High Heels oder Bequemschuhe Warum der Sneaker bleiben wird

Wenn man sich auf der Straße umschaut: Fast jeder trägt Sneaker, Lederschuhe sind die Ausnahme. Eine Fachfrau erklärt, wie sich der Schuhmarkt verändert hat und warum es nur Gewinner gibt.

Mehrere Sneakers liegen auf dem Holzboden (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
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Sie sind bequem, voll im Trend und lässig: Sneaker. Fast jeder hat inzwischen mehrere Paar im Schuhschrank stehen und trägt sie nicht etwa nur beim Sport, sondern vor allem im Alltag. Selbst im Büro modisch kombiniert zu Jackett oder Kleid sind die Turnschuhe mittlerweile nichts Besonderes mehr. Was bedeutet das für die Schuhindustrie? Und ist der Sneaker der Tod des klassischen Lederschuhs?

Fragen von Sabrina Fritz, SWR Aktuelle Wirtschaft, an Claudia Schulz, Verband Leder- und Schuhwaren

Was ist der Grund für diesen Sneaker-Boom?

Heutzutage tragen oft Großeltern, Kinder und Enkel dieselbe Art Schuhe: Sneaker. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Heutzutage tragen oft Großeltern, Eltern und Kinder dieselbe Art Schuhe: Sneaker. picture-alliance / dpa -

Ich denke das hängt viel damit zusammen, dass die Menschen heute sportlicher, dynamischer, lockerer und vor allen Dingen auch jünger wirken wollen. Ein Sneaker trägt sehr viel dazu bei, dass ich mein ganzes Outfit jünger gestalten kann.

Ich glaube, das ist ein Trend, der sich auch nicht als kurzfristiger Trend festhalten lässt, sondern das wird eine ganze Weile andauern - nicht zuletzt auch der Demografie geschuldet. Die Menschen werden immer älter, wollen aber immer jünger und dynamischer aussehen.

Gibt es dabei auch Verlierer? Kauft überhaupt noch jemand einen Lederschuh?

Eine Frau sitzt auf einer Treppe und putzt mehrere Paar Schuhe. (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Lederschuhe werden mittlerweile von weniger Menschen getragen als früher. Foto: Colourbox.de -

Man kann in dem Bereich gar nicht von Gewinnern und Verlierern sprechen. Ich denke sogar, dass die gesamte Schuhbranche gewinnt. Denn durch diesen Trend zur Sportivität profitieren auch die ganz klassischen Schuhhersteller.

Sie haben erkannt, was der Markt möchte und bieten zum Beispiel im Herrenbereich hybride Modelle an: Oben ein klassischer Männerschuh, unten die für Sneaker typischen Gummisohlen. Das sind Schuhe, die dann zum Beispiel auch zum Anzug getragen werden.

Im Komfortbereich, auch das ist ganz wichtig: Viele Frauen brauchen einen Schuh mit Funktion und Komfort. Da kann man den Sneaker hervorragend einsetzen, um ihn mit den entsprechenden Funktionselementen mit einem Mehrwert auszustatten.

Der Handel hat allerdings das Problem, dass viele Kunden diese Turnschuhe nicht im klassischen Schuhgeschäft kaufen, oder?

Manche Sneaker erscheinen in limitierter Edition und sind nur bei speziellen Händlern zu kaufen. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Manche Sneaker erscheinen in limitierter Edition und sind nur bei speziellen Händlern zu kaufen. picture-alliance / dpa -

Ja, genau dieses Thema betrifft Trendmarken, Sportmarken, die teilweise einen sehr selektiven Vertrieb haben. Sie entwerfen bestimmte Modelle, die es auch nur in limitierten Auflagen gibt und die dann auch nur an bestimmte Geschäfte - eben Sneaker Stores zum Beispiel - verkauft werden.

Ich denke aber, dass sich da mittlerweile viel getan hat. Denn selbstverständlich reagieren auch da die Verbundgruppen, an die viele Schuhhändler angeschlossen sind, mit entsprechenden Maßnahmen.

Ich komme gerade von einer Messe und habe da interessante Konzepte wie Sneaker-Wände gesehen. Ich glaube, auch die klassischen Fachgeschäfte lassen sich diesen Umsatz nicht entgehen und führen mittlerweile diese Marken. Vielleicht nicht alle Modelle, aber sie mischen ganz schön mit.

Haben Frauen die Lust an hohen Absätzen verloren?

neue Damenschuhe (Foto: SWR, SWR -)
Zu besonderen Anlässen tragen viele Frauen nach wie vor gerne hohe Schuhe. SWR -

Ich glaube, dass hohe Schuhe schon noch ein Thema sind - aber mehr anlassbezogen. Wenn zum Beispiel Hochzeiten sind, besondere Veranstaltungen oder Abitur-Feiern, dann sieht man dankenswerterweise schon nach wie vor auch hohe Schuhe, Sandalen oder Pumps.

Ich denke aber, generell lässt sich sagen, dass im Alltag der Sneaker, der bequeme Schuh, sicherlich den Vorrang hat.

Wie sieht es mit den Umsätzen in der Schuhbranche aus?

Was die Umsätze betrifft, ist der Schuhmarkt in der Tat in den letzten Jahren sehr stark gewachsen. Man kann fast sagen, dass zwischen 2008 und 2017 der Gesamtschuhmarkt um ein Viertel gewachsen ist - und Sneaker haben da sicherlich einen bedeutenden Anteil. Man hat mal gesagt, dass 30 Prozent des Gesamtschuhmarktes auf Sneaker, auf sportliche Schuhe, entfallen. Das sind aber Zahlen, die nicht belegt sind.

Es gibt auch Zahlen darüber, wie viele Schuhe überhaupt pro Jahr gekauft werden. Auch diese Zahl ist etwas angestiegen. Der Wert liegt im Moment bei 5,4 neuen Paaren, also fast sechs Paar Schuhen im Durchschnitt pro Jahr.

Online: Jutta Kaiser

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