Blumen zum Valentinstag Der lange Weg der Rosen

Valentinstag ist der Tag, an dem - neben Muttertag - in Deutschland die meisten Rosen gekauft werden. Die Rosen, die wir am Valentinstag verschenken, kommen meist aus Kenia oder Südamerika.

Die "Hauptstadt der Rosen" - weltweit betrachtet - heißt Naivasha und liegt in Kenia, in Afrika, 10.000 Kilometer von uns entfernt. Auf den Rosen-Plantagen rund um die Stadt arbeiten etwa 50.000 Menschen. Sie schneiden, sortieren und bündeln die Blumen vor dem Valentinstag im Schichtbetrieb.

In drei Grad Celsius kalten Lkws werden die Rosen von dort aus in Kenias Hauptstadt Nairobi gefahren - knapp 100 Kilometer über die Autobahn. Allein von Lufthansa Cargo starten dort dieses Jahr etwa zehn Frachtflugzeuge mit Rosen. Die deutsche Fracht-Airline transportiert von Kenia, aber auch von Ecuador aus, die meisten der Rosen, die in Mitteleuropa verkauft werden. Die Flieger nach Frankfurt haben etwa eintausend Tonnen Blumen an Bord - das sind 20 Millionen einzelne Rosen.

Neue Studie: Gute Klimabilanz der afrikanischen Rosen

Von Frankfurt aus werden sie per LKW oder mit dem Frachtflugzeug dann weiter in andere europäische Länder verteilt. Trotz der langen Strecke, die die Rosen zurücklegen, ist ihre Klimabilanz ganz gut: Laut einer englischen Studie wäre der CO2-Ausstoß etwa fünf Mal so hoch, wenn die Rosen in den Niederlanden produziert würden. Das ist so, weil die Sonne in Kenia fast das ganze Jahr über scheint. Es müssen also keine Gewächshäuser dafür beheizt und beleuchtet werden.

Insgesamt vergehen nicht einmal zwei Tage, bis die kenianischen Rosen in Europa ankommen. Sieben bis neun Tage dauert es, bis sie in den Blumenläden verkauft worden sind - und dann soll jede Rose noch mindestens sieben Tage blühen.

UnFAIRer Blumenhandel aus Afrika

Arbeitsbedingungen in der Rosenzucht oft ungerecht und gesundheitsgefährdend (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Kenia: Arbeitsbedingungen in der Rosenzucht sind oft ungerecht und gesundheitsgefährdend picture-alliance / dpa -

Ein Minuspunkt in Sachen Nachhaltigkeit sind allerdings die Produktionsbedingungen vor Ort. Es gibt kaum Transparenz im Blumensektor. Das macht es nahezu unmöglich herauszufinden, wo die Blumen herkommen, weil es keine Kennzeichnungspflicht für die Herkunft der Pflanzen gibt.

Die Produktionsbedingungen vor Ort sind oft grauenvoll. Die Arbeiter müssen Akkordarbeit in Gewächshäusern aus Plastik leisten. Die Bedingungen sind ausbeuterisch und die Löhne unter dem Existenzminimum. Die Menschen leiden unter Pestizidvergiftungen, da sie die Pflanzenschutzmittel ohne Schutz auf den Feldern ausbringen müssen. Die Abwässer landen ungeklärt in der Umgebung. Gerade in Entwicklungsländern ist das ein großes Umweltproblem.

Blumen zum Valentinstag mit gutem Gewissen

Eine Frau hält einen Tulpenstraus in der Hand (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Für Tulpen, Narzissen oder Ranunkel ist der Weg nicht so weit Thinkstock -

Wer dennoch gerne bei Blumen als Geschenk zum Valentinstag bleiben möchte, findet statt der unökologischen Rosen auch Alternativen. Zum Beispiel extra gekennzeichnete, fair gehandelte Blumen im Blumenladen oder im Supermarkt. Die sind dann zwar auch aus Afrika, aber wenigstens unter besseren Bedingungen produziert.

Tulpen, Narzissen, Ranunkeln und Krokusse sind die klimafreundlichen Alternativen - es gibt sie auch als Schnittblumen. Oder wie wäre es mit einer Topfpflanze aus der Region - zum Beispiel dieselben Frühlingsblüher mit ihren Zwiebeln in einem Gefäß? Die sind noch nachhaltiger und langlebiger als eine Schnittblume, die bereits nach wenigen Tagen verwelkt.

Geli Hensolt, SWR Wirtschaft, und Petra Haubner, SWR Umwelt | Online: Heidi Keller

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