Fußball-Gucken am Arbeitsplatz Firmen drücken für Fußball-WM ein Auge zu

In Russland rollt der Ball bei der Fußball-WM 2018. Doch viele Spiele beginnen bereits während der Arbeitszeit. Viele Unternehmen haben sich dazu etwas einfallen lassen.

Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft feiern beim Public Viewing auf dem Platz vor dem Olympiastadion in Berlin (Archivfoto vom 13.06.2010). (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Die meisten Unternehmen zeigen sich kulant beim Thema "WM gucken in der Arbeitszeit". picture-alliance / dpa -

Fragen an Tobias Frey, SWR Wirtschaftsredaktion

Wie gehen die Firmen mit der WM-Begeisterung ihrer Mitarbeiter um?

12.06.2016, Baden-Württemberg, Freiburg: Fußballfans verfolgt am 12.06.2016 beim Public Viewing auf dem Messegelände in Freiburg (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Einige Unternehmen planen firmeninternes "Public Viewing" für Mitarbeiter. picture-alliance / dpa -

Fast alle großen Konzerne in Baden-Württemberg haben mir verraten, dass sie auch in WM-Stimmung sind und deshalb eben beim Arbeitsrecht häufig ein Auge zudrücken werden. Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage der Universität Hohenheim: Da haben fast 70 Prozent der befragten Firmenchefs gesagt, dass es für sie okay sei, wenn die Mitarbeiter während der Arbeitszeit mal die Spielstände checken würden. Mehr als jedes dritte Unternehmen will sogar ein Auge zudrücken, wenn die Beschäftigten am Arbeitsplatz ein WM-Spiel im Fernsehen anschauen.

Auf das Verständnis der Arbeitgeber hofft auch die Gewerkschaft Verdi in Baden-Württemberg. Auch sie sagt: Die WM-Zeit ist aus Arbeitnehmersicht einfach eine besondere Zeit.

Es kommt aber immer auf den Chef beziehungsweise das jeweilige Unternehmen an, wie viel WM-Stimmung am Arbeitsplatz in Ordnung ist?

Auf einem Tischfußball-Tisch hängen Tischfußballfiguren am 10.04.2014 im HSV-Tischfußball-Sportzentrum in Norderstedt (Landkreis Segeberg) bei Hamburg. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Bei manchen Firmen darf und soll man sich während der WM selbst im Fußballspielen üben dürfen - und sei es am extra beschafften Tischkicker. picture-alliance / dpa -

Das stimmt, es gibt viele Unternehmen, die die Fußball-WM als Teambuilding-Maßnahme sehen und sagen: Lasst uns doch gemeinsam die Spiele anschauen. Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim etwa hat an seinem Standort in Biberach extra Leinwände und Monitore zum WM-Schauen aufgebaut. Es wurden XXL-Tischkicker aufgestellt und es gibt sogar einen menschlichen Tisch-Kicker. Das ist diese große aufblasbare Tischfußball-Anlage mit den Stangen, an denen man sich festhält.

Ein deutscher Fußballfan versucht im Juni 2006 einen Blick durch den Zaun in das Berliner Teamhotel der Nationalelf zu erhaschen. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Heimlich gucken sollte man die WM nicht: arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen sonst. picture-alliance / dpa -

Ähnlich ist es auch bei SAP, der Softwarekonzern lädt seine Mitarbeiter zum gemeinsamen WM-Fußball-Schauen in die Konzernzentrale in Walldorf bei Heidelberg ein. Beim Stuttgarter Autobauer Daimler, der ja auch einer der Hauptsponsoren der deutschen Nationalmannschaft ist, werden bei wichtigen Spielen in einigen Werken, etwa in Rastatt oder Untertürkheim, die Spätschicht früher beenden werden und die Nachtschicht später beginnen, damit die Arbeitnehmer die deutschen Spiele in voller Länge verfolgen können.

Wird das Angebot noch erweitert, wenn die Deutsche Nationalelf weiter kommt?

Deutsche Fans jubeln 2006 in Senden nach dem WM-Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft über Polen. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Gemeinsam Fußballschauen auf einem Spargelhof während der WM 2006. picture-alliance / dpa -

Das kommt darauf an, wie die WM-Begeisterung der Mitarbeiter ist. Boehringer Ingelheim hat mir gesagt, dass Spiele mit deutscher Beteiligung Vorrang haben. Aber die Beschäftigten in Biberach können bei Doppelterminen - das ist ja beim letzten Gruppenspiel der Fall - selbst entscheiden, welches Spiel gezeigt werden soll. Ganz generell wollen die Unternehmen sehr flexibel auf die WM und die Ergebnisse reagieren.

Ein Mann hält vor seinem Laptop einen Fußball in den Händen und jubelt. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Fußballgucken am Arbeitsplatz wird von vielen Firmen geduldet. Thinkstock -

Also kann es durchaus sein, dass Richtung Halbfinale auch Firmenchefs sagen: "Kommt, wir schauen die Spiele jetzt zusammen an". Wobei die meisten Unternehmen eh schon darauf hinweisen, dass sie flexible Arbeitszeitmodelle haben und die Mitarbeiter ausstempeln können, um Spiele anzuschauen und danach weiterzuarbeiten - das ist zum Beispiel beim Autozulieferer Bosch oder beim Sägenhersteller Stihl in Waiblingen der Fall.

Online: Lutz Heyser

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