Foodsaver gegen Lebensmittelverschwendung Essens-Retter füllen öffentliche Vorratsschränke

Das Forschungsprojekt Refowas hat für die Bundesregierung die Lebensmittelverschwendung bei uns untersucht. Foodsaver sammeln selbst übrige Lebensmittel und stellen sie in frei zugängliche Regale.

Eine Kiste mit Gemüse, daneben hält eine Hand eine Flasche Rotwein und eine Packung mit Wurst (Foto: SWR, SWR -)
Foodsaver sind Essensretter: Junge Leute wollen etwas gegen die Lebensmittelverschwendung tun. SWR -

Jeder Deutsche wirft im Schnitt 82 Kilo Lebensmittel weg - jedes Jahr. Das ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein ethisches Problem. Deshalb hat die letzten Bundesregierung vor rund drei Jahren das Forschungsprojekt Refowas ins Leben gerufen. Refowas steht für "Reduce food Waste". Jetzt findet in Berlin die Abschlusskonferenz des Projektes statt.

Das Ganze ist zwar gut, finden die Foodsaver, geht aber viel zu langsam. Foodsaver sind Menschen, die in Supermärkten unverkäufliche Lebensmittel abholen, um sie so zu retten. SWR-Umweltredakteurin Susanne Henn hat zwei von Ihnen begleitet.

Foodsaver sind Menschen, die Lebensmittel retten

Korb mit krumm gewachsenem Gemüse (Foto: picture alliance / dpa -)
Obst- und Gemüse mit Schönheitsfehlern kommt bei Verbrauchern nicht gut an. picture alliance / dpa -

Mittwochnachmittag im Anlieferbereich eines Cap-Supermarkts im Stuttgarter Osten. Maximilian Kraft und David Jans holen Lebensmittel ab, die im Laden nicht mehr verkauft werden können: "Wir haben jetzt hier im Moment eine Packung Backwaren, und das ist eine geöffnete Packung Mehl. Und hier sind Gurken mit teilweise matschigen Stellen, die so auch nicht mehr den Kundenwünschen entsprechen."

Jedes Jahr wirft jeder Deutsche mehr als 80 Kilo Lebensmittel einfach in den Müll. Meistens - so das Fazit einer Studie der Universität Stuttgart - wären die Sachen noch essbar gewesen. "Betroffen sind hauptsächlich die leicht verderblichen Lebensmittel. Obst und Gemüse, das macht den Hauptanteil aus. Dann kommen Brot und Backwaren, das sind die größten Anteile", sagt Erika Claupein vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe. Auch sie untersucht für das Refowas-Projekt, wo Lebensmittelabfälle entstehen.

Essensretter schreiben auf foodsharing.de, was es gerade gibt

Mittlerweile haben die Mitarbeiter des Cap-Marktes eine weitere Kiste unverkäuflicher Sachen herbeigebracht: Milch, Kräuterbutter, Knödelmasse. David Jans packt alles in mitgebrachte Taschen. Er und Maximilian Kraft sind registrierte Foodsaver, zu deutsch: Essensretter. Diese Bewegung entstand vor rund fünf Jahren. Seither gibt es die Internetplattform foodsharing.de. Dort können Privatpersonen Lebensmittel, die sie nicht mehr brauchen, zum Verschenken anbieten. Zudem gibt es Kooperationen mit zahlreichen Supermärkten, in denen täglich aussortierte Lebensmittel abgeholt werden

Was passiert mit den eingesammelten Lebensmitteln?

Essen im Regal und im Kühlschrank für alle zum teilen. (Foto: SWR, SWR -)
Essen im Regal, im Kühlschrank und im Gefrierschrank für alle zum teilen. SWR -

"Das nehmen wir jetzt mit und verteilen es. Also jeder Foodsaver bei Foodsharing darf selber entscheiden, wohin die Sachen verteilt werden. Wichtig ist nur: kostenlos und eben zum menschlichen Verzehr."

Man kann die Lebensmittel auch - sofern sie nicht gekühlt werden müssen - in sogenannte Fairteiler stellen, frei zugängliche Vorratsschränke. Allein sechs davon stehen in Stuttgart und wer etwas reinstellt, schreibt es auch auf die Internetseite foodsharing.de.

Fairteiler sind öffentlich zugängliche Lebensmittel-Regale

Da steht dann etwa: "Fairteiler ist frisch befüllt mit frischen Brötchen und Brot und Knödelbrot. Kommt vorbei und bedient euch, solange die Sachen frisch sind." Oder: "Es gibt noch einiges an Gemüse im Fairteiler: Fenchel, Rettich, Tomaten, Salat."

Jeder, der das liest oder zufällig am Fairteiler vorbei kommt, kann sich mitnehmen, was er braucht. Auch die Foodsaver selbst bedienen sich, aber - das betont David Jans - darum geht es ihm nicht. "Nein, Foodsharing ist nicht darauf ausgelegt, dass man sich selbst irgendwie mit Lebensmitteln versorgt, sondern es geht darum, das Thema Lebensmitteverschwendung in den Fokus zu rücken. Natürlich isst man auch von den Sachen - aber mir wäre es lieber, wenn ich nichts abholen müsste und wir keine Lebensmittelverschwendung hätten."

Online: Heidi Keller

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