuerst gemeldet haben könnten.

Diese Kartelle wurden bereits aufgedeckt

Seit es die Kronzeugen-Regelung gibt, wurden erheblich mehr Kartelle in der Wirtschaft aufgedeckt. Auch weil die Regeln 2006 noch einmal verfeinert wurden. Spektakuläre Fälle waren etwa das Schienen-Kartell. Auch Firmen der Zucker- und Beton-Branche haben sich in der Vergangenheit bereits illegal abgesprochen.

Bei Lastwagen gab es das notorische Brummi-Kartell. Zumindest da haben Daimler und VW, über die Tochter MAN, bereits ihre Erfahrungen: Daimler musste Strafe zahlen - die VW-Tochter MAN kam gratis davon.

Online: Heidi Keller

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