Diesel-Fahrverbote Pleitewelle bei Autohändlern erwartet

Die Diesel-Preise gehen in den Keller. Das trifft nicht nur die Besitzer von Diesel-Fahrzeugen. Zum richtig großen Problem dürfte das für die Autohändler werden.

Autos auf Transporter (Foto: picture alliance -)
Das Geschäft mit Leasingwagen könnte viele Autohändler die Existenz kosten. picture alliance -

Gebrauchte Diesel werden zum Problem für die Händler. Knapp 300.000 Fahrzeuge stehen derzeit in Deutschland auf Halde, täglich kommen neue Leasing-Rückläufer dazu. Da die Fahrzeuge - wenn überhaupt - nur mit hohen Verlusten verkauft werden können, warnen Experten bereits vor einer Pleitewelle im Autohandel.

Fragen an Alfred Schmit, SWR Wirtschaft und Soziales

Manche Autoexperten warnen vor einer Pleite-Welle unter Autohändlern. Zu recht?

Autos stehen in Verkaufshalle (Foto: picture Alliance dpa -)
Auch Autohändler werden zu Opfern des Diesel-Skandals und der drohenden Fahrverbote. picture Alliance dpa -

Ja, leider zu recht. Das Problem besteht darin, dass der Wertverlust pro Fahrzeug so erheblich ist, dass es in die Geschäftsbilanz vieler Händler große Lücken reißen wird. Das Problem sind nicht so sehr die alten Dieselfahrzeuge, die lassen sich ins benachbarte Ausland verkaufen, vor allem nach Ost-Europa. Das Hauptproblem ist die große Menge an Leasing-Fahrzeugen - die kommen als junge Gebrauchte zum Händler zurück, nachdem der Leasingvertrag abgelaufen ist.

Das bedeutet: Angenommen, Sie sind Autohändler, dann haben Sie zum Beispiel 100 Diesel-Autos an verschiedene Firmen mit Leasing-Verträgen ausgeliehen. Die kommen nun alle planmäßig zurück, nach ein bis drei Jahren, aber mit viel weniger Rest-Wert, weil ja jetzt noch das Urteil zu Diesel-Fahrverboten kam. Wenn nun jeder Wagen auch nur 1.000 bis 2.000 Euro weniger wert ist, dann hat der Händler in unserem Beispiel im Laufe der nächsten zwei Jahre eine Lücke von 100.000 bis 200.000 Euro in der Bilanz. Das geht vielen Händlern so und kann existenzgefährdend sein. Vor allem, wenn man als Händler einen Vertrag unterschrieben hat, der die Rückkaufpreise vor 2,5 bis drei Jahren festgelegt hat, als von Diesel-Krise noch keine Rede war.

Ist das die Regel, dass im Leasingvertrag ein Festpreis garantiert wird - dass also jetzt der Händler allein das Risiko trägt?

Autoverkauf Sujet 1 (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Nachrüsten, verkaufen oder weiter abwarten? Foto: Colourbox.de -

Der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe sagt, dass laut Umfrage mehr als 80 Prozent der Händler ihre Existenz bedroht sehen durch die Dieselkrise generell. Es gibt zwar keine konkreten Zahlen, wie viele Händler Leasing-Verträge mit festen Rückkauf-Preisen unterschrieben haben, aber viele Händler hätten begonnen, deshalb Rücklagen zu bilden. Weil sie Verluste befürchten. Dazu passt, dass mein Kollege in Rheinland-Pfalz unterwegs war, und die Händler dort sagen, sie schätzen, etwa die Hälfte aller Autohändler sei davon betroffen.

Dazu kommt, dass die Fahrzeuge noch vor Beginn der Dieselkrise einen planbaren Restwert hatten, mit dem man rechnen konnte. Nun aber, mit der Möglichkeit von Diesel-Fahrverboten seit dem Leipziger Urteil, kippen diese Rechnungen alle um. Das sind wirtschaftliche Schäden, die den Besitzern niemand ersetzt. Wenn die Autohändler die Besitzer sind im Fall der Leasing-Rückläufer, dann haben viele ein echtes Problem, über das noch kaum berichtet wurde.

Und die Auto-Hersteller sind auch in diesem Fall wieder fein raus?

Prozess gegen einen mutmaßlichen betrügerischen Autohändler (Symbolbild) (Foto: picture-alliance / dpa -)
Nicht nur private Dieselbesitzer schauen in die Röhre. picture-alliance / dpa -

In vielen Fällen ja. Außer, wenn die Hersteller selbst diejenigen sind, die Leasing-Autos zurücknehmen müssen. Das ist ebenfalls tausendfach der Fall. Nur merkt ein Auto-Konzern mit einer Milliarden-Gewinn-Bilanz dieses Problem eher in der Größenordnung von Nadelstichen. Anders als ein kleiner Händler, der darüber Pleite gehen kann. Interessanterweise zeigt sich daran wieder, dass es aus Sicht der Hersteller klug war, auf Zeit zu spielen. Denn je mehr ältere Diesel von den Straßen verschwinden, desto kleiner wird das Problem. Und desto unwahrscheinlicher wird es, dass die Kosten des Dieselbetrugs auf die Hersteller zurückfallen.

Bisher war die Politik immer relativ nett im Umgang mit den Autokonzernen. Ich fürchte, das wird auch mit der neuen Bundesregierung nicht anders. Was speziell den Handel betrifft, muss man sagen: Das Verhältnis zwischen Herstellern und Händlern war noch nie besonders gut. Da wird gerungen um Preise und Margen, da schenkt man sich nichts.

Viele Händler haben das Gefühl: Die Hersteller haben uns in Sachen Diesel ganz schön im Regen stehen lassen. Diesen Eindruck kann ich gut nachvollziehen.

Online: Heidi Keller

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