Black Friday Wer von der Rabattschlacht profitiert

Heute ist der Black Friday - das heißt, es gibt überall im Netz Rabatte. Mit bis zu 90 Prozent werben manche Händler. Wie viel Kohle wird damit verdient? Wo können Verbraucher Schnäppchen finden?

Cyber Monday, Cyber Week oder der heutige Black Friday - Shoppingfans können sich über satte Rabatte im Internet freuen. Die Online-Händler haben das Vorweihnachtsgeschäft gestartet und locken mit niedrigen Preisen. Wer profitiert am Ende von diesen Rabattschlachten? Die Branchengrößen? Die Kunden?

Der Trend kommt ursprünglich aus den USA, doch auch in Deutschland gibt es am Black Friday, der Cyber Week oder dem Cyber Monday kein Vorbeikommen mehr. Dirk Funck, Professor für Handels- und Kooperationsmanagement an der Hochschule Nürtingen-Geislingen dazu: "Der Stellenwert ist recht hoch geworden. Da wird bei den Umsätzen bereits in Milliarden kalkuliert. Wir sind jetzt in der umsatzträchtigen Zeit im Handel und das Weihnachtsgeschäft wird so systematisch verlängert."

Online-Anbieter werben mit Sonderaktionen und Rabatten

Vor allem Elektronik- und Textilanbieter können sich aktuell über gute Geschäfte freuen. Denn diese Produkte sind an Aktionstagen besonders nachgefragt. Das heißt, vor allem die Branchenriesen wie Amazon oder Zalando profitieren. Auch die Verbraucher können an den Rabatttagen zu den Gewinnern gehören und Schnäppchen machen. Allerdings: Blind einkaufen sollte man nicht, sagt der Nürtinger Handelsexperte Dirk Funck.

"In solchen Aktionen wird vom Handel die Einstellung der Verbraucher angesprochen, die dazu neigen, ein bisschen faul zu sein. Ich schalte das Gehirn aus und mache nicht das, was ich sonst tue und vergleiche, um bewusst und systematisch zu einer Kaufentscheidung zu kommen."

Bei Kameras, Kleidung und Elektronik sparen - aber nicht blind einkaufen

Wer als Verbraucher umsichtig einkauft, der kann zum Beispiel bei Kameras, T-Shirts oder Computerzubehör richtig viel Geld sparen. Profitiert also jeder von den Rabatten im Internet? Nicht ganz: Die traditionellen Ladenbesitzer sind von den Sonderangeboten der Online-Händler wenig begeistert.

Sabine Hagmann vom Handelsverband Baden-Württemberg erklärt: "Ein ganz großes Problem ist, dass diese Cyberwoche gerade jetzt stattfindet und das Vorweihnachtsgeschäft einläutet. Viele kaufen ihre Geschenke schon im Oktober, November. Da wird es Verlierer und Gewinner geben. Für den Kunden schön, für den Händler nicht so toll."

Die Ladenbesitzer hoffen trotz der Konkurrenz aus dem Netz auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. Sie gehen davon aus, dass viele Kunden an den derzeitigen Aktionstagen nicht alle Geschenke im Internet finden werden. Die Einzelhändler hoffen, dass die Verbraucher noch genügend Geld haben, um in den kommenden Wochen auf Shoppingtour zu gehen - dann ganz klassisch im Laden.

Ist an den Rabatt-Tagen wirklich alles so günstig?

Bestimmt können die Verbraucher an diesen Aktionstagen das eine oder andere Schnäppchen machen. Allerdings ist nicht gesagt, dass diese Rabatte tatsächlich so groß sind, wie manche Hersteller versuchen sie scheinen zu lassen. Wenn man als Beispiel die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers nimmt - das ist ja nur eine Angabe, das heißt noch lange nicht, dass der Händler dieses Produkt früher wirklich so teuer angeboten hat - und der Rabatt ist dann tatsächlich wesentlich kleiner als er erscheint.

Was raten Sie den Verbrauchern?

Auch an solchen Rabatt-Tagen sollte man beim Online-Shopping einen kühlen Kopf bewahren. Man sollte die Preise vergleichen, beispielsweise mit einer Preissuchmaschine. Und man sollte sich nicht von den Marketing-Instrumenten der Händler unter Druck setzen lassen - beispielsweise, wenn ein Balken abläuft und suggeriert, dass nur noch wenig Waren zu haben sind.

Gibt es irgendwelche Risiken zu beachten?

In den letzten Wochen gab es ja auch immer wieder vermehrt Meldungen über Fake Shops auf Amazon. Das sind sozusagen solche Shops, die extreme Rabatte anbieten, dann aber keine oder nur minderwertige Ware liefern. Gerade wenn jetzt andere Shops auch viele Rabatte anbieten, kann es da zu Verwechslungen kommen. Deshalb sollte man vor dem Kauf nochmal ins Impressum schauen: Ist da ein Vertragspartner angegeben? Ist da eine Adresse angegeben, unter der man jemanden erreichen kann? Und man sollte auch auf die Bezahlmöglichkeiten schauen: Wenn beispielsweise nur Vorauskasse oder Direktüberweisung angeboten wird, sollte man besser die Finger davon lassen.

Die fünf wichtigsten Fakten zum Black Friday

  • Der Trend kommt aus den USA

Den Black Friday gibt es in Amerika schon seit 55 Jahren. Er ist immer ein Tag nach Thanksgiving, also dem Erntedankfest. Viele Amerikaner nutzen den Brückentag gerne für die ersten Weihnachtseinkäufe. Das haben auch die Händler erkannt und den Black Friday zum Shoppingtag Nummer Eins ausgerufen.

  • Alles Gute zum zehnjährigen Jubiläum

Der Black Friday feiert in Deutschland Geburtstag. 2006 hatte der iPhone-Hersteller Apple als erstes Unternehmen die Preise gesenkt. Anschließend zogen viele Anbieter in Deutschland nach.

  • Fast überall im Netz warten Rabatte

Schätzungsweise knapp 5.000 deutsche Online-Händler werden in diesem Jahr rund um den Black Friday dabei sein - so viele wie noch nie. Neben den großen Branchenriesen und Internetkaufhäusern werben auch viele kleinere Shops mit Sonderangeboten.

  • Riesige Rabatte sind die Ausnahme

Manche Händler locken am Black Friday mit extrem hohen Rabatten, allerdings sind 80 oder 90 Prozent eher selten. Das Internetkaufhaus Amazon wirbt mit bis zu 50 Prozent Rabatt, der Schuhhändler Zalando bietet zum Beispiel 20 Prozent an. Verbraucher können laut Experten vor allem bei Elektronikartikeln und Mode sparen.

  • Der Black Friday ist eine Goldgrube

Der Black Friday hat sich zu einem echten Umsatzkracher für deutsche Händler entwickelt. In diesem Jahr wird es wohl einen neuen Rekord geben: Die Branche erwartet einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro.

Tobias Frey und Moritz Hartnagel, SWR Wirtschaft und Umwelt | Online: Heidi Keller

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