Auf der Porsche-Betriebsversammlung 2009. Von links nach rechts: Der damals neue Vorstandsvorsitzende, Michael Macht, der ehemalige Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking, der ehemalige Finanzvorstand Holger P. Härter sowie der damalige Betriebsratsvorsitzende Uwe Hück und der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Porsche. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Ronald Wittek/dpa)

Heute vor 10 Jahren Aus der Porsche-Traum

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David schluckt Goliath – klein kauft groß: Das war der spektakuläre Coup, den Porsche-Chef Wiedeking mit der Übernahme des vielfach größeren VW-Konzerns plante. Doch es kam anders.

Manche sagen sogar: der Himmel habe damals gezürnt. Es blitzt und donnert jedenfalls fürchterlich und wilder Regen prasselt auf das Porsche-Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen, als am 23. Juli 2009 der damalige Porsche-Chef, Wendelin Wiedeking, vor der Belegschaft seinen Rücktritt verkündet.

Übernahme von Volkswagen scheitert

Vorausgegangen war ein Übernahme-Krimi, wie man ihn in der deutschen Wirtschaft vermutlich selten erlebt: Wendelin Wiedeking, der Chef des zwar hochprofitablen aber doch ziemlich kleinen Sportwagenbauers Porsche aus Stuttgart-Zuffenhausen versucht den mindestens zehn Mal so großen VW-Konzern aus Wolfsburg zu schlucken.

Zunächst, und so lange es eben geht, ganz im Geheimen und langsam Stück für Stück, am Ende dann aber immer offensiver und auch aggressiver. Im Hintergrund jedenfalls immer mit dabei: die schwerreichen Eigentümerfamilien des Sportwagenbauers: Porsche und Piech, der von ihnen angestellte und hochbezahlte Manager Wendelin Wiedeking, als Exekutierer des Plans.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, Wendelin Wiedeking, steht zum Auftakt des Prozesses im Landgericht in Stuttgart. (2015)  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance / Marijan Murat / dpa)
Für seinen gescheiterten Übernahmeversuch musste sich der einstige Porsche-Chef Wiedeking auch vor Gericht verantworten. Und wurde 2016 freigesprochen. Picture Alliance / Marijan Murat / dpa

Waghalsige Aktiengeschäfte platzen

Das Rad, das Wiedeking zu drehen versucht hatte, war am Ende wohl doch zu groß. Denn Porsche kann den VW-Kauf nur auf Pump finanzieren und konnte ihn nur mit waghalsigen Aktiengeschäften bewerkstelligen.

Dieses kompliziere Aktien-auf-Pump-Kaufprogramm aber platzt, als die Banken den Geldhahn, mitten in der Finanzkrise 2008/2009 auf einmal zudrehten. Hinzu kommt das VW-Gesetz, dass Porsche ein Durchregieren bei VW schwer gemacht hätte.

Ferdinand Piech, der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende von VW und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche Automobil Holding SE, steht während der Hauptversammlung von Porsche auf dem Podium, während Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zu seinem Platz läuft. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance / Bernd Weißbrod / dpa)
Am Ende war es wohl Ferdinand Piech, der 2009 mit dem Satz, Wiedeking genieße "noch sein Vertrauen - streichen sie das noch", das Schicksal seines Topmanagers besiegelte. Picture Alliance / Bernd Weißbrod / dpa

Porsche-Eigentümerfamilien entziehen Wiedeking das Vertrauen

Am Ende jedenfalls schluckte der Große dann doch den Kleinen: VW kaufte Porsche. Und (der Ideengeber des Ganzen) Wiedeking muss gehen. Auch weil die Eigentümerfamilien von Porsche, allen voran wohl der Patriarch Ferdinand Piech, wohl dass Vertrauen in ihn verloren hatten.

Abgefunden wird Wiedeking mit 50 Millionen Euro – immerhin. Aber er ist doch irgendwie gescheitert. Dabei war sein Plan, den kleinen Sportwagenbauer Porsche mit dem großen VW-Konzern zu vereinen, sogar alternativlos, etwa findet der Autoanalyst Frank Biller von der Landesbank Baden-Württemberg.

Der damalige Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking raucht am 20.12.2007 in Hannover beim Nord Süd Gipfel eine Zigarre. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Jochen Lübke/dpa)
Der damalige Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking raucht am 20.12.2007 in Hannover beim Nord Süd Gipfel eine Zigarre. picture alliance / Jochen Lübke/dpa

„Das war gerade für die Eignerfamilien Porsche und Piech ein sehr erfolgreiches Investment.“

Frank Biller, Autoanalyst bei der Landesbank Baden-Würrtemberg in Stuttgart

VW schluckt Porsche – und Wiedeking wird Privatier und bleibt Unternehmer

Heute ist Porsche die Ertragsperle im 12-Marken-Reich VW. Rettet den Wolfsburgern damit regelmäßig die Bilanz. Und der einstige Porsche-Chef Wiedeking?

Er ist inzwischen fast 67 Jahre alt. Aber nach wie vor sehr umtriebig, sagen Vertraute von ihm. Wendelin Wiedeking sei jendefalls ein Mensch, der seine Zeit gerne mit der Familie und mit Freunden verbringt.

Seine zahlreichen unternehmerischen Aktivitäten hat er gebündelt und steuert sie gemeinsam mit seinem Sohn. Zu den Unternehmen gehören die Schuhmarken „Shoepassion“, „Dinkelacker“, die Restaurantkette „Tialini“ sowie die Reisevermittler „ehoi“ und „e-domizil“.

Leute, die ihn gut kennen, berichten jedenfalls: Sein Terminkalender sei immer noch sehr gut gefüllt. Die Zeiten, in der er in der allerersten Liga der deutschen Topmanager eine entscheidende Rolle mitspielte, allerdings: sie sind – 10 Jahre nach seinem Rücktritt bei Porsche – wohl definitiv vorbei.

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