Gegenwind für Autobauer Daimler-Gewinneinbruch nicht überraschend

Der Gewinn beim Stuttgarter Autobauer Daimler ist im zweiten Quartal um 30 Prozent eingebrochen. Diese Entwicklung hatte Daimler angekündigt. Der Konzern steht auf mehreren Feldern unter Druck.

Ein Mercedes-Mitarbeiter der End-of-Line-Station inspiziert Autos des S-Klasse. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Daimler hat die Prognose für den Pkw-Absatz im Gesamtjahr gesenkt und rechnet damit, nur noch den Vorjahresstand zu erreichen. picture-alliance / dpa -

Vor wenigen Wochen hatte der Konzern bereits angekündigt, dass es angesichts zahlreicher Probleme nicht gut laufen würde. Das zeigen jetzt die Zahlen. Der operative Gewinn, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, im zweiten Quartal liegt bei 2,6 Milliarden - verglichen mit dem Vorjahr ein Minus von 30 Prozent. Der Umsatz ging trotz eines höheren Fahrzeug-Absatzes insgesamt um ein Prozent auf 40,76 Milliarden Euro zurück.

Mehrere Gründe für den Einbruch bei Daimler

Der Auto- und Lastwagenbauer Daimler hat im zweiten Quartal hohe Sonderbelastungen zu spüren bekommen. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn sackte um 29 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro ab, weil für den Vergleich im Rechtsstreit um das Lkw-Mautsystem Toll Collect hohe Kosten anfielen. Außerdem belastete Daimler in den vergangenen Wochen der Handelsstreit zwischen China und den USA. Das führte zu geringeren Gewinnen im China-Geschäft. Der Konzern musste in China unter anderem höhere Rabatte geben.

Auch der Dieselskandal spielte eine Rolle. Nach Angaben von Daimler belasten unter anderem sogenannte Servicemaßnahmen für Dieselfahrzeuge. Der Konzern muss bei einigen Modellen nachbessern. Dazu kommt, dass bei Mercedes momentan nicht alle Modelle dem neuen Abgasstandard WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) genügen. Somit steht nicht die ganze Fahrzeuge Palette zum Verkauf. Konkret heißt das für die nächsten Monate: Nach den Manipulationsvorwürfen stehen bei Daimler Rückrufe für über 700.000 Fahrzeuge an. Software-Updates für rund drei Millionen Mercedes-Diesel müssen entwickelt werden.

Deshalb rechnet Daimler nun für das Gesamtjahr 2018 mit einem niedrigeren operativen Gewinn als im Vorjahr.

Daimler investiert weiter in Zukunftstechnologien

Bei einer Pressekonferenz zum "Strategiedialog Automobilwirtschaft BW" spricht Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht große Herausforderungen auf den Autokonzern zukommen. picture-alliance / dpa -

"Die Automobilindustrie und damit auch wir haben eine Vielzahl von Herausforderungen zu meistern. Deshalb ist es wichtig, dass wir konsequent unsere Strategie umsetzen", sagte Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars bei der Präsentation der Zahlen. "Mit zahlreichen neuen Modellen und Technologien wollen wir unsere Position weiter stärken und ausbauen. Dabei fokussieren wir uns nicht nur mit unserer CASE-Strategie auf innovative Technologien, sondern gestalten mit dem Projekt Zukunft unser Unternehmen gleichzeitig für eine nachhaltig erfolgreiche Zukunft um."

Daimler will in neue effizientere Motoren, alternativ angetriebene Fahrzeuge und Antriebssysteme, autonomes Fahren und in Konnektivität investieren. Bei Daimler Trucks liegen die Schwerpunkte auf Aktivitäten in Richtung Kraftstoffeffizienz und Emissionsreduzierung sowie bei Aufwendungen für Technologien für wichtige Wachstumsmärkte. Außerdem werden die Zukunftstechnologien Elektromobilität, Konnektivität und automatisiertes Fahren immer wichtiger.

Prognosen bis Ende 2018

Ein Mercedes fährt durch einen Tunnel. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Der Gewinn von Daimler ist im zweiten Quartal noch stärker eingebrochen als erwartet. picture-alliance / dpa -

Auf Basis der insgesamt positiven Absatzentwicklung geht Daimler davon aus, dass der Konzernumsatz dieses Jahr insgesamt leicht zunehmen wird. In den Geschäftsfeldern Mercedes-Benz Vans, Daimler Trucks und Daimler Financial Services rechnet der Konzern mit einem deutlichen Umsatzanstieg. Im Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars wird mit einem Umsatz auf dem hohen Vorjahresniveau gerechnet. Das gilt ebenso für das Geschäftsfeld Daimler Buses.

Bereits im Juni hatte der Konzern bekanntgegeben, dass bei Mercedes-Benz Cars aufgrund der erhöhten Einfuhrtarife für US-Fahrzeuge in den chinesischen Markt von geringeren als bisher erwarteten SUV-Absätzen sowie höheren Kosten auszugehen sei. Mit weiteren Belastungen sei in der zweiten Jahreshälfte im Zusammenhang mit dem Zertifizierungsprozess nach dem neuen Standard WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) zu rechnen. Das Ergebnis von Mercedes-Benz Vans wird im Zusammenhang mit dem Rückruf von Diesel-Fahrzeugen geschwächt.

Der Autohersteller geht zudem bei Mercedes-Benz Cars von einer geringeren Verfügbarkeit von Fahrzeugen aus. Grund seien etwa die bekannten Auslieferstopps für einige Diesel-Modelle. Zudem dauere die Zertifizierung von Fahrzeugen in einigen internationalen Märkten derzeit länger als üblich. Daimler arbeite seit längerer Zeit mit Hochdruck an Software-Updates, der Umstellung des europäischen Teststandards auf WLTP sowie der Klärung offener technischer und rechtlicher Fragen. Daher sei Daimler bei der Zertifizierung neuer Modelle teilweise nicht so weit wie erwartet. Aufgrund der unverändert hohen Nachfrage nach Mercedes-Benz Fahrzeugen rechnet das Unternehmen jedoch damit, dass sich die Situation im vierten Quartal wieder normalisieren werde und die Bestände bis zum Jahresende 2018 wieder abgebaut werden könnten.

Konzernumbau und Beschäftigungsgarantie sollen Schlagkraft sichern

Der Konzern verkündete auch, man sei beim Umbau des Unternehmens im Plan. Daimler sortiert seine Sparten neu. Ab 2020 soll unter der neuen Konzernstruktur gearbeitet werden. So wird es eine LKW- und Bussparte geben. Unter Mercedes wird das Pkw- und Van-Geschäft in einem Bereich zusammenfasst. Und die Finanzierungssparte soll in Zukunft Mobility AG heißen.

Daimler will durch die selbständigeren Bereiche in Zukunft schlagkräftiger werden. Für die Mitarbeiter gab der Konzern eine Beschäftigungsgarantie bis 2029 ab. So nimmt man der Belegschaft die Furcht vor dem Umbau.

Von Christof Gaißmayer, SWR Aktuelle Wirtschaft | Online: Heidi Keller

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