EU-Pläne zu CO2-Ausstoß Ärger mit Autofahrern vorprogrammiert

Die EU-Kommission hat ihre Klimaschutzpläne für Autos vorgestellt. Sie fordert darin, dass Autohersteller den Kohlendioxid-Ausstoß bei Neuwagen bis 2030 um 30 Prozent verringern.

Autos fahren am 30.10.2013 über die Autobahn A2 nördlich von Hannover (Niedersachsen) (Langzeitbelichtung). (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Die EU-Kommission hat ihr Mobilitätspaket vorgelegt, mit dem sie die Entwicklung umweltfreundlicherer Autos fördern will. picture-alliance / dpa -

Fragen an Petra Thiele, SWR Wirtschaft und Soziales

Die Ziele klingen ehrgeizig. Was steht noch in diesem Plan der EU-Kommission?

Wichtiger ist, was die EU-Kommission offensichtlich nicht reinschreiben wollte. Zum Beispiel wird es nun doch keine Elektro-Auto-Quote in der EU geben, wie sie Umweltverbände gefordert hatten. Das wurde schon im Vorfeld scharf kritisiert. Und es gilt auch als Brüsseler Einknicken vor der Auto-Lobby.

Aber dafür sollen die CO2-Grenzwerte künftig weiter verschärft werden?

Mitarbeiter setzen am 28.06.2017 im Volkswagen Werk in Emden (Niedersachsen) am Band ein Teil in ein Passat Modell ein (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Auf eine verbindliche Quote für Elektro-Autos hat die EU-Kommission in ihrem Plan verzichtet. picture-alliance / dpa -

Das kann man so nicht sagen. Richtig ist, die Umweltbelastung durch Abgase soll demnächst anders gemessen werden.

Bislang gilt, dass die Autohersteller die Emissionen ihrer Neufahrzeuge bis 2021 auf durchschnittlich 95 Gramm CO2 pro Kilometer senken müssen. Das neue Ziel gibt die Kommission nun in Prozent an. Doch noch weiß niemand genau, um wie viel die künftigen Messergebnisse im Vergleich zum alten Test steigen oder gar sinken werden.

Wie will die EU eine genauere Kontrolle gewährleisten?

Ein Auspuff an einem Auto, aufgenommen am 19.04.2017 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen). (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Europas Autohersteller sollen bis 2030 den Ausstoß schädlicher Klimagase 30 Prozent senken. picture-alliance / dpa -

Die EU will ein neues Testverfahren einführen. Das soll wesentlich ehrlichere Werte liefern. Deshalb wird die Abgas-Belastung nicht mehr in Gramm gemessen, sondern nach dem so genannten WLTP-Zyklus. Übersetzt bedeutet diese Abkürzung: Weltweit einheitliches Leichtfahrzeug-Testverfahren.

Für diesen WLTP-Wert werden unterschiedliche Fahrweisen getestet. Bei dem alten Test gab es nur eine optimale Labor-Geschwindigkeit. Der neue Test soll deutlich realitätsnähere Werte liefern, etwa das Fahren mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten oder das Anhalten an Ampeln.

Welche Folgen haben die EU-Pläne für die Autofahrer?

Ein Markierungsstift liegt am 19.02.2007 auf einem Bescheid über Kraftfahrzeugsteuer (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Für viele Autofahrer könnte die KFZ-Steuer teurer werden. picture-alliance / dpa -

Autofahrer müssen sich wohl auf höhere Kfz-Steuern gefasst machen. Denn der CO2-Ausstoß ist ein Faktor zur Berechnung dieser Steuer. Wenn die Werte aber demnächst realistischer werden - und damit wohl deutlich höher ausfallen - werden Autofahrer künftig auch mehr bezahlen müssen. Allerdings gilt das dann nicht für Autos, die bereits heute zugelassen sind. Für die gelten weiterhin die alten - eher theoretischen - Werte.

Es gab im Vorfeld der EU-Abgas-Vorschläge die Kritik, dass große, teure Fahrzeuge durch den neuen Test enorme Vorteile haben. Stimmt das?

Ja. Denn Wagen mit hoher Motorleistung bekommen bei dem neuen WLTP-Test im Schnitt sehr gute Werte. Während schwach motorisierte Kleinwagen eher schlecht abschneiden. Das dürfte noch für Ärger sorgen, wenn die Besitzer von spritfressenden Luxus-Karossen demnächst weniger Kfz-Steuern zahlen als die Käufer von preiswerten Kleinwagen.

Aber das ist teilweise auch heute schon so. Und es ist auch im Sinne der Bundesregierung. Sie hat sich in Brüssel für den neuen Test eingesetzt, in Absprache mit der deutschen Autoindustrie. Denn die will selbstverständlich noch lange Jahre ihre eher hochpreisigen und gut motorisierten Benzin- und Diesel-Fahrzeuge verkaufen, und hat kein Interesse an strengeren Abgas-Werten.

Online: Lutz Heyser

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