Experte zu Black Friday und Cyber Week "90 Prozent Rabatt sind die Ausnahme"

Shoppingfans freuen sich am Black Friday und der Woche danach über satte Rabatte, Händler locken mit Aktionspreisen. Doch wer profitiert von diesen Rabattschlachten - Kunden oder Verkäufer?

Paket (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Aaron Chown)
In der Black-Friday-Woche und der Cyber Monday Week brummt der Versandhandel. picture-alliance / dpa - Aaron Chown

Gespräch mit Andreas Kaapke, Professor für Handelsmanagement und Handelsmarketing an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart

Welchen Stellenwert hat der Black Friday mittlerweile in Deutschland?

Das ist ein typischer Trend, der aus Amerika übernommen wurde. Mittlerweile hat sich das tatsächlich etabliert. Es ist relevant für den Handel und damit ein guter Start ins sogenannte Weihnachtsgeschäft. Das hat sich in den vergangenen zehn Jahren nach hinten verlegt, und das kann dem Handel nicht recht sein.

Professor Andreas Kaapke (Foto: SWR, SWR - Tobias Frey)
Professor Andreas Kaapke SWR - Tobias Frey

Wir haben generell einen Mega-Trend, der nach wie vor anhält - die Festivalisierung des Einzelhandels. Wir erleben es auch bei verkaufsoffenen Sonntagen: Da strömen die Menschen in die Städte - und das, obwohl sie auch schon freitags einkaufen gehen könnten. Das ist ein eigentlich schizophrenes Verbraucherverhalten, das sich auch rund um den Black Friday zeigt. Für die Händler gilt: Schaffe Events, mache ein bisschen Klimbim und schon ist es mehr als schnödes Shoppen.

Können die Black-Friday-Umsätze in Deutschland schon mit denen in den USA mithalten?

Nein, da sind wir noch weit entfernt. Das hat dort eine ganz andere Tradition. Aber die Idee des Black Fridays ist selbstverständlich attraktiv: Wir haben einerseits die Rabatte und zum anderen die Verknappung auf einen kurzen Zeitraum. Damit hat man einen Anreiz geschaffen für den Verbraucher: Wenn du jetzt schnell kommst, dann gebe ich dir einen großen Preisnachlass.

Wer profitiert vom Black Friday - die Händler oder die Verbraucher?

Menschen in Elektro-Supermarkt (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Jacob Ford)
In den USA sorgt der Black Friday schon seit langem für volle Geschäfte. picture-alliance / dpa - Jacob Ford

Da muss man genau hinschauen. Kritik gibt es ja häufig daran, dass sich die Rabatte an der unverbindlichen Preisempfehlung ausrichten und nicht am marktüblichen Preis. Trotzdem: 30 Prozent Rabatt sind 30 Prozent Rabatt, und deshalb kann auch der Verbraucher von den Aktionstagen profitieren.

Aber vor allem macht der Händler ein gutes Geschäft - besonders wenn er mehr Menge verkauft, eine Frequenz schafft und der Verbraucher eben nicht nur ein Produkt kauft, sondern auch noch weitere Artikel.

Der Druck wird jetzt größer auf die Händler, die nicht mitmachen. Je weiter das Ganze in die Köpfe der Verbraucher gelangt, umso wahrscheinlicher wird es, dass sie in die Läden kommen und möglicherweise enttäuscht sind, wenn es keine Rabattaktionen gibt. Wir werden in den nächsten Jahren sicherlich erleben, dass immer mehr Händler dabei sein werden.

Die Händler werben mit riesigen Rabatten, teilweise ist von Preisnachlässen von bis zu 90 Prozent die Rede. Ist das realistisch?

Es ist definitiv die Ausnahme, dass Produkte mit 90 Prozent rabattiert sind. Das sind sicherlich Artikel, die schon länger im Regal liegen und raus müssen. Aber das ist in Ordnung: Der Verbraucher hat die Möglichkeit zu entscheiden, ob er das Produkt kauft oder nicht. Er muss es nicht kaufen. Wenn einem ein Artikel mit einem Preisnachlass von 80 Prozent gefällt, dann würde ich ihn einfach mitnehmen und nicht lange überlegen - auch wenn der Referenzpreis vielleicht höher war und ich nicht so viel spare, wie vom Händler angekündigt. Meiner Meinung nach ist es ein Geschäftsmodell, das keinem schadet.

Bei welchen Produkten können Verbraucher besonders viel Geld sparen?

Ganz klar bei Elektronikartikeln wie zum Beispiel Tablets, Smartphones oder Digitalkameras. Etliche Textil- und Schuhhändler versuchen auch, bei den Verbrauchern zu punkten. Es ist ein guter Zeitpunkt: Das Herbst- und Wintergeschäft ist gut zwei Monate alt. Da kann der Black Friday noch einmal für einen zusätzlichen Schub sorgen.

Der Black Friday findet mittlerweile zum zwölften Mal in Deutschland statt. Wie wird die Zukunft der Rabattaktionen aussehen?

Für die nächsten fünf Jahre können wir davon ausgehen, dass sich der Black Friday weiter etablieren wird. Der deutsche Handel könnte sich sogar überlegen, die Rabatttage noch weiter vor zu ziehen - in Richtung Mitte November. Ich würde es gut finden, wobei ich Zweifel habe, dass das so kommen wird. Der Black Friday hat sich schon so etabliert - die Verbraucher wissen, dass er Ende November stattfindet.

Von Tobias Frey, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Heidi Keller, Stefan Heinz

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