EU-Verbot von Einweg-Plastik Nächster Schritt im Kampf gegen Plastikmüll

Die EU-Kommission will Einweggeschirr und Trinkhalme aus Plastik verbieten. Einem entsprechenden Vorschlag der Brüsseler Behörde hat das Europaparlament nun zugestimmt.

EU-weit landen Jahr für Jahr bis zu 500.000 Tonnen Plastik im Meer, schätzt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) - mit den bekannten katastrophalen Folgen für die Umwelt. Um diese in den Griff zu bekommen, hat die EU-Kommission schon Anfang des Jahres eine Plastikstrategie veröffentlicht. Nach dem Parlament müssen sich noch die EU-Umweltminister mit der Richtlinie beschäftigen. Bis Ende des Jahres soll ein Kompromiss zwischen Kommission, Parlament und Mitgliedsstaaten stehen.

Riesige Mengen an Plastik-Trinkhalmen

Alle Trinkhalme, die in der EU in einem Jahr in Fast-Food-Restaurants verbraucht werden, ergäben hintereinander gelegt eine Strecke zehn Mal bis zum Mond und wieder zurück - so eine Abschätzung im Auftrag der Meeresschutz-Dachorganisation Seas at Risk.

An den Mittelmeerstränden machen Trinkhalme und Rührstäbchen sechs Prozent des Einweg-Plastikmülls aus. Die EU-Kommission will sie verbieten, genauso wie andere Wegwerfartikel aus Plastik, etwa Teller und Besteck, Wattestäbchen und Ballonhalter. Außerdem steht im Parlament ein Verbot von To-Go-Essens-Boxen aus Polystyrol und von dünnen Obst- und Gemüsebeutelchen zur Abstimmung.

Auch Bio-Plastik schwer abbaubar

Einweg-Bio-Plastik, etwa auf Mais-Basis, soll dabei gleich behandelt werden wie herkömmliches Plastik - denn Bio-Plastik baut sich ebenfalls schlecht ab.

Zigarettenstummel am Strand (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Zigarettenstummel vermüllen die Strände. picture-alliance / dpa -

Ein weiteres Müllproblem, auch für die Küsten, stellen Zigarettenfilter dar. Sie bestehen ebenfalls aus Kunststoff und vermüllen die Strände aller europäischen Meere. Am Mittelmeer stellen sie laut EU gut ein Siebtel aller Einweg-Abfälle. Zigaretten verbieten will die EU nicht, die Hersteller sollen aber für die Entsorgung aufkommen.

Umweltorganisationen begrüßen die EU-Pläne als wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Denn gerade Einweg-Plastik landet besonders häufig in der Umwelt und wird dadurch zur Gefahr.

Vermeidung von Abfall kommt zu kurz

Was Umweltschützern bei der Einweg-Plastik-Richtlinie allerdings viel zu kurz kommt, ist die Vermeidung von Abfall. Wenn Plastik-Einweg durch Einweg aus Aluminium oder Pappe ersetzt wird, sei wenig gewonnen. Auch Naturmaterialien wie Palmblätter oder Bambus seien aus ökologischer Sicht kritisch zu hinterfragen, so der NABU. So müsse zum Beispiel geprüft werden, wie chemikalien- und energieintensiv die Weiterverarbeitung dieser Angebote sei. Auch zeigten manche Proben Schadstoffe, Schimmel oder Pestizidrückstände.

Die Deutsche Umwelthilfe fordert, Einweg teurer zu machen und verbindliche Mehrweg-Quoten festzulegen. Dass Mehrweg auch bei To-Go eine gute Möglichkeit ist, zeige zum Beispiel der Pfandbecher "Freiburg Cup" oder die "Ecobox" in Luxemburg, eine Mehrweg-Essensbox. Wenn dazu auch die Tchibos, Starbucks und McDonalds dieser Welt gezwungen würden, sei wirklich viel erreicht.

Von SWR-Umweltredakteurin Stefanie Peyk | Online: Sola Hülsewig/Lutz Heyser

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