IFA Berlin 2017 Smarter hören und Einbrecher abschrecken

Auf der Internationalen Funkausstellung wird nicht nur Hightech für Technikliebhaber gezeigt. Lebensnahe neue Technik gibt es auch für Menschen mit Hörschädigung oder um Einbrecher abzuhalten.

Die neuesten Hörgeräte können mit einem Smartphone oder anderen Geräten kommunizieren (Foto: (Firma) -)
Die neuesten Hörgeräte können mit einem Smartphone oder anderen Geräten kommunizieren (Firma) -

Vorbei die Zeiten, in denen Hörgeräte als fleischfarbene, halbe Bananen weit über die Ohrmuschel ragten. Heute sind die akustischen Helfer winzig klein und federleicht. Dafür ist ihr Innenleben aufwendig wie nie. Längst geht es nicht mehr nur darum, Signale einfach nur zu verstärken, damit sie besser gehört werden.

Smart Hören mit vernetztem Hörgerät

Das Stichwort heißt auch hier Vernetzung, erklärt Maximilian Eisenhut vom Hersteller Resound aus Münster. "Durch diese Anbindungsmöglichkeit, die sogenannte Konnektivität, die zu einem Smartphone oder zu einem Fernseher oder zu einem anderen Gerät stattfinden kann, resultieren ganz andere Möglichkeiten - für einen Smart-Home-Anbieter, der ein Küchengerät mit App herausgebracht hat, was eine Sprachausgabe hat, direkt die Möglichkeit, das ins Hörsystem zu streamen."

Hörgerät, Smartphone und Smart Home sind verbunden (Foto: (Firma) -)
Hörgerät, Smartphone und Smart Home-Geräte sind verbunden (Firma) -

Das hohe Piepen, mit dem zum Beispiel Spülmaschine oder Trockner melden, dass sie fertig sind, können Menschen mit einer Hörschädigung nicht wahrnehmen. Entsprechend vernetzt aber kann das Haushaltsgerät eine Sprachnachricht über das Smartphone ans Hörgerät schicken: "Die Oberhemden sind fertig." Oder das System meldet einen Besucher, wenn die Klingel überhört wurde: "Herr Maier steht vor der Tür."

Über drei Millionen Menschen in Deutschland tragen ein Hörgerät - aber nicht nur deswegen sind die Vernetzungs-Möglichkeiten auch für Hausgerätehersteller interessant: Resound arbeitet mit Miele zusammen, um Lösungen für die Zukunft zu entwickeln, sagt Reinhard Zinnkan, Geschäftsführer von Miele: "Ich glaube, dass das tatsächlich auch ein Thema sein wird. Genauso wie auch das Thema Sprachsteuerung mehr und mehr eine Rolle spielen wird. Und zwar schlicht aus Bequemlichkeit, ebenso wie es aber auch Kunden anspricht mit irgendwelchen Behinderungen."

Neue Hörqualität: Hörhilfen verbunden mit dem Smartphone

Die smarten Hörgeräte arbeiten mit 3D-Technik und können auf verschiedene Raumprofile programmiert werden, je nach dem, ob der Träger gerade im Konzertsaal, in der Kneipe oder am Küchentisch ist. Alles steuerbar über eine App, die das Hörgerät auch zum Kopfhörer macht, erklärt Maximilian Eisenhut: "Vom iPhone auf Play drücken und aus dem Hörsystem wird ein Kopfhörer. Das heißt, man kann Musik hören und sich trotzdem noch im Raum orientieren, weil man noch etwas mitbekommt über die Mikrofone."

So viel Komfort hat natürlich seinen Preis: "Es gibt natürlich Hörsysteme, die komplett in dem zuzahlungsfreien Rahmen der Krankenkasse enthalten sind. Aber je nach Technologiestufe, die ich haben möchte, kann es auch sein, dass ich bis zu 1.800 Euro pro Ohr selbst investieren möchte." Klar ist aber auch, das die Kombination aus Hörgerät und Smartphone Menschen, die nicht gut hören, dass Leben sehr viel leichter macht.

Digitale Strategie gegen Einbrecher: Licht und Geräusche statt Alarmanlage

Ein Schweizer Start-Up entwickelt einen virtuellen Mitbewohner, der Haus und Wohnung vor Einbrechern schützen soll. Die kleine Box simuliert ganz normales Alltagsleben, obwohl die Bewohner gar nicht da sind. Alarmanlagen oder mechanische Sicherungen sind nur reaktiv und in bestimmten Gebäuden wie Altbauten oft sehr teuer. Mitipi, so heißt der elektronische Helfer, geht einen anderen Weg und setzt auf aktive Prävention - damit gar nicht erst versucht wird, einzubrechen.

"Man kann schon sehen, dass wir mit der Steuerung verschiedener LEDs Licht und Schatteneffekte erzeugen können. Es sieht so aus, als ob sich eine Person im Raum bewegt." Julian Stylianou, Geschäftsführer des Start-Ups Mitipi, hält den neuen Mitbewohner in der Hand: Eine unscheinbare, dreieckige, nach hinten abgeschrägte Box, die auch als Lautsprecher im Kinderzimmer stehen könnte.

Doch die Box kann viel mehr als Licht und Schatten an die Wand werfen: Wenn niemand da ist, übernimmt Mitipi die Regie in der Wohnung oder im Haus. "Er hat verschiedene Aktivitäten wie Kochen, Musik hören, sich unterhalten. Entsprechend wird das repliziert mit Lichteffekten und Akustik-Geräuschen. Vor der Tür würde man also Kochgeräusche oder Gespräche hören und solche Sachen."

Kleine Box täuscht virtuelles Leben in der Bude vor

Das soll potentielle Einbrecher abhalten. Alleine in Deutschland ist letztes Jahr 151.000 Mal eingebrochen worden. Die meisten Taten geschehen am Nachmittag und am frühen Abend. Nur zehn Prozent werden aufgeklärt. Gut zwei Drittel der Opfer fühlen sich nach einem Einbruch zuhause nicht mehr sicher. Die Einbrecher wiederum fürchten nichts so sehr wie die Begegnung mit den Bewohnern - das sagen Studien, und darauf setzt Mitipi.

Im Gegensatz zu einer Zeitschaltuhr, die in vorhersehbaren Abständen das Licht anmacht und nur bei Dunkelheit funktioniert, simuliert Mitipi Tag und Nacht Leben in der Bude. "Durch die Mischung mit der Akustik wird es einfach reeller. Das ist speziell wichtig in der Sommerzeit und bei Tag. Deshalb die Kombination aus Licht und Akustik."

Wer also an einer leeren Wohnung vorbeiläuft, bekommt zum Beispiel das hier zu hören: "Tschüüss, ich wünsch Dir viel Spaß. Ich bleibe in der Zeit daheim und passe auf." Bis zum offizielle Verkaufsstart im Januar 2018 wird Mitipi auch Hochdeutsch sprechen. Der Name allerdings bleibt Schweizerisch, sagt Unternehmenschef Julian Stylianou: "Mitipi heißt mein Tipi, mein Zelt, mein Zuhause."

Abschreckung steuerbar per App von unterwegs

Der virtuelle Mitbewohner kann alleine in der Wohnung stehen, arbeitet aber auch im Verbund mit anderen Geräten im vernetzten Heim. Die verschiedenen Akustik- und Lichtprofile werden je nach Tageszeit eingesetzt. In größeren Häusern kann man mehrere Geräte zusammenschalten. Die Verschlüsselung der Software sei sicher, sagt der Hersteller - zumal Einbrecher in der Regel nicht mit Hacker-Werkzeugen unterwegs sind. Bisher hat Mitipi alle Praxistests bestanden.

Der virtuelle Mitbewohner soll 250 bis 300 Euro kosten, aber dafür braucht er später außer einem bisschen Strom keinen Unterhalt mehr.

Von Marc Koch, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Heidi Keller

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