Digitalisierung in der Landwirtschaft Wenn der Traktor zum Büro wird

Landwirte sind für technische Innovation offen. Selbstfahrende Traktoren oder Apps gehören heute auf vielen Bauernhöfen dazu. Landwirtschaft 4.0 - ein großes Thema auf der Grünen Woche in Berlin.

Ein Traktor fährt durch ein Feld (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Viel mehr als romantische Idylle: In der Landwirtschaft kommt modernste Technik zum Einsatz. picture-alliance / Reportdienste -

"Landwirtschaft mit Herz und Drohne" - unter diesem Motto beschäftigt sich das Bundeslandwirtschaftsministerium auf der Grünen Woche mit der Digitalisierung in der Landwirtschaft und im Weinbau. Zwar haben viele noch ein romantisches Bild vom Bauernhof, doch die Landwirtschaft gehört zu den führenden Wirtschaftsbereichen, was Digitalisierung und Automatisierung angeht.

Traktoren fahren autonom - Pflanzenschutz per GPS

Landwirt Stefan Bohlender aus Steinweiler in der Fahrerkabine seines selbstfahrenden Traktors (Foto: SWR, SWR.de - Sabine Geipel)
Draußen Acker, drinnen Hightech: Landwirt Stefan Bohlender im modernen Traktor. SWR.de - Sabine Geipel

Man muss nicht nach Kalifornien reisen, um sich ein Bild vom autonomen Fahren zu machen, sondern eigentlich nur auf den nächsten Acker. Wie den von Stefan Bohlender, Landwirt in Steinweiler in der Südpfalz. Sein grün-gelber Traktor mit der angehängten Pflanzenschutzspritze hält auf dem Weizenfeld alleine die Spur.

Der 39-Jährige mit grauem Kapuzenpulli tippt derweil auf ein Tablet in der Fahrerkabine. Das zeigt per GPS an, ob die 125-PS-Maschine richtig fährt - auf fünf Zentimeter genau. "So kann ich mich umdrehen, schauen, ob Düsen funktionieren, und außerdem mit Geschäftspartnern telefonieren. Das sind alles Dinge, mit denen das Leben einfacher wird", meint der Landwirt.

Büroarbeit auf dem Feld

Bildmontage Traktor mit GPS-Steuerung, die herausvergrößert in einer Lupe dargestellt wird (Foto: SWR, SWR - Dunja von Morzé)
Solche GPS-Sensoren auf dem Dach halten moderne Traktoren automatisch auf Kurs. SWR - Dunja von Morzé

Büroarbeit erledigt Bohlender größtenteils in der Fahrerkabine und nicht mehr abends zu Hause, nach einem zehn- bis zwölfstündigen Arbeitstag. Dafür ist er aber auch mal nachts auf dem Acker unterwegs, der Traktor findet dank GPS auch im Dunkeln seinen Weg. Die Satellitentechnik unterstütze ihn im Grunde bei allen Arbeitsgängen, die auf dem 150 Hektar großen Familienbetrieb anfallen: "Es erleichtert mir die Arbeit, ich spare Kraftstoff und kann Düngemittel punktgenau einsetzen. Das hat Vorteile für die Umwelt und natürlich auch für meinen Geldbeutel."

Bohlender ist überzeugt, dass sich die Investition von rund 10.000 Euro in das GPS-System vor zehn Jahren gelohnt hat. Auch wenn er sich damals noch dafür rechtfertigen musste: "Wir waren einfach die ersten mit der neuen Technik, und wurden dafür belächelt - vor allem wegen der hohen Anschaffungskosten. Da haben viele gesagt, das rentiert sich nie. Aber wenn ich heute mit dem selbstfahrenden Traktor einen Hektar spritze, dann habe ich genau für einen Hektar Mittel verbraucht. Das war früher nicht so."

Big Data zwischen Stall und Kornfeld

Eine Hand hält einen Compputer, daneben steht eine schwarz-weiße Kuh mit einem elektronischen Halsband (Foto: dpa / picture-alliance -)
Mit speziellen Apps werden Melkdaten von Kühen gesammelt und leichter verwaltet. dpa / picture-alliance -

Passgenaues und ressourcenschonendes Düngen, Säen, Ernten. Doch nicht nur auf dem Feld, sondern auch im Stall hat die Digitalisierung Einzug gehalten: Kühe werden per Roboter gemolken, Sensoren sorgen für die optimale Fütterung, Hinweise auf Krankheiten kommen über eine App aufs Smartphone. Eine regelrechte Datenflut herrscht inzwischen in etlichen landwirtschaftlichen Betrieben.

Diese zu harmonisieren und zu vernetzen, das ist eines der Projekte des Dienstleistungszentrums ländlicher Raum (DLR) in Bad Kreuznach. Dabei soll vor allem die vom Bund mit 1,1 Millionen Euro geförderte "Geobox" helfen, die eine digitale Schnittstelle in der Landwirtschaft bieten soll. Für DLR-Leiter Michael Lipps liegen die Vorteile auf der Hand: "Der Landwirt hat keine Datenbrüche mehr, er kann mit der Geobox Daten an die Behörden senden, wenn es um Anträge geht."

Bürokratieabbau durch Technik

Drohneneinsatz in der Landwirtschaft (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Fliegende Begleiter: Auch Drohnen kommen bei der Feldarbeit zum Einsatz. picture-alliance / dpa -

Im Frühjahr 2020 soll die Geobox an den Start gehen. Schon früher soll ein eigener Messenger-Dienst für die Landwirtschaft genutzt werden können. Auch Landwirt Stefan Bohlender aus Steinweiler wartet auf die Geobox, von der er sich weniger Bürokratie erhofft. Für ihn gehört die Digitalisierung zu seinem Beruf mittlerweile ganz selbstverständlich dazu: "Ich kann mir schon noch die Landwirtschaft ohne die neue Technik vorstellen - ich möchte es aber nicht mehr."

Von Sabine Geipel, Aktuelle Wirtschaft | Online: Michael Herr

STAND