Diesel-Fahrverbote Die sieben wichtigsten Antworten zum Diesel

Diesel-Pkw stehen mehr denn je am Pranger, zahlreiche Kommunen planen Fahrverbote. Viele Dieselfahrer sind beunruhigt und fragen sich angesichts der aktuellen Diskussion, was sie tun sollen.

Diesel-PKW gelten wieder als Dreckschleuder. Das bekommen jetzt insbesondere die Besitzer älterer Diesel-Autos bis einschließlich Euro 5 zu spüren. Wegen des zu hohen Stickoxidausstoßes planen Kommunen deutschlandweit Fahrverbote. Was können Dieselfahrer jetzt tun?

Fragen an Professor Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen

Viele Fahrer eines älteren Dieselautos überlegen angesichts der Debatte um Fahrverbote, ob sie ihr Fahrzeug jetzt verkaufen sollten. Doch wer will das jetzt noch kaufen?

Es wird schwierig, Euro 5-Diesel in der momentan aufgeheizten Situation zu einem einigermaßen guten Preis zu verkaufen. Möglicherweise ist da der Händler ein guter Ansprechpartner. Wenn man ein neues Auto kauft, wird er vielleicht an der Stelle ein Auge zudrücken und einen besseren Preis bieten. Aber im Privatmarkt wird es jetzt für die Euro-5-Diesel schwierig.

Mit welchen Wertverlusten rechnen Sie?

Ich denke, dass sich die Abschläge in einer Größenordnung von zehn bis 15 Prozent bewegen. Das ist bei Fahrzeugen, die noch nicht so alt sind, doch ein erheblicher Betrag.

Was ist die beste Verkaufsstrategie? Sollte man jetzt verkaufen oder lieber noch warten?

Auf die Frage, wann der richtige Zeitpunkt ist, kann man eigentlich nur eine falsche Antwort geben. Das ist wie bei Aktien: Meistens steigt man zu spät ein, wenn sie steigen, und zu spät aus, wenn sie fallen. Bei den momentan unsicheren Rahmenbedingungen kann man vielleicht noch etwas abwarten, bis sich die politische Situation klärt. Aber klar ist: Wenn die jetzt anvisierte Regelung kommt, wird es tendenziell dazu führen, dass in den nächsten Monaten der Preisdruck auf Euro 5-Diesel zunimmt.

Wo gibt es einen Markt für die vielen älteren Diesel aus Deutschland?

Es gibt zum Glück nach wie vor einen großen Dieselmarkt in Europa, auch in Westeuropa. Wir haben viele Länder, wo die Dieselquoten bei 40 bis 50 Prozent oder sogar darüber liegen, wie zum Beispiel Österreich. Dorthin wird sicher ein Teil der Fahrzeuge wandern. Für ältere Fahrzeuge bleibt Osteuropa eine wichtige Region.

Viele Besitzer eines älteren Diesels denken jetzt über einen Neuwagenkauf nach. Welches Fahrzeug sollte man sich zulegen?

Man muss sich jetzt wirklich wieder neu die Frage stellen, was besser ist: Diesel oder Benziner? Oder auch ein Elektroauto, wenn man ganz mutig ist. Bei größeren und leistungsstarken Fahrzeugen, wie beispielsweise einem SUV, hat Diesel nach wie vor einen deutlichen Verbrauchsvorteil, der bei drei bis vier Litern pro 100 Kilometer liegt.

Bei kleineren Fahrzeugen bis hin zur Kompaktklasse würde ich hingegen zum Benziner raten, denn dort ist in der Regel der Verbrauchsvorteil von Diesel nicht so hoch. Wer ganz sicher gehen möchte, geht gleich auf ein Hybridfahrzeug oder ein elektrisches Auto. Das ist sicher eine Überlegung wert, wenn man viel in der Stadt unterwegs ist. Und dafür gibt es momentan ja auch noch eine Kaufprämie.

Möglicherweise stehen die Benziner als nächstes im Visier der Politik. Für wie wahrscheinlich halten sie hier Fahrverbote?

Keine Frage, auch Benziner tragen zur Feinstaubbelastung bei. Wir können also nicht ausschließen, dass der Blick auch auf die Benziner geht. Das kann dazu führen, dass die Käufer jetzt generell auf einen Autokauf verzichten, was dann auch der Automobilindustrie und dem Handel schaden würde. Die Politik muss daher möglichst schnell für klare Rahmenbedingungen sorgen.

Nochmal nachgehakt: Würden Sie sagen, dass man jetzt Euro 6-Diesel ohne Bedenken kaufen kann?

Es gibt einen großen Konsens, dass man die Dieseltechnologie nicht komplett vom Markt werfen möchte. Daher gehe ich davon aus, dass die Politik Euro 6-Diesel weiterhin als umweltverträglich einstufen wird. Wir haben ja nicht nur das Thema Feinstaub in den Städten, sondern auch das Thema des globalen Klimawandels - und der hängt ja eng mit den CO2-Emissionen zusammen. Die dafür mit ursächlichen Treibstoffverbräuche würden wiederum bei einem generellen Verbot von Dieselfahrzeugen nach oben gehen.

Online: Stefan Heinz

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