Datenverkauf von Kommunen So verdienen Behörden mit unseren Daten Geld

Der Städte- und Gemeindebund hat Kommunen empfohlen, Daten zu verkaufen und damit Einnahmen zu erwirtschaften. Wir erklären, welche Daten die Behörden bereits von uns haben.

Die Kommune hat sowieso schon meine persönlichen Daten aus dem Melderegister: Name, Geburtsdatum und Ort, Adresse, verheiratet oder ledig, Religionszugehörigkeit - auch wo ich davor gewohnt habe, wann ich umgezogen bin. Darüberhinaus ist bekannt, ob ich ein Auto auf mich zugelassen habe, das Kennzeichen dieses Autos, ob ich einen Bewohner-Parkausweis habe oder meine KFZ-Versicherung.

Gewinne aus verkauften Daten

Die Meldeämter haben die Meldedaten bereits in der Vergangenheit im großen Stil verkauft - etwa an Unternehmen oder an die Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Nach einer Recherche des Magazins Spiegel bei 28 Städten wurden im Jahr 2011 rund 4,5 Millionen Datensätze verkauft - völlig legal. Die Kommune kann damit Geld einnehmen. Allein mit den Meldedaten seien bundesweit im Jahr 2011 hochgerechnet 56,4 Millionen Euro möglich gewesen. Ob sich der Aufwand wirklich rechnet - diese Daten aufzubereiten und zu verkaufen - und ob sich damit auch in Zukunft wirklich Geld verdienen lässt, bleibt abzuwarten.

Künftig liefern Bürger noch mehr Daten

Ein Elektro-Fahrzeug wird an einer Ladestation aufgeladen (Foto: picture-alliance / dpa /Fotograf:Kay Nietfeld -)
Künftig wird es mehr E-Tankstellen im Land geben, die auch mehr Daten sammeln. picture-alliance / dpa /Fotograf:Kay Nietfeld -

Unsere Städte und Kommunen werden bald noch viel mehr Daten von uns bekommen - Stichwort Smart Cities, schlaue Städte. Viele Kommunen betreiben ein öffentliches WLAN. Daraus lassen sich Bewegungsdaten ableiten und Besucherströme analysieren.

Oder zum Beispiel Verkehrsdaten: Wenn die Ladesäule für das E-Auto weiß, dass der Akku des Autos das gerade lädt, erst 20 Prozent voll ist, dann wird es da noch länger stehen. Wenn Parkplätze mit Sensoren ausgestattet sind, ist klar, wo ein Parkplatz frei ist. Solche Daten wird es in Zukunft immer mehr geben.

Daten gehören Allen - ohne wirtschaftlichen Zwang

Die Open-Data-Bewegung sagt, diese Daten müssen kostenlos weitergegeben werden, denn wir Bürger haben sie über die Steuern ja bereits bezahlt. Wenn sie offen zugänglich sind, lassen sie sich für Forschungszwecke nutzen, um etwa das Parkplatzproblem in einer Stadt in den Griff zu bekommen. Das kommt dann wieder Allen zu Gute. Startup-Unternehmen könnten auf Grund dieser Daten Apps entwickeln, die uns die Parkplatzsuche erleichtern, bezahlen wollen die für die Daten nichts.

Beispiele wie diese gibt es noch mehr. Ob bezahlt oder kostenlos - klar muss sein, diese Daten müssen anonymisiert werden, damit sie nicht mehr einer Einzelperson zugeordnet werden können. Nur dann sind sie es wert, weitergegeben zu werden.

Von Andreas Reinhardt, SWR Wirtschaft und Soziales | Online: Tobias Frey

STAND