EU-Einigung auf neue Abgas-Grenzwerte 35 Prozent weniger CO2-Ausstoß sind machbar

Bis 2030 sollen Neuwagen in Europa deutlich weniger CO2 ausstoßen. Und auch wenn die Autobauer stöhnen: Das Ziel ist realistisch und wird auch die Zulieferindustrie nicht zusammenbrechen lassen.

35 Prozent weniger CO2-Ausstoß ab 2030 fürs Auto in der Europäischen Union. Auf diese Zahl haben sich die EU-Umweltminister geeinigt. Wenn dieser Kompromiss vom Parlament bestätigt wird, heißt das für uns: bessere Luft. Autohersteller müssen sich dagegen etwas einfallen lassen, um die Vorgaben einzuhalten.

Fragen an Michael Herr, SWR Aktuelle Wirtschaft

Können die Autohersteller die CO2-Werte bis 2030 um 35 Prozent drücken, wie es das EU-Parlament beschließen soll?

Mehrere Volkswagen werden mit einem mobilen Testgerät für einen WLTP-Abgastest vorbereitet (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - picture-alliance / dpa)
Autos sollen wenige Kohlendioxid ausstossen. picture-alliance / dpa - picture-alliance / dpa

Ich würde sagen: Ja, das können sie schaffen. 35 Prozent weniger CO2-Ausstoß beziehen sich nicht auf einzelne Autos - dann wäre der Wert für Diesel- und Benziner nach aktuellem Stand der Technik tatsächlich schwierig zu realisieren. Die Angabe bezieht sich auf die gesamte Flotte, die ein Hersteller verkauft.

Das bedeutet: Der Anteil der verkauften E-Autos muss drastisch gesteigert werden. Und da haben die deutschen Autobauer auch schon die Zeichen der Zeit erkannt. Alle investieren in Forschung und Entwicklung. Daimler baut gerade eine eigene Batteriefabrik in den USA. Audi hat vor ein paar Wochen seinen Etron vorgestellt, einen Oberklasse-SUV. Ich glaube: Das klappt mit der elektrischen deutschen Autoindustrie.

Wenn es auf mehr Elektrofahrzeuge hinausläuft: Werden klassische Produktion und die bisherige Zuliefer-Industrie aussterben?

Elektrofahrzeuge vom Typ BMW i3 werden aufgeladen. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Es soll mehr Elektroautos auf deutschen Straßen geben. picture-alliance / dpa -

Ich würde nicht von Aussterben sprechen, sondern von Anpassen.
Bleiben wir mal bei den Zulieferern: Eine klassische Firma wäre eine Gießerei. Die hat für einen Verbrennungsmotor viele Teile hergestellt, wie etwa Zylinderköpfe, Motorblöcke und Kolben.

Die braucht es in einem E-Auto nicht mehr. Das heißt aber nicht, dass Gießereien überflüssig werden. Der E-Motor braucht eben andere Komponenten, wie Gehäuse für Batterien. Es gibt weiter einen Bedarf, nur nach anderen Produkten. Die müssen jetzt eben schnell auf den Markt gebracht werden. Das ist ein klassischer Strukturwandel und er wird höchstwahrscheinlich auch mit Arbeitsplatzverlusten einhergehen – Experten sprechen von bis zu 20 Prozent.

Der Verbrennungsmotor ist mittelfristig ein Auslaufmodell. Ganz egal, welche Richtlinien in Brüssel aufgestellt werden. Je früher die europäische Autoindustrie handelt, desto sanfter wird sie diesen Übergang gestalten können.

Ist der Druck, der von der Politik gemacht wird, der richtige Hebel, um der Industrie auf die Sprünge zu helfen?

Kampagne zu CO2-Einsparung in Baden-Baden (Foto: SWR, SWR -)
Umweltverbände kritisieren die geplanten CO2-Grenzwerte. SWR -

Es ist ein Hebel - und aus meiner Perspektive auch nicht der Falsche. Aber man muss auch noch andere umlegen. Die Politik kann nicht nur E-Mobilität einfordern, sie muss auch die Infrastruktur dafür schaffen.

Das Netz an Ladesäulen muss massiv ausgebaut werden. Erst wenn das passiert, ist es für die die meisten europäischen Verbraucher überhaupt erst möglich, den Diesel oder Benziner gegen ein Elektroauto zu tauschen. Es braucht also neue Regeln und neue Förderungen. Wenn das Hand in Hand geht, könnte die EU in ein paar Jahren wirklich Vorreiter für nachhaltige Mobilität werden.

Online: Jutta Kaiser

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