Deutsche Bank und Commerzbank sprechen über Fusion "Kein Adler aus zwei Truthähnen"

Neue Finanzmacht oder nur Arbeitsplatz-Vernichtung: Die konkreter werdenden Fusionspläne der Deutschen Bank mit der Commerzbank wecken Hoffnungen und Ängste.

Bankenfusion (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Die Deutsche Bank und die Commerzbank reden "ergebnisoffen" über eine Fusion. picture-alliance / Reportdienste -

Fragen an SWR-Wirtschaftsredakteurin Sabine Geipel

Das Bundesfinanzministerium fordert schon länger die Fusion der beiden größten Privatbanken des Landes. Wie begeistert gehen die beiden Banken jetzt in die Gespräche?

Von Begeisterung ist da wenig bis gar nichts zu spüren. Das ist schon an einer Meldung abzulesen, die beide Institute selbst zu diesem Thema verbreitet haben. In der dürren Pflichtmitteilung heißt es: man gehe ergebnisoffen in die Gespräche, eine Fusion müsse wirtschaftlich Sinn haben und: keine Gewähr, dass es zu einer Transaktion kommt. Es scheint derzeit so, als habe man sich dem Druck von Seiten der Politik - also vom Bundesfinanzministerium - gebeugt.

Warum mischt sich das Bundesfinanzministerium so massiv ein?

Bundesfinanzminister Olaf Scholz und sein Staatssekretär Jörg Kukies, der früher Deutschland-Chef der Großbank Goldman-Sachs war, wollen eine Art nationalen Banken-Champion. Dieser Champion soll sich auf dem globalen Finanzmarkt besser gegen die ausländische Konkurrenz behaupten können und damit auch vor feindlichen Übernahmen geschützt sein. In Finanzkreisen wird eine Fusion aber auch kritisch gesehen: "Aus zwei Fußkranken wird kein Meisterläufer", aus "zwei Truthähnen kein Adler" – so lauten da die Vergleiche. Zu groß die eigenen Probleme, zu groß der Kraftakt, beide zusammenzuführen – also ob am Ende die deutsche Superbank rauskommt, ist fraglich.

Aber diese Fusionsidee könnte bedeuten, dass tausende Arbeitsplätze verloren gehen und viele Filialen schließen müssen?

Jobs werden gestrichen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Bis zu 50.000 Arbeitsplätze sind gefährdet. picture-alliance / Reportdienste -

Der Preis für einen Zusammenschluss wäre sehr hoch - auch wenn langfristig vielleicht Kosten gespart werden könnten. Es geht um eine Größenordnung von 20.000 bis 30.000 Stellen, die wegfallen könnten, befürchtet die Gewerkschaft verdi und auch Finanzexperten.

Die Deutsche Schutzvereinigung Wertpapierbesitz rechnet sogar mit bis zu 50.000 Stellen. Zum Vergleich: so groß ist die Belegschaft der Commerzbank aktuell. Für den Kunden würde das bedeuten: weniger Filialen, weniger Service und auch weniger Wettbewerb.

Wie schnell könnte der Zusammenschluss zu einer "Deutsche Commerzbank" kommen?

Christian Sewing Vorstandschef Deutsch Bank (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Trotz Gewinn in der Bilanz 2018: Deutsche Bank-Chef Sewing hat noch viele Baustellen. picture-alliance / Reportdienste -

Das wird lange dauern. Es sind zwei Rieseninstitute, die beide immer noch ihre hauseigenen Baustellen lösen müssen. Es ist völlig offen, wie das Ganze ablaufen soll: Also wer schluckt da wen? Was passiert mit dem Staatsanteil der Commerzbank? Es gibt wohl den Druck, bis Ende Mai zu einer Aussage zu kommen, wohin die Reise gehen soll – aber dass Verträge unterzeichnet werden, das wird man meiner Einschätzung nach erst nächstes Jahr erleben.

Online: Petra Thiele

STAND