Jede vierte Ausbildung abgebrochen "Nicht warten, bis der Azubi die Lust verliert"

Nur drei von vier Ausbildungen in Deutschland werden abgeschlossen, jeder vierte Azubi wirft hin. Oft haben die Jugendlichen falsche Erwartungen an den Job.

Symboldbild Friseurausbildung: Einem Mann werden die Haare geschnitten. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
In Baden-Württemberg liegt die Abbrecherquote 2017 bei 22,1 Prozent, in Rheinland-Pfalz bei 26,1 Prozent (Quelle: Agentur für Arbeit). picture-alliance / dpa -

Fragen an SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele

Warum brechen so viele Azubis die Ausbildung ab?

Jugendliche haben oft falsche Erwartungen an den Beruf. Im Friseurhandwerk, zum Beispiel, muss man auch mal Handtücher falten und Haare auffegen. Die meisten Berufe haben solche Routine-Arbeiten, die nicht besonders glamourös sind. Aber sie müssen gemacht werden. Und selbst wenn Jugendliche schon mal eine Woche lang ein Praktikum in einem Beruf gemacht haben, ist der Alltag ein großer Unterschied. Vielen fällt schwer, sich umzugewöhnen.

Manche Chefs erzählen zum Beispiel, dass Azubis ständig aufs Klo rennen und dort mit ihrem Handy spielen - oder sogar auch in ihrer Gegenwart ganz ungeniert mit Freunden "whatsappen". Die Jugendlichen können sich also auch sehr schlecht konzentrieren und müssen ständig irgendwie bei Laune gehalten werden.

Warum ist die Abbrecherquote in manchen Berufen so hoch?

Petra Thiele (Foto: SWR, SWR -)
Petra Thiele SWR -

In der Gastronomie und im Friseurhandwerk wird oft wenig gezahlt, außerdem muss oft auch am Wochenende gearbeitet werden. Vor allem der Zusammenhang zwischen Ausbildungs-Vergütung und der Abbruchquote ist eindeutig: Dort wo sehr wenig verdient wird und auch später das Gehalt nicht so üppig ist, da ist auch die Motivation, die Ausbildung zu Ende zu bringen, wesentlich geringer. Dazu kommt: In diesen Berufen erlauben es sich die Azubis auch schneller mal, mit dem Chef zu streiten. Ganz nach dem Motto: Das ist ja nicht so tragisch, weil man den nächsten Ausbildungsplatz quasi gleich um die Ecke bekommt. Da muss man sich nicht anpassen.

Was kann man tun, um die Jugendlichen in der Ausbildung zu halten?

Eine Auszubildende zur Köchin zerlegt ein Hähnchen (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Koch-, Kellner- und Friseur-Azubis brechen die Ausbildung besonders häufig ab. picture-alliance / dpa -

Es gibt Projekte von den Handwerkskammern und Arbeitsagenturen, die Jugendliche parallel zur Ausbildung fördern. Wenn der Chef merkt, dass sein Lehrling Defizite hat, die er alleine nicht ausgleichen kann, dann kann er Unterstützung bekommen. Das muss nur frühzeitig bekannt werden. Alle müssen ehrlich drüber sprechen und nicht darauf warten, bis der Auszubildende jede Lust am Job verloren hat.

Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch Verbesserungsbedarf in den Lehrplänen der Handwerkskammern. Die sind teilweise veraltet. Friseur-Lehrlinge müssen heute noch alle Dauerwelle lernen, obwohl diese in der Praxis kaum noch jemand braucht.

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