Erstmals nachgewiesen Menschlicher Stuhl enthält Mikroplastik

Wer sucht, der findet auch: Die Forscher an der Medizinischen Universität Wien haben winzige Plastikreste im Stuhl von Menschen gefunden. Zum ersten Mal ist das belegt.

Beine mit heruntergelassener Hose vor Toilettensitz (Foto: © Colourbox.com -)
In menschlichen Stuhlproben wurde Mikroplastik nachgewiesen. © Colourbox.com -

Tatsächlich ist Mikroplastik in menschlichem Stuhl wohl nur deshalb jetzt erst bewiesene Tatsache, weil es zum ersten Mal jemand untersucht hat - bei Tieren ist Plastik in Ausscheidungen schon lange nachgewiesen.

Die Forscher haben Stuhlproben von acht Menschen aus verschiedenen Ländern in Europa und aus Japan gescannt. Die Teilnehmer der Studie haben einige Tag lang aufgeschrieben, was sie essen, wie es verpackt war, ob sie Kaugummi kauen und welche Kosmetika und Zahnpasta sie verwenden. All das sind mögliche Quellen von Mikroplastik.

Plastik in allen Proben

In allen Proben haben die Forscher Plastik aller Art gefunden, am meisten Polypropylen und PET (Polyethylenterephthalat, das unter anderem bei Kunststoffflaschen zum Einsatz kommt).

Das Mikroplastik kann aus der Lebensmittelverarbeitung kommen, aus Verpackungen - aber zum Beispiel auch aus Nahrungsmitteln wie Fisch, der selbst nachweislich Mikroplastik enthält. Um zu klären, was die häufigsten Quellen sind, müssten sehr viel mehr Menschen untersucht werden, sagen die Wissenschaftler.

Plastik-Komponenten im Blut

Wirklich verblüffend ist der Befund nicht. Zahllose Studien zeigen, dass Weichmacher, Flammschutzmittel und andere Plastik-Komponenten überall, sogar im Blut von Menschen, nachgewiesen werden können. Die Stoffe sind bereits als krebserregend eingestuft oder können unfruchtbar machen.

Bei Mikroplastik sind die Gesundheitsgefahren noch unklar. Die Teilchen könnten Entzündungsprozesse fördern. Außerdem sind sie Transporter für die Zusatzstoffe, die man dann im Blut nachweisen kann.

Von SWR-Umweltredakteur Werner Eckert | Online: Sola Hülsewig

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