Fahrverbote und Alternativen Was sollen Dieselfahrer tun?

Millionen Autofahrer in Deutschland fragen sich, was sie mit ihrem Dieselfahrzeug machen sollen. Denn eins scheint klar: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, ehe die ersten Städte Fahrverbote verhängen.

Schild "Verbot für Kraftwagen" mit der Aufschrift "Gilt für Diesel" (Foto: SWR, SWR -)
Fahrverbote - ja oder nein? Noch ist das nicht klar. SWR -

Die Verwirrung um die Zukunft der Diesel-Motors ist groß. Was soll man tun, mit dem Dieselfahrzeug? Reicht ein Update der Software oder braucht das Auto neue Hardware - muss es also mit aufwendiger Abgasreinigungstechnik nachgerüstet werden? Oder soll man es verkaufen, die Kaufprämie mitnehmen und ein neues Auto kaufen?

Fragen an Werner Eckert, SWR Wirtschaft und Umwelt

Was ist aktuell die beste Lösung für Dieselfahrer?

Erst einmal kann man leider nur dazu raten abzuwarten: Mit der Zeit wird sich zeigen, wie Gerichte in Deutschland zum Thema Dieselfahrzeuge entscheiden. Es gibt in drei Städten zwar bereits Urteile in erster Instanz, die in Richtung Fahrverbot gehen, aber es wird sicherlich noch mindestens bis Ende nächsten Jahres dauern bis Klarheit darüber herrscht, ob Fahrverbote überhaupt kommen. Noch ist in dieser Hinsicht leider nichts wirklich klar.

Viele Dieselfahrer planen trotzdem den Umstieg auf einen Benziner, mittel- und längerfristig jedenfalls. Das mag aufgrund der niedrigeren Stickoxid-Werte zwar besser für die Luft in den Städten sein, aber ist das auch gut für das Klima?

Abgase strömen aus dem Auspuff eines Fahrzeuges mit Dieselmotor. (Foto: picture-alliance/ ZB -)
Diesel sind nicht unbedingt klimafreundlicher als Benziner. picture-alliance/ ZB -

Der Diesel hat grundsätzlich einen leichten Vorteil was den CO2-Ausstoß, also die Klimagase, angeht. Dieser Vorteil ist jedoch nicht so groß wie viele denken. Denn Dieselfahrzeuge haben mehr Energie als Benziner. Das Bedeutet: Pro Liter Diesel wird auch mehr CO2 ausgestoßen. Der Diesel muss von vornherein ein gutes Stück sparsamer sein - genauer gesagt 14 Prozent - damit er überhaupt auf Augenhöhe mit einem Benziner ist. Bei kleinen Dieselfahrzeugen ist es oft so, dass es gar keinen Klimavorteil gibt. Nur bei sehr großen und schweren Autos ist tatsächlich ein Vorteil messbar.

Vor allem bei den Grünen ist die Forderung verbreitet, das Ende des Verbrennungsmotors zu besiegeln. Am liebsten schon 2030. Die Bundeskanzlerin und auch Kanzlerkandidat Martin Schulz wollten sich bisher nicht auf ein Datum festlegen. Wie lange wird es noch neue Benziner oder Diesel geben?

Vermutlich solange es nichts Besseres gibt. Das Elektroauto, so sieht es aktuell aus, wird die Verbrennungsmotoren verdrängen, weil es spezifische Vorteile hat. Ich glaube, es ist nicht unbedingt zielführend, ein konkretes Datum für die Abschaffung festzulegen. Viel besser ist es, alles dafür zu tun, dass die Rahmenbedingungen passen und ein Wechsel zu saubereren Autos möglichst schnell kommen kann.

In dem Moment, in dem die Reichweitendiskussion bei den Elektroautos gelöst werden kann, wird das Elektroauto ein Selbstläufer sein. Dann wird niemand mehr nach Fahrverboten für Dieselfahrzeuge fragen, sondern die Menschen werden die Autos fahren, die besser sind als Diesel und Benziner.

Wenn wir unsere Klimaziele einhalten wollen, werden wir 2050 gar keine Verbrennungsmotoren mehr nutzen können. Bereits 2030 werden wir schon mindestens 50 Prozent andere Antriebsarten im Bestand haben müssen. Da kann sich jeder selbst ausrechnen, wie lange es noch möglich sein wird, mit Benzinern oder Dieselautos zu fahren.

Online: Inga Vennemann

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