Hohe Preise für Benzin und Diesel Darum zahlen wir so viel für Sprit

Obwohl der Rohölpreis seit Wochen fällt, bleiben die Spritpreise auf hohem Niveau. Die Automobilclubs haben den Verdacht, dass die Mineralölkonzerne die Preise künstlich oben halten.

Kraftstoff ist nicht günstig zur Zeit an den Tankstellen in Baden-Württemberg. Und die Entspannung bleibt weiterhin aus. Seit fünf Jahren war Benzin und Diesel nicht mehr so teuer wie im Moment. Der Ausfall einer Raffinerie in Bayern und das Niedrigwasser seien die Gründe dafür, sagt der Energieverband.

Lieferanten argumentieren mit hohen Transportkosten

Hans-Jürgen Funke, Verband für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH), erklärt: "Die Tankstellenversorgung ist im Moment sehr schwierig. Die Versorgung muss über lange Strecken über die Straße erfolgen, und die Kosten dafür sind nach wie vor sehr hoch. Von daher kann sich im Moment noch nicht das an den Tankstellen so bemerkbar machen, wie wir das auf dem Rohölmarkt sehen."

Dort herrscht im Moment sogar ein Überangebot. Die Folge: Der Rohölpreis sinkt - seit Anfang Oktober um fast ein Drittel. Gleichzeitig steigen die Kraftstoffpreise an. Im Mittel wurden Benzin und Diesel um zehn Prozent teurer.

Preise für Sprit, Benzin und Diesel, auf dem Höchststand (Foto: SWR, SWR - Quelle: finanzen.net)
Preise für Sprit, Benzin und Diesel, sind auf dem Höchststand, obwohl der Rohölpreis sinkt. SWR - Quelle: finanzen.net

Automobilclubs misstrauen Mineralölkonzernen

Dass zu wenig Wasser in den Flüssen den Sprit teurer macht, weil Schiffe nur noch halbe Ladungen transportieren können - dieses Argument halten die deutschen Automobilclubs allerdings für vorgeschoben.

Gerd Stracke, Vizepräsident Automobilclub von Deutschland (AvD): "Dass die Preise so hochgehen, das ist mit Sicherheit nicht gerechtfertigt. Ich denke mal, wir sind so ein bisschen der Spielball der Mineralölkonzerne geworden."

Heizöl folgt sinkendem Rohölpreis

Der Markt für Heizöl scheint sich umgekehrt zu entwickeln. Anfang November lag der Preis pro 100 Liter durchschnittlich noch bei knapp über 90 Euro. Hier scheint das günstigere Rohöl inzwischen Wirkung zu zeigen.

Hans-Jürgen Funke, Verband für Energiehandel, Südwest-Mitte (VEH): "Der Heizölpreis hat auf den sinkenden Rohölpreis durchaus auch reagiert. Wir liegen im Moment etwa zehn Cent unter dem Höchststand, den wir vor einigen Wochen schon einmal hatten. Allerdings bleibt die Situation natürlich angespannt aufgrund des Niedrigwassers, und insofern haben wir im Moment keinen Normalzustand, wie wir den um diese Jahreszeit gerne hätten."

Vor allem die Autofahrer im Land warten auf den Normalzustand bei den Spritpreisen. In Baden-Württemberg liegen sie laut ADAC zur Zeit durchschnittlich um rund 15 Cent höher als in Norddeutschland.

Von Jochen Braitinger, SWR Aktuelle Wirtschaft | Online: Heidi Keller

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