„Dinosaurier des Jahres“ RWE-Chef Schmitz bekommt Negativpreis

AUTOR/IN

Besonders rückschrittlich in Sachen Natur- und Umweltschutz, findet der NABU: Der Vorstandsvorsitzende des Essener Energiekonzerns habe sich im Streit um die Rodung des Hambacher Forsts selbst ins Abseits gestellt.

Dinosaurier des Jahres 2018: Preisträger Rolf Martin Schmitz (Foto: NABU/N. Flöper -)
NABU/N. Flöper -

Es ist ein Negativ-Preis, den wohl niemand gern bekommt: der „Dinosaurier des Jahres 2018“. Der Naturschutzbund NABU stellt damit Persönlichkeiten an den Pranger, die er für besonders rückschrittlich in Sachen Natur- und Umweltschutz hält. Dieses Jahr geht der Preis an Rolf Martin Schmitz, den Vorstandsvorsitzenden des Energiekonzerns RWE, wegen seiner „unzeitgemäßen Machtdemonstration im Streit um die Rodung des Hambacher Waldes“.

Durch die Rodung vorzeitig Fakten schaffen

Der Vorstandsvorsitzende Rolf Martin Schmitz vom Energiekonzern RWE in Essen. (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk -)
RWE-Chef Rolf Martin Schmitz. dpa Bildfunk -

Dabei: Mit seinen weiße Haaren und der ruhigen Stimme kommt Rolf Martin Schmitz nicht eben wie ein Urzeit-Monster rüber. Aber als Chef des Energiekonzerns RWE steht er für den Abbau und die Nutzung von Braunkohle – die schadet dem Klima bekanntlich besonders.

Für die Kohle wollte Schmitz im Herbst den Hambacher Forst weiter roden lassen. Im September begann die Polizei mit der Räumung der Baumhütten von Braunkohlegegnern. Greenpeace-Aktivistin Gesche Jürgens reagierte entsetzt:

Ich bin fassungslos, dass die Polizei NRW mit der Räumung begonnen hat, während ja gleichzeitig die Kohlekommission in den nächsten Monaten über einen sozialverträglichen Kohleausstieg debattiert. Was wir jetzt brauchen, in dieser angespannten Lage, ist eine Deeskalation und eine sofortige Beendigung der Räumung vor Ort.

Ein Aktivist sägt im Hambacher Forst an einem Baumstamm. (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk -)
dpa Bildfunk -

Geringschätzung von besonders wertvollen und alten Wäldern

Kurzfristig wird die Räumung unterbrochen, als Tage später ein junger Journalist im Forst von einer Hängebrücke stürzt und stirbt. RWE-Boss Schmitz zeigt sich im ZDF betroffen. In der Sache aber bleibt er hart:

Die Annahme, dass der Forst selbst gerettet werden kann, das ist Illusion. Denn selbst wenn RWE in Hambach aufhöre, Braunkohle zu fördern müsse der Forst weichen, so Schmitz, denn wir brauchen die Flächen dort, wir müssen dann die Böschungen standfest machen. Es ist wirklich nur ein Symbol. Und es ist auch den Menschen klar, dass dieses Stück Wald nicht zu retten ist.

Dinosaurier des Jahres (Foto: NABU/Klemens Karkow -)
Für den Essener Energiekonzern ist es bereits der dritte Umwelt-Dinosaurier nach 2006 und 2010. NABU/Klemens Karkow -

Auch wegen solcher Aussagen wirft der NABU dem RWE-Boss „Foulspiel auf Kosten von Klima und Natur“ vor. Schmitz habe mit der Rodung des Hambacher Forstes vorzeitig Fakten schaffen wollen – ein Scheitern der Kohlekommission habe er bewusst in Kauf genommen. Hinzu komme eine Geringschätzung von besonders wertvollen und alten Wäldern.

Ob nun mit oder ohne Zutun von RWE: bei der Klimakonferenz in Kattowitz Anfang Dezember stand Deutschland tatsächlich mit kohlepolitisch leeren Händen da, ohne ein Datum für den Kohleausstieg, so damals die Kritik des Klimaforschers Mojib Latif. Und:

Stichwort Hambacher Forst: Was wollen Sie einem Brasilianer sagen, wenn der sagt, okay, jetzt fange ich auch an, ordentlich den Regenwald abzuholzen.

Die Rodung des Hambacher Forsts wurde durch ein Gerichtsurteil im Eilverfahren zwar vorerst gestoppt. Die endgültige Entscheidung steht aber noch aus.

Bereits der dritte Dinosaurier für RWE

Egal, wie sie ausfällt: Den „Dinosaurier des Jahres“ hat sich RWE-Chef Schmitz aus Sicht des NABU längst verdient. Während andere Konzerne erkannt hätten, dass Nachhaltigkeit ein Schlüssel zum Erfolg sei, handele die RWE-Spitze immer noch wie von vorgestern. Für den Essener Energiekonzern ist es bereits der dritte Umwelt-Dinosaurier. 2006 und 2010 gab es den Negativ-Preis laut NABU für Versuche, länger an der Atomkraft festzuhalten.

AUTOR/IN
STAND