Bezahlpflicht für Plastiktaschen Deutsche brauchen 45 Tüten, Iren nur 16

Seit einem Jahr muss man in vielen Geschäften für Plastiktüten bezahlen, oder es gibt gar keine mehr. Der Verbrauch bei uns ist drastisch zurückgegangen, aber die Iren sind sparsamer.

Nach einem Jahr Bezahlpflicht für Plastiktüten - seit 1. Juli 2016 - ist der Verbrauch von Plastiktüten in Deutschland beachtlich zurückgegangen. Das ist eine Auswirkung der freiwilligen Vereinbarung des Handels mit dem Bundesumweltministerium zur Reduzierung von Plastikmüll.

Der Verbrauch von Plastiktüten ist seit 2016 um ein Drittel zurückgegangen - pro Kopf landen 45 Tüten pro Jahr im Müll, 2015 waren es noch 68. Handel und Bundesumweltministerium sind mit dem Rückgang zufrieden, denn damit wurde jetzt bereits das Ziel der EU-Vorgabe für 2025 erreicht.

Ein Drittel weniger Kunststofftaschen reicht nicht

Plastikverschmutzung im Meer (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Plastik vermeiden, um die Weltmeere zu retten Thinkstock -

Nach Einschätzung der Umweltverbände und der Deutschen Umwelthilfe ist das aber ein eher bescheidener Erfolg. Nach wie vor werden die Meere verschmutzt. An 100 Metern Nordseestrand werden im Schnitt 389 Müllteile gefunden. Der überwiegende Teil ist Plastik.

Die Kritikpunkte der Verbände:

  • Kleine Plastiktüten für Wurst, Obst und Käse tauchen in der Statistik nicht auf.
  • Viele Unternehmen beteiligen sich gar nicht an der Selbstverpflichtung.
  • Die Vereinbarung gilt nur für 60 Prozent der Tüten.
  • Es gibt keine Kontrolle darüber, ob der Verbrauch von Papiertüten angestiegen ist. Papiertüten sind in der Umweltbilanz noch schlechter, da mehr Chemikalien und Materialien verbraucht werden.

Die einzige umweltfreundliche Alternative seien deshalb Mehrwegtaschen. Entscheidend sei aber vor allem, so die Umweltschützer, dass die Plastiktüten richtig entsorgt beziehungsweise recycelt würden und nicht in die Umwelt gelangten. In Europa wird aber nicht einmal jede zehnte Plastiktüte recycelt, wodurch die Rohstoffe bei neun von zehn Plastiktüten verloren gehen.

Irland: 90 Prozent weniger Tüten

Die deutsche Umwelthilfe fordert deshalb eine Umwelt-Tüten-Steuer nach dem Vorbild Irlands. Irland hat eine Umweltsteuer von 22 Cent pro Tüte - und damit Erfolg. Nach Einführung der Steuer ging der Verbrauch von Plastiktüten in Irland in nur einem halben Jahr um 90 Prozent zurück. Der Ire verbraucht heute im Schnitt nur noch 16 Tüten im Jahr. Früher waren es 286. Bereits 2002 hat Irland als erstes Land weltweit diese Umweltsteuer auf Plastiktüten eingeführt.

Vorschlag für Deutschland: Plastiktütenabgabe von 22 Cent

Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert, 60 Prozent der in Verkehr gebrachten Plastiktüten würden mit Zustimmung der Bundesumweltministerin weiterhin kostenfrei abgegeben. Deshalb fordern die Umweltschützer auch für Deutschland eine bundesweite Plastiktütenabgabe von 22 Cent.

Von Martin Thiel, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller

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