Fruchtsäfte sind besser als ihr Ruf Das ist der beste Zeitpunkt für ein Glas Saft

Weil Fruchtsäfte ähnlich viel Zucker wie Cola und Limo haben, sind sie in Verruf geraten und stehen auf einer Stufe mit Softdrinks. Neue wissenschaftliche Studien widerlegen das.

Aktuelle Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Fruchtsäfte besser als Softdrinks sind. Zwei Kilo Orangen brauchen Fruchtsafthersteller für einen Liter Saft. Bei Äpfeln ist etwas weniger nötig. Reif und frisch sollten die Früchte sein, damit der Saft schmeckt. Wer einmal eine Marke für sich entdeckt hat, bleibt oft dabei.

Saft bringt mehr Nährstoffe für den Körper

Rund 25 Gramm Zucker pro Glas trinken Saftliebhaber. Dazu kommen Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Nährstoffe kann unser Körper aus dem Saft tatsächlich besser aufnehmen als aus der puren Frucht. Denn beim Kauen werden nicht alle Zellen zerkleinert. Das macht die eingeschlossenen Inhaltsstoffe schwerer verwertbar.

Dazu kommt, dass Ballaststoffe die Nährstoffaufnahme hemmen. Da im Saft kaum welche sind, werden daraus rund doppelt so viele Carotinoide aufgenommen wie aus der Frucht. Eine Portion Obst durch ein Glas Saft zu ersetzen, kann also sinnvoll sein.

Bei Vitaminsäften droht Überversorgung - und Fettaufbau

Allerdings nur, wenn dem Saft nicht extra Vitamine zugesetzt worden sind, warnt Ernährungsmediziner Matthias Riedl. "Wenn wir Säfte haben, die den Tagesbedarf an Vitaminen zu über 100 Prozent abdecken, ist der Körper überversorgt, und wir wissen nicht genau, welche negativen Effekte dadurch entstehen. Aus Studien ist allerdings zu befürchten, dass die Sterblichkeit dadurch gesteigert werden könnte."

Schon mit einem Glas Multivitaminsaft täglich kann es zu Überdosierungen kommen. Und natürlich muss man auch den Blutzucker im Auge behalten. "Je stärker der Blutzuckeranstieg, desto mehr Insulin muss unser Körper produzieren und Insulin hat einen entscheidenden Nachteil, es hemmt den Fettabbau und schlimmer noch, es führt zum Fettaufbau. Mit anderen Worten - es macht dick."

Saft ist besser als Limo

Die Blutzuckerkurve schießt nach einem Glas Limo steil nach oben und sackt dann wieder ziemlich schnell bis in den Keller. Diese Unterzuckerung macht müde und hungrig. Durch den Fruchtzuckeranteil im Saft dagegen schwankt die Blutzuckerkurve nicht so extrem.

Am besten für den Blutzuckerspiegel: Obst essen

Obst zu essen, statt es zu trinken, ist für den Blutzucker aber noch besser, erklärt Ernährungsmediziner Riedl. "Am idealsten ist es beim Apfel. Dort kommt der höhere Fruchtzuckeranteil zusammen mit den Ballaststoffen und dem gesamten Apfel, der einfach viel länger verdaut werden muss. Das macht uns zufrieden und satt und lässt den Blutzuckerspiegel kaum ansteigen und hält ihn auf konstantem Niveau. Wir fühlen uns damit besser."

Dass der Körper aufgrund der vielen Ballaststoffe dann nicht alle Carotinoide verwerten kann, macht nichts. Von denen kriegen wir durch grünes und rotes Obst und Gemüse eh ausreichend.

Wann man Saft am besten trinken sollte

Sie sollten Ihr Glas Saft sowieso immer zum Essen dazu trinken. Dann essen Sie automatisch etwas weniger und nehmen nicht zu. Das haben Studien gezeigt.

Wenn man aber den Saft einzeln zwischendurch trinkt - dann setzt man allerdings schneller Fett an.

Von Sabine Schütze, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller

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