E-Autos: Job-Killer oder Job-Motor? "Bis zu 120.000 Arbeitsplätze gefährdet"

Bei der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt wird über die Autos der Zukunft diskutiert, doch Experten sehen bei der E-Mobilität auch die Risiken für die Arbeitnehmer.

Fragen an Professor Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen

In der Autobranche arbeiten rund 800.000 Menschen. Wie viele Stellen wären bedroht, wenn die Autobauer komplett auf Elektroautos umsteigen würden?

Bei einem Komplettumstieg der Autoindustrie auf E-Autos wären es bis zu 120.000 Arbeitsplätzen, die gefährdet wären. Es hängt sehr stark davon ab, ob wir es in Deutschland schaffen, eine eigene Batterieproduktion aufzubauen. Damit könnte dieser Beschäftigungsverlust deutlich minimiert werden - wir würden dann über 50.000 Arbeitsplätze reden, die verloren gehen würden.

Wie bereitet sich die Branche auf den Umstieg bei der E-Mobilität vor?

Alle Unternehmen, vor allem Zulieferer, versuchen neue Geschäftsfelder zu erschließen. Oder es wird versucht, stärker in den Bereich Elektrik oder Elektronik hineinzukommen. Die Weichenstellungen müssen gemacht werden, damit die Ausfälle, die beim Verbrennungsmotor sicher kommen werden, zu kompensieren.

Gibt es Schulungsmöglichkeiten, die die Unternehmen für ihre Mitarbeiter anbieten?

Im Moment noch nicht. Das Thema Elektroauto bewegt sich aktuell noch auf einem sehr niedrigen Niveau. 99 Prozent aller weltweit produzierten Fahrzeuge haben nach wie vor einen Verbrennungsmotor.

Die Hersteller sind selbstverständlich dabei, Mitarbeiter auszubilden, die in der Lage sind, zum Beispiel mit Hochvolteinrichtungen umzugehen. Da finden bereits Qualifizierungsmaßnahmen statt. Die gibt es auch in der Werkstatt, wo Elektroautos ja schon hinkommen, und wo man qualifizierte Mitarbeiter braucht.

Vor Kurzem hat Bosch angekündigt, eine eigene E-Achse produzieren zu wollen. Profitieren Arbeitnehmer davon, wenn mehr Unternehmen um mehr Fachpersonal werben?

Es wird sicher einen Engpass beim Thema E-Mobilität geben, insbesondere bei den Ingenieuren. Hier haben wir nur ein begrenztes Angebot von qualifizierten, akademisch ausgebildeten Ingenieuren, die in der Lage sind, zum Beispiel im Batteriesystem zu arbeiten. Wir hatten hier einen Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten in der Vergangenheit, sodass jetzt die Zahl der Absolventen überschaubar ist.

Es werden neue Lehrstühle eingerichtet, aber das Problem wird sich wohl erst in ein paar Jahren entspannen. Es wird einen Wettbewerb um die besten Köpfe geben und davon können vor allem Ingenieure, die einschlägig ausgebildet sind, profitieren.

Online: Tobias Frey

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