Ein Jahr nach dem "Dieselgipfel" Magere Bilanz nach Abgas-Manipulationen

Die Zeit der Unsicherheit ist nicht vorbei. Vor allem für Autofahrer, die einen älteren Diesel haben. Was sich seit der Krisensitzung am 2. August 2017 getan hat - und was nicht.

Abgase strömen am 14.11.2016 in Stuttgart (Baden-Württemberg) während eines Feinstaubalarms aus dem Auspuff eines Autos. Darüber liegen Geldscheine (Foto: picture-alliance / dpa / Thinkstock - Montage: SWR)
Die Versprechen des Dieselgipfels sind nur in Teilen bei den Bürgern und Autofahrern angekommen. picture-alliance / dpa / Thinkstock - Montage: SWR

Am 2. August 2017 war Krisentreffen in Berlin, beim Dieselgipfel. Bundesregierung, Ministerpräsidenten und Autobosse saßen zusammen. Das große Ziel: Die Stickstoffdioxidwerte in deutschen Städten reduzieren. Das Ganze ohne Fahrverbote. Ein Jahr später - haben wir das erste Fahrverbot in Hamburg. Stuttgart und andere Städte kommen noch.

Die Abgas-Manipulationen lasten weiter auf dem Image der Diesel-Technologie, die einmal eine deutsche Erfolgsgeschichte war und das Vertrauen von Millionen Kunden genoss. Nachrichten über Tricksereien reißen nicht ab. Zentrale Fragen in der Dieselkrise sind nach wie vor ungeklärt - auch ein Jahr nach dem "Dieselgipfel" von Politik und Autoindustrie.

Fragen an Geli Hensolt, Aktuelle Wirtschaft

5,3 Millionen Autos sollten mit Hilfe von Software-Updates umweltfreundlicher werden. Wie ist der aktuelle Stand?

Angelika Hensolt (Foto: SWR, SWR -)
Angelika Hensolt, SWR Aktuelle Wirtschaft SWR -

Bisher sind nach Angaben des Verkehrsministeriums rund 2,9 Millionen Autos umgerüstet worden. Das klingt nicht schlecht, es gibt aber einen Haken an der Sache: Darunter sind rund 2,5 Millionen Volkswagen, bei denen eine illegale Software entfernt werden musste. Denn wer ein Auto mit illegaler Abschalteinrichtung hat, muss nachrüsten, sonst darf er nicht mehr fahren.

Bei allen anderen Dieseln sind die Nachrüstungen freiwillig. Viele Kunden zögern jedoch, das Update aufspielen zu lassen. Es ist zwar kostenlos, aber sie fürchten, dass ihr Auto danach mehr Kraftstoff verbraucht. Eigentlich sollten bis Jahresende alle freiwilligen Updates durchgeführt worden sein. Das dürfte aber zeitlich eng werden.

Auch Hardware-Nachrüstungen sind weiter in der Diskussion: Ob sie kommen oder nicht, will die Bundesregierung bis Ende September entscheiden.

Die deutschen Autohersteller hatten sich beim Dieselgipfel zu Umstiegsprämien verpflichtet, um alte Diesel von der Straße zu holen - funktioniert die Dieselprämie?

Das Wappen von Rheinland-Pfalz, daneben ein Verkehrsstau. (Foto: picture-alliance / dpa / Thinkstock - Montage: SWR)
Auch in Rheinland-Pfalz wird in einigen Städten über Fahrverbote diskutiert. picture-alliance / dpa / Thinkstock - Montage: SWR

200.000 Leute haben das Angebot bisher genutzt und ihren alten Diesel gegen einen neuen, saubereren umgetauscht. Dafür gibt es bis zu 10.000 Euro Rabatt. Darunter sind aber auch Fahrer, die sich sowieso ein neues Auto angeschafft hätten und Firmen, die ihren Fuhrpark regelmäßig erneuern. Bei der Abwrackprämie, die es 2009 gab, wenn man ein altes Auto verschrottete, wurden innerhalb eines Jahres fast zwei Millionen Anträge gestellt.

Es ging ja vor allem um saubere Luft in den Städten. Die Regierung hat den Kommunen eine Milliarde Euro im "Sofortprogramm saubere Luft" zur Verfügung gestellt, zum Teil finanziert von der deutschen Automobilindustrie. Wie wurde das Geld genutzt?

Die Kommunen haben zum Beispiel in E-Busse investiert und in verbesserte Parkleitsysteme. Das Interesse an dem Geld ist groß: Auf dem Schreibtisch von Bundesverkehrsminister Scheuer stapeln sich die Anträge aus den Städten und Kommunen. Der Deutsche Städtetag sagt schon jetzt: Das Geld wird wohl nicht reichen.

Ist durch die bisherigen Maßnahmen die Luft sauberer geworden?

Zwei Männer halten ein Laken mit der Aufschrift: "Ab 1.1. Fahrverbot" (Foto: SWR, SWR - Knut Bauer)
Neckartor-Anwohner fordern Fahrverbote in Stuttgart - sie kommen Anfang 2019. SWR - Knut Bauer

Das Umweltbundesamt sagt, im Vergleich zu 2016 ist die Stickstoffdioxidbelastung - und um die geht es ja beim Diesel - deutlich zurückgegangen: Vor zwei Jahren lagen 90 Städte über dem Grenzwert, jetzt sind es nur noch 65. Das hat aber wenig mit dem Dieselgipfel zu tun, sondern das lag auch am Wetter.

Trotzdem: Die Debatte um den Diesel hat dazu geführt, dass etliche Städte zum Beispiel umweltfreundlichere Busse eingeführt haben und dass eine Diskussion über neue und andere Mobilitätskonzepte in Gang gekommen ist.

Aber das eigentliche Ziel des Dieselgipfels 2017 ist nicht erreicht worden: dass Fahrverbote vermieden werden. In Hamburg gibt es bereits Fahrverbote für ältere Dieselautos, in Stuttgart kommen sie ab 2019. Auch in weiteren deutschen Städten wie Essen, München oder Dortmund sind Fahrverbote wahrscheinlich.

Online: Jutta Kaiser

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