Deutsch-chinesisches Regierungstreffen Deshalb ist China keine echte Alternative

Die fünften deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen laufen: Bundeskanzlerin Merkel empfing den chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang. Es geht vor allem um die Wirtschaftsbeziehungen.

Fragen an Sabrina Fritz, SWR Wirtschaft und Soziales

Was sind die Chancen für die deutsche Wirtschaft im Geschäft mit China?

  • Erstens, ganz klar, ist China für Deutschland ein riesiger Absatzmarkt, der vielen deutschen Unternehmen in den letzten Jahren gute Geschäfte beschert und viele Arbeitsplätze hier gerettet hat. So ist zum Beispiel für den Autobauer Audi China der wichtigste Auslandsmarkt.
  • Zweitens sind die Chinesen bei der Elektromobilität weit vorne. Daimler zum Beispiel entwickelt mit einem chinesischen Hersteller Elektroautos. Was hier noch wichtiger ist, China ist dabei, der größte Batteriehersteller der Welt zu werden. Die braucht man ja vor allem für Elektroautos.
  • Drittens sind für viele deutsche Unternehmen die Chinesen wichtige Investoren. Sie haben zum Beispiel den Flughafen Hahn übernommen. Von dort gehen jetzt Transportflüge nach China. Auch die Pharmafirma Biotest ist in chinesischer Hand, und beim Küchenhersteller Siematic wird jetzt auch mit Stäbchen regiert.

Was sind die Risiken für Deutsche bei Geschäften mit Chinesen?

Deutsche Unternehmen klagen immer wieder über dieselben Probleme: Kein freier Zugang zum Internet, es ist schwierig, Geld aus China zu transferieren, es gibt keine Rechtssicherheit und Wissensklau.

Beispielsweise wollten die Chinesen eine Autofabrik hochziehen, haben dafür ganze Ingenieurteams von BMW abgeworben - aber nach ein paar Monaten blieb dann das Geld aus und das Projekt versandete.

Das Fazit: Ist China wirtschaftlich eine Alternative für Deutschland an Stelle der USA?

Ganz klar, nein. Man kann die freie Marktwirtschaft Amerika nicht mit dem staatlich gelenkten China vergleichen. Deutsche Unternehmen, die einen Plan haben, wo sie investieren wollen, sollten diesen nicht wegen der Strafzölle komplett über den Haufen werfen.

Aber es ist auch klar, an China kommt kaum ein globales Unternehmen vorbei. Wenn man zum Beispiel eine Konkurrenz zu den starken Tech-Unternehmen aus den USA - wie Facebook, Google oder Amazon - aufbauen will, dann könnte China durchaus ein Partner sein. Denn auf diesem Gebiet haben Chinesen und Deutsche Nachholbedarf.

Klare Regeln für gemeinsame Geschäfte sind gut, aber man sollte den Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten nicht unterschätzen, er verfolgt vor allem eigene Interessen.

Online: Heidi Keller

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