Ist Erdgas die Lösung für die Autoindustrie? Autos mit Gas-Antrieb unterschätzt

Alle sprechen davon, dass Autos mit Elektroantrieb die Zukunft sein sollen. Von Erdgas hört man kaum noch etwas. Warum eigentlich? Autos mit Gasantrieb sind umweltfreundlich und günstig.

Erdgas (Foto: © dpa / picture-alliance -)
Erdgas ist aus dem Blickfeld geraten. Zu Unrecht? © dpa / picture-alliance -

Der VW Caddy ist bereits das dritte Erdgas-Auto, das Martin Stollberg fährt. Er ist Fotograf in Stuttgart. Jeden Tag hat er mehrere Termine und das mit viel Equipment. Er ist auf sein Auto angewiesen. Probleme mit dem unüblichen Antrieb hat er nicht.

Reichweite, tanken, Sicherheit - aus Sicht von Martin Stollberg werden die vermeintlichen Nachteile überschätzt: "Der einzige Unterschied ist: Man darf nicht so kopflos losfahren. Wenn man irgendwo hinfährt, muss man sich halt vorher kurz im Internet oder in der App anschauen: Wo gibt's da Erdgas-Tankstellen? Auf dem Weg nach Berlin suche ich mir zwei Erdgas-Tankstellen raus, tanke da jeweils, nach drei Stunden muss man eh eine Pause machen. Das ist überhaupt kein Problem."

Viele Tankstellen für Erdgas und Autogas

Rund 900 Tankstellen für Erdgas gibt es bundesweit. Und für den Notfall hat Martin Stollbergs Caddy noch einen 10-Liter-Tank mit Benzin an Bord. Insgesamt kommt er damit über 500 Kilometer weit.

Schaut man auf die verwandte Autogas-Technik fällt das Thema Tankstellen noch weniger ins Gewicht. An jeder zweiten gibt es das zu kaufen – unter dem Namen Flüssiggas oder LPG.

Nur 0,2 Prozent Autos mit Gasantrieb in Deutschland

Autogas tanken (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Alternative zu Benzin und Diesel picture-alliance / dpa -

Trotzdem fristen Erdgas- und Autogas-Fahrzeuge ein Nischen-Dasein in Deutschland. Jeweils gut 20 Modelle gibt es ab Werk zu kaufen. In der Masse gehen sie aber unter. Gerade einmal 0,2 Prozent aller Autos werden mit Gas betrieben.

Zu Unrecht. Denn die Umweltbilanz ist erstaunlich gut, sagt Christian Buric vom ADAC. "Erdgas-Antrieb hat vor allem einen immensen Vorteil bei den Stickoxiden. Das ist gerade das Thema, was eben bei den Dieseln so stark in der Diskussion ist. Autogas hat auch einen Vorteil in puncto CO2."

Irrationale Ängste bei Autofahrern

Vielen Autofahrern scheint unwohl bei dem Gedanken, auf großen Gasflaschen zu sitzen. Tatsächlich ist dadurch der Kofferraum etwas kleiner. Doch in Sachen Sicherheit gibt der ADAC-Mann Entwarnung. "Da gibt es ein paar Ängste - aus ADAC-Sicht irrationale Ängste - dass ein Autogas-Auto leichter explodieren könnte als andere Autos. Wir haben in unseren Tests aber nicht feststellen können, dass diese Autos irgendwie gefährlicher sein sollen als andere Antriebsarten."

Teuer in der Anschaffung, günstig im Unterhalt

Der zusätzliche Aufwand für Gasflaschen und Leitungen macht Neuwagen mit Gasantrieb meist zwei- bis dreitausend Euro teurer als vergleichbare Benziner. Doch im Unterhalt holt das Gasauto viel wieder rein. Vor allem, wenn man einen Gebrauchten kauft.

Böse Zungen sagen, die Deutschen fahren lieber teuer und umweltschädlich mit Benzin und Diesel als günstig und umweltschonender mit Gas. Deshalb hoffen viele, dass der Gasantrieb im Zuge der aktuellen Umweltdiskussion einen zweiten Frühling erlebt. Doch der muss auch politisch gewollt sein. Die Steuervorteile von Gas sind nur befristet und die Autohersteller investieren vor allem in den Elektroantrieb. Martin Stollberg will trotzdem weiter Erdgas fahren. Er ist überzeugt vom Preis-Leistungs-Verhältnis.

Eva Laun, SWR Wirtschaft und Umwelt | Online: Moritz Hartnagel 

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