Fleischatlas 2018 Fleischproduktion schadet Umwelt und Tieren

Die fünf weltgrößten Fleisch- und Milchkonzerne verursachen mehr Klima-Gase als der Öl-Riese Exxon. Tierprodukte decken ein Fünftel der Welternährung ab, brauchen aber vier Fünftel der Fläche.

Rinderzucht (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Die Landwirtschaft trägt auch viel zur Feinstaubbildung bei: durch Gase, die bei der Tierhaltung entstehen. Etwa 95 Prozent des Luftschadstoffs Ammoniak stammen in Deutschland aus der Landwirtschaft. Thinkstock -

Die moderne Fleischproduktion ist umweltschädlich und schlecht für die Tiere. Das ist der rote Faden des Fleischatlas. Veröffentlicht wird er vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Heinrich-Böll-Stiftung und der Zeitung "Le Monde Diplomatique". Mehr klimaschädliche Gase als der Öl-Riese Exxon produzieren allein die fünf weltgrößten Fleisch- und Milchkonzerne. Tierische Produkte tragen nur zu einem Fünftel der Welternährung bei, beanspruchen aber vier Fünftel der Fläche. Bei Mastschweinen sind bis zu 80 Prozent der Tiere verletzt oder leiden unter Atemwegerkrankungen.

Verbrauch von Tier-Antibiotika steigt weltweit weiter

Schlachter vor Schweinehälften (Foto: © dpa. Picture Alliance -)
Industrielle Produktion von Schweinefleisch © dpa. Picture Alliance -

Die Autoren des Fleischatlas 2018 tragen Fakten zusammen - etwa zum Stichwort Antibiotika. Der Verbrauch in der Tierhaltung wird bis 2030 um 50 Prozent steigen. Aber: Die Situation in Deutschland hat sich deutlich verbessert. Mustergültig sind Dänemark und die Niederlande. Schlusslichter in der EU bleiben mit Abstand Italien und Spanien. Global sticht China heraus: Das Land verbraucht mehr als die Hälfte aller Tier-Antibiotika weltweit.

Weniger Tiere pro Hektar Land - im Südwesten kein Problem

In den Ställen herrscht drangvolle Enge. Mit Antibiotika sollen Krankheiten und Epidemien vermieden werden (Foto: © dpa, Picture Alliance -)
Weniger Tiere pro Hektar Land gefordert. © dpa, Picture Alliance -

Weniger Fleisch - das ist nach Einschätzung der Autoren der einzige Weg, um die Umwelt- und Tierschutzprobleme zu lösen. Ein erster Schritt: Maximal zwei Rinder oder zehn Schweine sollten pro Hektar Landfläche gehalten werden dürfen.

Der Nordwesten Deutschlands müsste da deutlich "abspecken". Den Südwesten träfe das kaum.

Der Fleischatlas 2018 will auch Alternativen anbieten. Die Autoren fordern:

  • Der Mehrwertsteuersatz auf Fleisch soll von 7 auf 19 Prozent erhöht werden.
  • Ein verpflichtendes Label auf Fleisch und Wurst, mit dem Verbraucher informiert werden, wie die Tiere gehalten wurden. Die Verbraucher seien bereit mehr zu zahlen - wollten dafür aber klar wissen, wofür sie Geld ausgeben.
  • Die EU-Hilfen für Bauern dürften nicht nach Fläche verteilt werden, sondern für mehr Umwelt- und Tierschutz.
  • Ganz nach vorne gedacht: Insekten werden global gesehen eine wichtige Eiweißquelle, meinen die Experten. Sie verbrauchen wenig Futter und Wasser. Skeptischer bewerten die Experten Fleisch aus der Retorte.

Von Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller

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