Eine Investition in die Zukunft BASF schließt Übernahme von Bayer-Teilen ab

Der Chemieriese BASF hat Teile des Bayer-Konzerns gekauft - für 7,6 Milliarden Euro. 4.500 Mitarbeiter haben einen neuen Arbeitgeber. Ganz freiwillig geschah der Deal aber nicht.

Der Produktionsstandort des Chemie-Unternehmens BASF ist zur "Blauen Stunde" hell erleuchtet. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Der Kauf der Bayer-Teil-Sparten durch die BASF zog sich seit Oktober 2017 hin. picture-alliance / dpa -

Der Teilverkauf des Pflanzenschutz- und Saatgut-Geschäfts von Bayer an den Konkurrenten BASF hat eine Vorgeschichte: Denn dieser Verkauf war Vorbedingung dafür, dass wiederum Bayer für rund 54 Milliarden Euro den umstrittenen US-Saatguthersteller Monsanto übernehmen kann. Aus kartellrechtlichen Gründen musste sich Bayer von den Unternehmensteilen trennen. Die Ludwigshafener waren schnell zur Stelle, um ihrerseits diese Bereiche für 7,6 Milliarden Euro zu kaufen. Nun meldet die BASF: Der Kauf der Bayer-Teile sei erfolgreich abgeschlossen.

Fragen an Sabine Geipel aus der SWR-Wirtschaftsredaktion.

Wo werden die ehemaligen Bayer-Beschäftigten künftig arbeiten?

Sortierte Sojabohnen sind bereit für den Versand und die Anpflanzung in einem Landwirtschaftsbetrieb. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Bei der Transaktion handele es sich um eine strategische Ergänzung in den Bereichen Biotechnologie, Pflanzenschutz und Digital Farming, so die BASF. picture-alliance / dpa -

Die wenigsten der Ex-Bayer-Mitarbeiter werden künftig wohl am Stammsitz der BASF in Ludwigshafen arbeiten oder am Sitz der BASF-Agrarsparte in Limburgerhof - obwohl es dort sicher nun mehr zu tun gibt. Denn mit der Übernahme wird der Unternehmensteil Pflanzenschutz für die Landwirtschaft, "Agricultural Solutions", um Einiges größer.

Der Konzern wird sich in Zukunft nicht mehr nur um einige, bestimmte Pflanzenschutzmethoden kümmern. Sondern er bekommt einen sehr großen Herbizid-Teil, also Unkrautvernichtungsmittel, von Bayer hinzu. Einige Landwirte kennen diese bisherige Bayer-Sparte sicher bereits unter deren Markennamen "Liberty". Damit ist Liberty die Alternative auf dem Markt zu Produkten von Bayer-Monsantos Roundup.

Fahnen wehen vor einem Schornstein auf dem Bayer-Gelände. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer musste die Unternehmensteile aus kartellrechtlichen Gründen verkaufen. picture-alliance / dpa -

Die BASF steigt mit der Übernahme der Bayer-Teile zudem ganz neu in das Saatgutgeschäft ein. Zum Beispiel bietet sie nun Raps- oder Baumwolle-Saatgut in Nordamerika, Südamerika und Europa an oder Soja-Saat für Nord-und Südamerika. Dort werden auch die meisten der neuen BASF-Mitarbeiter arbeiten: in den USA, Kanada und Brasilien und hier in Deutschland in Monheim, wo Bayers Agrarsparte ihren Sitz hat - und in Frankfurt-Höchst. Diese Mitarbeiter und ihre bisherigen Arbeitsfelder müssen dafür in die große BASF-Familie integriert werden. Das ist die große Aufgabe für die nächsten Wochen und Monate.

Ist der Kauf der bisherigen Bayer-Pflanzenschutz und Saatgut-Teile sinnvoll für die BASF?

Ein Landwirt fährt am 19.07.2017 mit einem Traktor über ein Maisfeld bei Hildesheim (Niedersachsen) und versprüht Pflanzenschutzmittel. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Mit dem Zukauf von Bayer steigt die BASF ins Saatgut-Geschäft ein. picture-alliance / dpa -

Aus verschiedenen Gründen Ja. Denn zum Einen wird damit eine immer wichtiger werdende Sparte deutlich gestärkt. Das könnte die aktuellen Verluste der BASF im Öl- und Gas-Geschäft wegen des niedrigen Ölpreises ausgleichen helfen.

Hinzu kommt eine einfache Rechnung: Die Weltbevölkerung wächst weiter, damit wird auch der Bedarf an Nahrungsmitteln weiter wachsen. Da fruchtbares Land und Ackerflächen nun einmal begrenzt sind, braucht man Produkte, die deren Ertrag weiter steigern helfen: also Pflanzenschutz und Saatgut.

Ein Schild mit der Aufschrift Monstano steht am Eingang zum Hauptsitz der Firma. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Hintergrund des Verkaufs ist die Übernahme des umstrittenen US-Saatgutherstellers Monsanto durch Bayer. picture-alliance / dpa -

Aber es gibt auch Risiken des Kaufs. So haben es chemische Unkraut-Vernichter immer schwerer, von den Behörden überhaupt eine Zulassung zu erhalten. Man denke dazu nur an die aktuelle Glyphosat-Debatte. Selbstverständlich schläft auch die Konkurrenz nicht: siehe Bayer/Monsanto oder auch Dow Chemical/Dupont in den USA oder Syngenta/Chemchina in Asien. Es gibt also bereits einige große Player in der Branche. Deshalb muss die BASF vor allem mit Innovationen punkten. Die Übernahme der Bayer-Teile wird also kein Selbstläufer.

Online: Lutz Heyser

STAND