Ferdinand Dudenhöffer zu Gerüchten um VW-Chef "Mehr als nur ein normaler Vorstandswechsel"

Insidern zufolge soll VW-Markenchef Herbert Diess den bisherigen Vorstandschef Matthias Müller ablösen. Wir haben den Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer gefragt, was er davon hält.

Volkswagen: Spekulationen um Führungswechsel (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Volkswagen: Spekulationen um Führungswechsel picture-alliance / dpa -

Gespräch mit Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Universität Duisburg-Essen

Herr Dudenhöffer, waren Sie überrascht von den Spekulationen um Müllers Rücktritt?

Ferdinand Dudenhöffer, Universität Duisburg-Essen (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Ferdinand Dudenhöffer, Universität Duisburg-Essen picture-alliance / dpa -

Es ist außerordentlich überraschend, es ist merkwürdig, sonderbar, denn bei keinem Unternehmen der Welt gibt man ad-hoc-Meldungen raus, wenn man Vorstandspositionen ändert. Wenn das der Fall wäre, dann hätte der Aufsichtsratsvorsitzende Achleitner seit 14 Tagen nur ad-hoc-Meldungen herausgeben müssen.

Das scheint mehr zu sein als nur ein normaler Vorstandswechsel, das scheint etwas Bedeutendes zu sein.

Wenn wir ein bisschen im Nebel stochern – was kann Müller gemacht haben, dass jetzt so ein Schritt folgt?

Matthias Müller (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Matthias Müller picture-alliance / dpa -

Auf der einen Seite ist es so, dass mit Dieselgate immer noch Belastungen im Raum stehen, dass Vorstände frühzeitig über Dieselgate informiert waren und das nicht gesagt haben oder weitergegeben haben. Das können rechtliche Vorwürfe sein, die erheblich sein können. Zweitens ist es so, dass öfter geschrieben worden ist, dass die Piëch-Familie zum Beispiel mit dieser Affen-Geschichte bei den Abgasen oder mit anderen Dingen nicht einverstanden gewesen sei. Das sind so die beiden Dinge, die einem so einfallen. Auf der anderen Seite ist es so, dass Müller sehr viel für den Konzern gemacht hat. Er hat ihn in einer äußerst schwierigen Situation in eine neue Richtung gebracht, eine außerordentlich wichtige Richtung, deshalb überrascht dieser Schritt außerordentlich.

Wenn wir auf den Nachfolger Herbert Diess schauen – wie weiß ist dessen Weste in Sachen Dieselskandal?

VW-Markenchef Herbert Diess (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
VW-Markenchef Herbert Diess picture-alliance / dpa -

Auch das wissen wir nicht genau, es sind reine Vermutungen. Bei Diess ist es allerdings so, dass er relativ spät zum VW-Konzern gekommen ist. Diess hat bei VW einen hervorragenden Job gemacht, er hat die Marke nach vorne gebracht, hat die Profitabilität erhöht, er hat diese SUV-Welle ins Laufen gebracht, die wichtig ist für den Konzern. Er hat die Elektromobilität ausgerollt. Von daher ist es noch seltsamer, dass jetzt ein Rollentausch möglicherweise stattfindet, angetickert durch diese seltsame ad-hoc-Mitteilung.

Was könnte dies bringen in Sachen Führungsstil und Persönlichkeit – was ist das für ein Typ?

Diess ist jemand, der sehr stark an Effizienz arbeitet, an Prozessen arbeitet, an schnelleren Organisationen arbeitet. Das hat er bei BMW gezeigt – also eine Persönlichkeit, die als Manager wirklich Vorbildcharakter hat.

VW geht’s ja nicht schlecht. 2017 wurden mit 10,7 Millionen Fahrzeugen so viele Autos verkauft wie noch nie zuvor. Aber hat sich der Konzern schon weit genug erholt, dass man den Krisenmanager Müller verabschieden kann?

Volkswagen: Spekulationen um Führungswechsel (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Volkswagen: Spekulationen um Führungswechsel picture-alliance / dpa -

Nach meiner Einschätzung nicht. Nach meiner Einschätzung wäre es besser, wenn man dieses Gespann Diess und Müller mit den anderen Vorständen, die man hat, weiter hätte laufen lassen. Denn das, was gemacht worden ist, ist viel Neues bei dem Konzern. Man hat den Diesel-Gate überwiegend gelöst und den Konzern auch in seiner Mentalität, in seiner Konstitution neu ausgerichtet. Früher ist oft das Zitat gekommen 'VW ist Nordkorea, nur in Niedersachsen.' VW ist heute ein demokratisches Unternehmen. Das ist eine kulturelle Änderung, die man bei VW heute sieht. Es wäre gut gewesen nach meiner Einschätzung, diesen Wandel weiter zu begleiten, zumindest die nächsten Jahre.

Das Gespräch führte Katha Jansen, SWR Wirtschaftsredaktion

Online: Moritz Hartnagel

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