Das Ausbildungsjahr beginnt Warum Bewerber jetzt noch Chancen haben

Junge Menschen können es sich nahezu aussuchen, wo sie ihre Ausbildung beginnen, denn viele Betriebe suchen händeringend Bewerber - auch noch für dieses Jahr. Wir klären, wo die Aussichten am besten sind.

Der 1. August ist für viele junge Menschen in Rheinland-Pfalz ein besonderer Tag - denn sie starten mit ihrer Berufsausbildung. Das Ausbildungsjahr beginnt in vielen Branchen und Unternehmen. In Baden-Württemberg beginnt das Ausbildungsjahr am 1. September. Wohl noch nie waren die Chancen so gut, eine Lehrstelle zu bekommen - denn viele Firmen haben noch Ausbildungsplätze frei.

Fragen an Sabine Geipel, Aktuelle Wirtschaft

Es heißt, vor allem in der Gastronomie würden Azubis gesucht - stimmt das?

Eine Auszubildende blättert in einem Dokument (Foto: SWR, SWR -)
Selbstständiges Arbeiten gehört genauso zur Ausbildung wie Lernen unter Anleitung. SWR -

Die Gastronomie ist auf jeden Fall unter den Branchen, die suchen, genauso wie die Hotellerie. Aber auch im Einzelhandel sind allein in Rheinland-Pfalz mehrere hundert Stellen im Land frei - als Verkäufer/-in oder als Kauffrau oder -mann im Einzelhandel.

Außerdem gibt es im Handwerk viele offene Lehrstellen - das sind Berufe wie Bäcker und Metzger, aber auch Installateure - zum Beispiel für Sanitär- und Klimatechnik. Ich glaube, es gibt inzwischen keine Branche, die nicht sucht.

Auch wenn das Ausbildungsjahr gestartet ist, haben junge Menschen weiter Chancen auf eine Lehrstelle im Jahrgang 2018?

Ja, es klappt bei vielen noch auf den letzten Drücker - in einigen Unternehmen oder auch in Baden-Württemberg geht es auch erst im September oder später los. Die Arbeitsagenturen sagen, es gebe noch etliche "Last-Minute-Angebote". Viele Agenturen bieten offene Sprechstunden in der Berufsberatung an und werben auch dafür, nach anderen Berufen Ausschau zu halten und nicht zu sehr auf den Wunschberuf fixiert zu sein.

Mädchen wird geraten, offen für einen eher männlich dominierten Beruf zu sein - und umgekehrt. Außerdem appellieren die Arbeitsagenturen an Unternehmen, auch Bewerber mit weniger guten Zeugnissen eine Chance zu geben.

Haben denn Jugendliche mit schlechten Noten eine Chance?

Die Unternehmen haben ihre Ansprüche in den letzten Jahren heruntergeschraubt - gezwungenermaßen. Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern gleicht fast die Hälfte der Firmen schulische Defizite ihrer neuen Azubis durch betriebsinterne Nachhilfe aus.

Mehr als ein Drittel schaltet ausbildungsbegleitende Maßnahmen der Arbeitsagentur ein. Und auch im Vorfeld wird von Seiten der Arbeitgeber einiges getan, um überhaupt an Bewerber zu kommen - die Palette reicht von zusätzlichen Urlaubstagen, Zuschüssen zu den Fahrtkosten bis zu einer höheren Ausbildungsvergütung als im Tarifvertrag geregelt.

Es werden auch Hürden beim Bewerbungsverfahren abgebaut. Bei der Deutschen Bahn müssen teils nur noch Lebenslauf und Zeugnis eingereicht werden, kein Bewerbungsschreiben mehr - was nicht nur Schulabgängern schwerfällt.

Online: Jutta Kaiser

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