Immobilienmarkt Mieten oder kaufen - die große Frage

Niedrige Zinsen, hohe Mieten und ein abgegraster Immobilienmarkt: Bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Haus stellt sich vielen die Frage, ob mieten oder kaufen sinnvoller ist.

Eine Hand hält einen Wohnungschlüssel in die Höhe vor einer Hausfassade. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Die Immobilienpreise steigen in Ballungsräumen weiter deutlich an. Thinkstock -

Die Grundfrage - gerade, wenn es ums Kaufen geht - ist natürlich: "Kann ich mir das leisten?". Die meisten Banken verlangen, dass Käufer etwa 20 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital mitbringen. Dann kommen mit Grunderwerbssteuer, Notarkosten und dem Grundbucheintrag noch einmal bis zu acht Prozent des Kaufpreises hinzu. Wer also nicht mindestens etwa ein Viertel des Kaufpreises schon angespart hat, braucht sich über Kaufen im Prinzip keine Gedanken zu machen.

Kreditrechner zeigt monatliche Belastung

Beim Kauf geht es selbstverständlich auch um die monatliche Belastung, auch die muss ich mir leisten können. Im Internet gibt es Kreditrechner, mit denen sich ausrechnen lässt, was auf den Käufer zukommt. Damit bekommt er schon eine Orientierung, noch bevor er zur Bank geht.

Anschlussfinanzierung im Blick behalten

Die Zinsen sind momentan auf einem historischen Tiefstand. Käufer sollten sich den tiefen Zinssatz deswegen möglichst lange festschreiben lassen. Allerdings sollten sie sich davon auch nicht blenden lassen.

Denn die meisten Finanzierungsverträge laufen über zehn bis 15 Jahre, und dann folgt eine Anschlussfinanzierung. Sollten bis dahin die Zinsen steigen - was nicht unwahrscheinlich ist - können deutlich höhere Folgekosten auf Käufer zukommen.

Geldanlage: Kaufen und dann vermieten

Wer nicht selbst auf eine neue Wohnung angewiesen ist, und wessen Miete ohnehin deutlich unter dem Mietspiegel liegt, sollte noch eine andere Option in Betracht ziehen: Kaufen und dann an andere vermieten. Dadurch profitieren Käufer sowohl von den niedrigen Zinsen als auch von den hohen Mieten. Und sie können die Zinsen von der Steuer absetzen.

Wer die Wohnung oder das Haus dagegen selbst nutzen möchte, sollte sich auch überlegen, wie lange er oder sie in der Immobilie wohnen möchte. Wer das nicht mindestens über die nächsten fünf Jahre hinweg plant, der sollte schon alleine aufgrund der hohen Kosten besser mieten.

Eine Wohnung in der Stadt oder ein Haus auf dem Land?

Abseits von den finanziellen Überlegungen ist die Lage eine zentrale Frage: Geht es in die Stadt oder aufs Land? Derzeit ziehen immer mehr Menschen aus ländlichen Regionen in Ballungszentren. Bislang ist kein Ende dieses Trends absehbar.

Wer sich heute also ein Haus im Pfälzer Wald oder im tiefsten Schwarzwald kauft, wohnt zwar auf absehbare Zeit entsprechend günstig, muss allerdings über die nächsten Jahre auch Wertverluste in Kauf nehmen. Als Anlage ist das also nicht geeignet.

Immobilienmarkt in jeder Stadt unterschiedlich

In den Städten ist der Wohnungsmarkt hingegen heiß umkämpft. Dort sind die Preise zwar schon seit Jahren hoch. Trotzdem sind hier auch weitere Wertsteigerungen möglich. Kaufen kann sich da durchaus lohnen. Allerdings ist der Immobilienmarkt von Stadt zu Stadt so unterschiedlich, dass man letztlich im Einzelfall durchrechnen muss, ob am Schluss Mieten nicht doch die bessere Wahl ist.

Alexander Winkler, SWR Wirtschaft und Umwelt | Online: Stefan Heinz

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