Goldener Handschlag für Winkelmann | Kommentar Air Berlin-Abfindung - behandelt alle gleich!

Air Berlin-Chef und Pleitier Thomas Winkelmann wird noch vier Jahre lang Gehalt beziehen. "Das stinkt zum Himmel", findet SWR-Wirtschaftsredakteurin Sabrina Fritz.

Air Berlin Vorstandschef Thomas Winkelmann (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Air Berlin-Vorstandschef Thomas Winkelmann lässt sich den Abschied vergolden picture-alliance / dpa -

Die Fluggesellschaft Air Berlin ist insolvent, große Teile gehen an die Lufthansa - und tausende Mitarbeiter machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Denn die Lufthansa übernimmt bei weitem nicht die gesamte Belegschaft. Einer aber kann auch weiter ruhig schlafen: Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann. Der hat sich sein Gehalt für vier weitere Jahre gesichert.

Kommentar von Sabrina Fritz, SWR Wirtschaft und Soziales

Dieser Deal stinkt - und zwar zum Himmel. Im Februar nahm er im Cockpit von Air Berlin Platz und unterschrieb noch einen Arbeitsvertrag über vier Jahre. Doch damals war schon klar, dass sich die Fluggesellschaft nie und nimmer noch vier Jahre in der Luft halten wird. Auch Winkelmann musste dies nach einem Blick in die Bücher klar gewesen sein. Sonst hätte er seine Gehalt ja nicht auf ein Treuhandkonto legen lassen, das von der Insolvenz geschützt ist.

Ein halbes Gehalt pro Beschäftigungsjahr ist genug

Sabrina Fritz, ARD-Hörfunkkorrespondentin in Washington (Foto: SWR, SWR - Foto: Alexander Kluge)
Sabrina Fritz, SWR Wirtschaft und Soziales SWR - Foto: Alexander Kluge

Im Klartext: Egal wie es mit Air Berlin jetzt weiter geht, Winkelmann muss sich um seine Miete oder gar den nächsten Urlaub keine Gedanken machen. Im Gegensatz zu den Air Berlin-Kunden oder -Mitarbeitern. Tausende werden ihren Job verlieren. Ja, auch von ihnen bekommen einige eine Abfindung. Wie viel, das steht im Gesetz: Ein halbes Gehalt pro Beschäftigungsjahr. Das wäre doch auch eine gute Formel für den Boss. 450.000 Euro Abfindung - das wäre immer noch viel Geld gewesen für ein paar Monate Arbeit, aber kein Grund zum Aufschrei.

Falsche Anreize für den Manager

Und noch ein Gedanke: Kämpft ein Manager, der sein Gehalt sicher in der Tasche weiß, wirklich noch mit Leib und Seele für den Erhalt des Unternehmens? Oder wurde der ehemalige Lufthansa-Manager nur eingestellt, um einen Käufer für den Pleiteflieger zu finden? Dann hat er seinen Job richtig gut gemacht, denn Lufthansa bekommt den Löwenanteil von Air Berlin. So ein Zufall, dass Winkelmann früher bei Lufthansa gearbeitet hat. Konnte er die Verhandlungen überhaupt neutral führen?

Es gab schon mal einen ähnlichen Fall in Deutschland. Karl-Gerhard Eick bekam 15 Millionen Euro für sechs Monate Arbeit; dafür, dass er Karstadt in die Pleite begleitet hat. Ein Argument für diese Verträge ist oft, man hätte sonst keinen guten Manager gefunden. Doch wer ein Schiff übernimmt, das am Absaufen ist, sollte zuerst an das Unternehmen und dann an den eigenen Geldbeutel denken. Ein halbes Gehalt pro Arbeitsjahr als Abfindung, egal ob Vorstand oder Stewardess, das wäre eine faire, transparente Lösung.

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