Diesel-Nachrüstaktion bei Daimler Gerade noch rechtzeitig?

Schlechte Luft in deutschen Städten, drohende Fahrverbote, Ermittlungen und Prozesse. Der Stuttgarter Autobauer Daimler reagiert darauf und verkündet massive Diesel-Nachrüstungen.

Ein Mann poliert die Kühlerhaube eines Mercedes am 13 Januar 2016 bei der Eröffnung der Motor Show 2016 in Brüssel, Belgien. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Nach neuen Vorwürfen in der Dieselaffäre und unter dem Druck der Diskussion über Fahrverbote weitet Daimler die schon laufende Nachrüstaktion für Diesel-Pkw massiv aus. picture-alliance / dpa -

Fragen an Eva Laun, SWR Wirtschaftsredaktion

Was bedeutet die Daimler-Diesel-Nachrüstaktion denn für die Kunden?

Im Endeffekt bedeutet es für die mehr als drei Millionen davon betroffenen Mercedes-Fahrer wohl nicht viel, verspricht Daimler. Einstellen müssen sich die Kunden aber auf einen kurzen Werkstattbesuch zwecks Diesel-Nachrüstung. Bei vielen könnte der aber auch im Rahmen einer turnusmäßigen Inspektion stattfinden.

Für die Diesel-Nachrüstung muss das Auto in der Werkstatt dann an einen Computer angeschlossen werden, damit die neue Software aufgespielt werden kann. Das soll nicht länger als 5 bis 10 Minuten dauern. Die neue Software soll dazu führen, dass die Verbrennung im Motorraum etwas anders läuft, sagt Daimler, und dadurch vom Auto weniger Stickoxide produziert und ausgestoßen werden sollen. Und ganz wichtig: "Für die Kunden entstehen durch die Servicemaßnahmen keine Kosten", sagt der Autobauer.

Weiß denn jemand, ob durch diesen Werkstattbesuch die Daimler-Diesel am Ende dann auch wirklich sauberer werden?

Geert Dannhauer vom TÜV Nord überprüft am 05.11.2014 im Rahmen einer TÜV-Untersuchung ein Auto der Mercedes C-Klasse in einer Station vom TÜV Nord in Hildesheim (Niedersachsen). (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
"Für die Kunden entstehen durch die Servicemaßnahmen keine Kosten", verspricht Daimler. Die Umsetzung des Diesel-Updates soll in den nächsten Wochen beginnen. picture-alliance / dpa -

Ja, denn so sagen es die Fachleute. Etwa in Gesprächen mit der Landesregierung von Baden-Württemberg wurde dies bereits diskutiert. Und da hieß es, auch von unabhängigen Fachleuten, dass die Nachrüstung dazu führen wird, dass Euro-5 Pkw danach bis zu 50 Prozent weniger des gefährlichen NOx ausstoßen werden. Das wäre bereits eine recht ordentliche Reduktion, kann sich aber je nach Fahrzeugmodell noch einmal unterscheiden.

Besonders wichtig dabei ist, dass die Messungen dann aber nicht mehr in dem veralteten Prüfzyklus NEFZ getestet werden sollen. Sondern in einem neuen, der viel näher am realen Fahrbetrieb ist. Nur: dieser Prüfzyklus wurde etwas verkürzt. Die Autobahnfahrten werden dann künftig nicht abgeprüft.

Diese immer größer werdende Nachrüst-Aktion wirkt ein bisschen so, als würde man bei Daimler versuchen, möglichst geräuscharm aus der Sache rauszukommen. Wird diese Strategie aufgehen?

Ein Mann geht am 19.01.2015 in Stuttgart (Baden-Württemberg) über eine Fußgängerbrücke, im Vordergrund sind Messgeräte der Feinstaubmessstation Stuttgart am Neckartor zu sehen. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Mit dem freiwilligen Rückruf reagieren die Schwaben wohl auf drohende Fahrverbote, die Daimlers Heimatstadt Stuttgart und auch München androhten, um jahrelange Verstöße gegen EU-Luftreinhaltevorschriften zu stoppen. picture-alliance / dpa -

Das wird sich zeigen. Der Termin jetzt ist jedenfalls geschickt gewählt. Er könnte der Kritik an Daimler nämlich die Spitze nehmen und den Autobauer wieder aus der Defensive beim Thema Diesel hinausmanövrieren, in die er sich ja auch selbst hineingebracht hat.

Klar ist jedenfalls: Die Autoindustrie, und damit auch Daimler, steckt derzeit in einer Zwickmühle. Ihr jahrelanges Brot- und Butter-Geschäft, der Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren, und gerade von Diesel-Fahrzeugen, droht zusammenzubrechen. Das wäre schlecht aus wirtschaftlicher Sicht. Und gefährlich auch für die vielen hunderttausend Beschäftigten in der Autoindustrie und ihren Zulieferern.

Deshalb geht es nun aus Sicht der Unternehmen darum, das Kundenvertrauen möglichst schnell und umfassend wieder zurückzugewinnen. Vieleicht durch eine Art "Befreiungsschlag" wie Daimler ihn gerade vollzieht. Dort wird man genau gerechnet haben, wie viel Schaden droht, wenn der Verdacht weiter schwelt, auch Daimler habe beim Thema Diesel betrogen. Wenn man dies abwenden kann, sind die rund 220 Millionen Euro die diese "freiwillige Serviceaktion" kosten soll jedenfalls vermutlich gut investiert.

Online: Lutz Heyser

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