Faktencheck zu deutschen Einsparzielen Besserer Klimaschutz nur mit Diesel?

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt, Diesel sei unverzichtbar für den Klimaschutz - ein Umstieg auf Benzin bringe die Einsparziele für Kohlendioxid in Gefahr. Unser Experte sieht das anders.

Schafft die Bundesregierung ihre selbst gesetzten Klimaziele? (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Schafft die Bundesregierung ihre selbst gesetzten Klimaziele? picture-alliance / dpa -

Was gegen die Argumente der Bundeskanzlerin spricht:

Fakten von Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung

1. Die deutschen Klimaziele sind auch mit dem Diesel nicht zu erreichen.

Bis 2020 will die Bundesregierung 40 Prozent weniger CO2 erreicht haben - im Vergleich zu 1990. So steht das in ihrem Klimaschutzplan. Tatsächlich sind derzeit 27,5 Prozent weniger erreicht. Seit Jahren ist der Ausstoß weitgehend stabil - es gibt kaum Fortschritte. Der Verkehr leistet bislang den geringsten Beitrag zum Klimaschutz. Zwischen 1995 und 2014 ist der CO2-Ausstoß des Pkw-Verkehrs gerade einmal um 2 Prozent gesunken. Beim Güterverkehr steigt er an. Grund: Immer mehr Güter auf der Straße und immer weniger auf der Schiene.

2. Der Vorteil von Diesel beim Klimaschutz ist nicht so groß wie es der geringere Verbrauch der Fahrzeuge suggeriert.

Dieselkraftstoff ist nämlich "dichter", hat mehr C-Atome pro Liter und erzeugt dadurch mehr CO2 - konkret 11 Prozent mehr. Ein Teil des Verbrauchsvorteils des Diesel wird dadurch wieder ausgeglichen. Vor allem bei Klein- und Mittelklassewagen wird das schnell zum Nullsummenspiel. Nur bei SUV und schweren Oberklasse-Autos ist der Diesel klar im Vorteil und selbstverständlich bei Lastwagen.

Wenn es wirklich um die Klimagase ginge, müsste die Regierung auf Auto-Gas setzen. Das ist um 40 Prozent besser, was den CO2-Ausstoß angeht, als Benzin.

3. Schon bald wird der Unterschied zwischen Benzin und Diesel bedeutungslos.

Bis 2030 will die Bundesregierung den Ausstoß an Treibhausgasen um 55 Prozent zurückfahren - immer gemessen an 1990 - und immer weiter, bis 2040 um 70 Prozent und bis 2050 um mindestens 80 Prozent. Das sind Größenordnungen, bei denen der Unterschied zwischen Benzin und Diesel definitiv keine Rolle mehr spielt.

Ein Dieselmotor der Euro 6 Norm soll sauberer sein als ältere Modelle. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Ob Diesel oder Benziner, ab 2020 sollten sie weg sein picture-alliance / dpa -

Schon im nächsten Jahrzehnt steht der Verbrennungsmotor grundsätzlich den Klimaschutz-Zielen im Weg. Weniger Kilometer und mehr Elektromobilität aus Erneuerbarem Strom sind die einzigen Möglichkeiten, diese Ziele zu erreichen. Derzeit liegen die CO2-Emissionen des Verkehrs bei 160 Millionen Tonnen im Jahr.

Im Klimaschutzplan der Merkel-Regierung steht, dass dieser Wert bis 2030 auf 95 bis 98 Millionen Tonnen gedrückt werden muss - und das bei deutlich mehr Verkehr, vor allem Lastwagenverkehr.

Das würde bedeuten, dass sich der Spritverbrauch der Fahrzeuge halbieren müsste. Schreibt man die derzeitige Entwicklung einfach fort, dann sind bestenfalls minus 10 Prozent beim Verbrauch drin.

Online: Heidi Keller

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