Dramatisches Insektensterben hat Folgen Erst stirbt die Biene - am Ende der Mensch?

Viele nützliche Insekten wie Bienen, Schmetterlinge und Käfer sind stark in ihrem Bestand bedroht. Das Insektensterben in Deutschland wird bislang allerdings wenig beachtet.

Eine Wildbiene ist am 11.03.2015 auf dem Lohrberg in Frankfurt am Main (Hessen) im Anflug auf den Bienenstock. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Falter, Heuschrecken, Schwebefliegen, aber auch (wie hier) Wildbienen sind inzwischen vom Aussterben bedroht picture-alliance / dpa -

An einigen Orten in Deutschland gibt es bis zu 80 Prozent weniger Insekten als noch vor 35 Jahren. Das Massensterben hat vor allem im letzten Jahrzehnt richtig Fahrt aufgenommen. Prominentes Beispiel: die Wildbienen.

„Es gibt Fälle, in denen Arten um bis zu 90 Prozent zurückgegangen sind“, sagt Dr. Lars Krogmann vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart. Mehr als die Hälfte aller 550 Wildbienenarten, die in Deutschland vorkommen, seien massiv in ihrem Bestand bedroht.

Das Ökosystem könnte aus dem Gleichgewicht geraten

Ein Igel läuft am 11.11.2007 in Kaufbeuren (Bayern) durch einen Garten. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Erst die Biene, dann der Igel, dann der Mensch? Mit den Insekten schwindet auch die Nahrungsgrundlage für andere Tiere picture-alliance / dpa -

Sterben die Bienen, dann gibt es auch weniger Äpfel, Pflaumen oder Tomaten. Denn bei der Bestäubung sind die Tiere nur schwer zu ersetzen. Doch es fehlen nicht nur Bienen, fast alle Insektenarten sind betroffen – vor allem Falter, Heuschrecken und Schwebefliegen.

Sie alle aber haben eine wichtige Rolle im Ökosystem: Nicht nur als Bestäuber, sondern auch als Aas- oder Dungfresser sowie als Nahrungsquelle für andere Tiere. Sterben die Insekten, dann verhungern irgendwann auch andere Tiere. "Sehr viele Fische im Wasser fressen die Insekten, die ins Wasser fallen oder die im Wasser leben", sagt Professor Dr. Wolfgang Wägele, Direktor des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig in Bonn. Auch Vögel, Fledermäuse, Igel oder Spitzmäuse würden darunter leiden.

Schuld am Insektensterben ist die industrialisierte Landwirtschaft

Ein Landwirt läuft über sein Feld, im Hintergrund steht ein Traktor mit Pestiziden. (Foto: imago/All Canada Photos -)
In der heutigen Landwirtschaft werden große Mengen von Pestiziden eingesetzt. imago/All Canada Photos -

Der Klimawandel, da sind sich die Forscher einig, spielt beim massenhaften Insektensterben bislang eine eher untergeordnete Rolle. Die Hauptursache sehen Experten in der industrialisierten Landwirtschaft mit ihren Monokulturen. Es fehlt an Blühstreifen, an Hecken und an Landwirten, die die Fruchtfolgen einhalten.

Außerdem werden zu viele Pestizide eingesetzt, die auch Insekten schädigen - allen voran die Neonikotinoide: "Die verhindern die Reizweiterleitung der Nerven in den Insekten. Das führt dazu, dass sie völlig die Orientierung verlieren", so Dr. Lars Krogmann vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart.

Die Politik ist gefragt

Da die Folgen auch heute schon dramatisch sind, wird von vielen Forschern ein Umdenken in der Politik gefordert: "Es kann nicht sein, dass wir weiterhin eine Agrarindustrie finanzieren, die zu so einer starken Verarmung unserer Landschaft führt", sagt Krogmann. Sterben die Insekten, dann hat das enorme Folgen für unser gesamtes Ökosystem und damit auch für uns.

Von Susanne Henn, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Tobias Frey

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