Immer weniger Bankautomaten Erst die Bank-Filiale, dann der Geldautomat

Noch ist er ein unverzichtbarer Begleiter im Alltag: der Geldautomat. Vor fünfzig Jahren wurde der erste in Deutschland aufgebaut. Inzwischen aber schrumpft die Zahl der Automaten.

Bankautomat gibt Geld raus (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Thinkstock -

Fragen an Tamara Land, SWR-Wirtschaftsredaktion


Wieso werden die Geldautomaten abgebaut?

In erster Linie ist es für die Geldinstitute eine Kostenfrage: Ein Geldautomat bringt ihnen in der Regel inzwischen nichts mehr ein. Er kostet aber jede Menge Geld. Und zwar zwischen 20.000 und 25.000 Uhr pro Geldautomat und Jahr, etwa dafür, dass der Automat gewartet und mit Geldscheinen bestückt werden muss.

Ein weiteres Problem ist die Kriminalität: Immer wieder wird versucht Automaten zu sprengen. Alleine in Rheinland-Pfalz gab es in diesem Jahr schon 11 solcher Fälle. Das treibt die Kosten für die Automaten, für deren Reparatur und Versicherung etwa, weiter in die Höhe.

Und da die Banken durch die seit Jahren niedrigen Zinsen eh ihre Schwierigkeiten haben, im Geschäft mit Privatkunden Geld zu verdienen, versuchen sie diese Kosten zu drücken, indem sie die Automaten einfach ganz abbauen. So gab es Ende vergangenen Jahres knapp 58.400 Automaten in Deutschland. Vor drei Jahren - 2015 - waren es noch mehr als 61.000 Geldautomaten in Deutschland.

Immerhin kann man ja auch auf anderem Wege an Bargeld kommen, etwa manche Tankstellen oder Supermärkte bieten dies an. Wird sich dieses alternative Bankgeschäft noch ausweiten?

Eine Kassiererin nimmt in einem Supermarkt das Geld einer Kundin entgegen. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Aber auch in immer mehr Supermärkten können die Kunden inzwischen Geld abheben. Meist ab einem bestimmten Einkaufswert. picture-alliance / dpa -

Wahrscheinlich schon. Viele Einzelhändler bieten das jedenfalls schon an: Bei Rewe, Penny und Aldi Süd kann man, ab einem Einkaufswert von 20 Euro, kostenlos Geld abheben. Beim Discounter Netto geht das sogar schon ab einem 10 Euro-Einkauf. Ebenso, noch recht neu, bei der Drogeriemarktkette dm.

Andere testen das noch: zum Beispiel Deutschlands größte Lebensmittelkette Edeka. Dort probiert man das Geldabheben an der Supermarkt-Kasse bislang nur in einigen wenigen Filialen aus. Es könnte aber gut sein, dass auch Edeka nachzieht, und diesen Service dann flächendeckend anbieten wird.

Was hat der Einzelhandel davon?
Die Lebensmitteleinzelhändler erhoffen sich davon wohl vor allem mehr Kundenbindung. Denn wenn ein Kunde die Wahl hat, zwischen einem Supermarkt, bei dem er auch Geld abheben kann und einem, wo das nicht geht, nimmt er vielleicht lieber den, wo man noch zusätzlich Bargeld bekommt. Letztlich ist das Ganze also wohl ein Mittel, damit die Kunden nicht zur Konkurrenz abwandern.

Und ganz ohne Bargeld bezahlen, ist dass die Zukunft, und irgendwann werden wir gar keine Automaten mehr haben?

Eine SMS, in der eine sogenannte «mobileTAN» zur Verifikation von Banküberweisungen angezeigt (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Ursachen für das "Geldautomaten-Sterben" sind Digitalisierung und Kostendruck. picture-alliance / dpa -

Gut möglich, dass es soweit kommt, gleichwohl dürfte es bis dahin aber noch dauern. Fakt ist aber schon heute: Bargeldloses Zahlen nimmt stark zu. Auch mobiles Zahlen übers Smartphone findet immer mehr Fans.

Aber im internationalen Vergleich hängen die Deutschen traditionell sehr an ihrem Bargeld. Und solche Gewohnheiten ändern sich nicht so schnell. Die Bankenbranche selbst rechnet jedenfalls damit, dass es auch in 20 Jahren noch Bankautomaten gibt.

Online: Lutz Heyser

STAND