Diskussion um Porto Brief könnte statt 70 bald 90 Cent kosten

Die Zeiten von Liebesbriefen und Brief-Freundschaften sind vorbei. Die Post verdient an Geschäftspost - aber auch hier schwinden die Gewinne. Die Bundesregierung will ermöglichen, dass die Preise stärker steigen dürfen.

90 statt aktuell 70 Cent für einen Standardbrief - so könnte es kommen, wenn das Bundeswirtschaftsministerium die Portoverordnung neu gestaltet. Bisher gab es Pläne, dass das Porto im April steigen soll - auf 80 Cent. Mit einer neuen Verordnung hätte die Post mehr Spielraum.

Frage an Sabine Geipel aus der SWR-Wirtschaftsredaktion

Will sich die Deutsche Post damit die Taschen voll machen oder ist sie gezwungen, den Preis zu erhöhen?

Von "Taschen voll machen" kann bei der momentanen Lage der Post keine Rede sein. Denn der Konzern musste bei der letzten Quartalsbilanz im vergangenen Herbst einen kräftigen Gewinneinbruch verkünden. Unter anderem weil das klassische Briefgeschäft rückläufig ist. Das haben wir selbst schon gemerkt - wenn jeder nur mal überlegt, wann er seinen letzten Brief geschrieben hat. Das meiste läuft eben doch per Mail. Dabei ist das Briefgeschäft durchaus wichtig für die Post, es macht immer noch einen deutlichen Anteil am Umsatz aus.

Aber dem Konzern sind die Kosten aus dem Ruder gelaufen. Es ist eben teuer, einen Brief in den hintersten Winkel der Republik zu bringen, und das an jedem Werktag - und dafür die nötige flächendeckende Infrastruktur zu stellen. Dazu ist die Post aber verpflichtet. Gleichzeitig hat sie noch andere kostenintensive Baustellen - wie ein teures Vorruhestandsprogramm und auch Investitionen in das Paketnetz, die nötig sind, um der Konkurrenz Paroli bieten zu können.

So gesehen - 90 Cent für einen Standardbrief - die kämen der Post sicher zupass. Auch wenn der Konzern selbst diese Größenordnung gar nicht ins Spiel gebracht hat, sondern das eher in der Branche für eine denkbare Erhöhung gehalten wird. Also: ob die 90 Cent Porto für den Standardbrief kommen, das steht noch nicht fest. Vorher müsste erst einmal eine neue Portoverordnung auf den Weg gebracht werden und dann noch die Bundenetzagentur zustimmen, nach einem sehr komplizierten Verfahren. Das wird bis zum Sommer dauern oder auch bis in den Herbst, bis wir wirklich mehr Porto zahlen.

Online: Jutta Kaiser

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