Diesel-Fahrverbote Was Diesel-Fahrern in Mainz drohen könnte

Die Stadt Mainz muss ihren Luftreinhalteplan bis spätestens April 2019 ändern und darin Diesel-Fahrverbote aufnehmen - spätestens aber im September 2019. Zwei Szenarien wären denkbar.

Der Schriftzug Mainz ist auf dem Ortsausgangsschild rot durchgestrichen (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Das Mainzer Verwaltungsgericht verhandelt über ein mögliches Diesel-Fahrverbot in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. picture-alliance / dpa -

Hamburg, Berlin, Stuttgart und Frankfurt - das sind die vier Städte in Deutschland, in denen bereits Fahrverbote für bestimmte Diesel-PKW gelten, oder derzeit vorbereitet werden. Mainz ist jetzt als fünfte Stadt hinzugekommen. Die spannende Frage ist: Gibt es Fahrverbote nur für bestimmte Straßen oder gleich für ganze Zonen?

Szenario 1: Ein streckenbezogenes Fahrverbot

18.01.2018, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Autos stauen sich in der Nähe des Hauptbahnhofs. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
In vielen deutschen Städten ist die Luft schlecht. picture-alliance / dpa -

Hier könnte Hamburg als Vorbild dienen. Die Stadt hat Ende Mai zwei Straßen abschnittsweise für bestimmte Diesel gesperrt. Und zwar genau die Straßen, an denen der EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten wurde. Alle anderen Straßen bleiben befahrbar. Auf Mainz übertragen hieße das: Die Diesel-Stinker werden an genau der Stelle ausgesperrt, an der die Luft besonders schlecht ist.

Resultat wäre ein streckenbezogenes Fahrverbot in der Parcusstraße. Denn hier steht die einzige der vier Mainzer Luftmessstationen, die dauerhaft Grenzwertüberschreitungen registriert. Und genau dieser Wert ist es, auf dem die Klage gegen die Stadt basierte.

Die Schwachstelle dieser Lösung: Die betroffenen Autofahrer würden auf andere Strecken ausweichen. Die gemessenen Werte in der Parcusstraße dürften sinken, dafür würde die Luft entlang der Ausweichrouten deutlich schlechter. Das Problem hätte sich also nur verschoben, statt gelöst. Diesen Effekt könnten die Verantwortlichen berücksichtigen und weitere Straßen benennen, die für alte Diesel tabu sind. Resultat: Die Innenstadt würde für Diesel-Fahrer zu einem Flickenteppich aus verbotenen und erlaubten Strecken.

Szenario 2: Ein zonales Fahrverbot

Ein Fahrverbotsschild für Fahrzeuge mit Diesel-Motor bis Euro5 steht an der Stresemannstraße. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
14 deutsche Städte mit besonders belasteter Luft sind von Fahrverboten für ältere Diesel betroffen. picture-alliance / dpa -

Dabei würden nicht nur einzelne Straßen gesperrt, sondern gleich ein ganzer Bereich. Die Begründung könnte lauten: Nicht nur in der Parcusstraße herrscht dicke Luft, sondern in der gesamten Innenstadt. Als Indiz dafür könnten die Werte der sogenannten Passivsammler dienen. Das sind sozusagen "Messstationen light".

Sie erfassen die Luftverschmutzung nicht ganz so detailliert, geben aber zumindest Orientierungswerte. Und die sind - nach Auskunft des Landesamtes für Umwelt - in Mainz ziemlich eindeutig: 11 der 16 Passivsammler in der Innenstadt zeigten im Jahr 2017 eine Überschreitung des Grenzwertes für Stickstoffdioxid. Und das vor allem auch an den Straßen, die mögliche Ausweichrouten bei einer Sperrung der Parcusstraße wären.

Ein gutes Argument also, um zu sagen: Die Luft muss für alle Mainzer besser werden, deshalb müssen alte Diesel aus der gesamten Innenstadt verschwinden.

Dominik Bartoscheck, SWR-Umweltredaktion | Online: Lutz Heyser

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