Bessere Nährwertkennzeichnung Erste Konzerne starten mit Lebensmittel-Ampel

Wenn man auf der Packung eines Lebensmittels sofort erkennen könnte, ob der Inhalt gesund ist oder eher nicht - das wäre nützlich für Verbraucher. Die Industrie reagiert schneller als die Politik.

Der erste Lebensmittel-Hersteller kommt mit einer Lebensmittel-Ampel, dem Nutriscore, auf den Markt. (Foto: (Pressestelle) -)
Der erste Nahrungsmittel-Produzent kommt mit der Lebensmittel-Ampel "Nutriscore" auf den Markt. (Pressestelle) -

Verbraucherschützer fordern eine bessere Kennzeichnung und Bewertung der Nährwerte schon lange. Bis zum Sommer wollen Union und SPD ein Modell erarbeiten, bei dem der Nährwertgehalt "gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird". Die Industrie ist aber schneller: Der Konzern Danone bringt schon jetzt Produkte mit einer Art "Lebensmittel-Ampel" in den Handel. Auf der Packung sind sie mit dem sogenannten "Nutriscore" gekennzeichnet.

Fragen an SWR-Ernährungsexpertin Sabine Schütze

Was ist neu auf der Packung, und was kann ich da ablesen?

Recht präsent auf der Vorderseite sieht man eine Ampel mit farblichen Zwischenstufen von Dunkelgrün zu Hellgrün, über Gelb und Orange, bis Rot. Grün darf man täglich essen, Gelb-orange eher weniger oft, Rot besser nicht täglich und in geringen Mengen.

Welche Produkte bekommen als erste diesen Nutriscore?

Fruchtzwerge machen bei Danone jetzt den Anfang, nächsten Monat kommen Puddings dazu, im April Joghurt-Produkte. Dann dürften auch so langsam die ersten Produkte von Iglo beampelt in der Tiefkühltruhe liegen.

Wie funktioniert die Bewertung bei dieser Art von Lebensmittel-Ampel genau?

Bald kommen noch mehr Milchprodukte oder Tiefkühlkost in die Supermärkte mit Ampel-Bewertung. (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk -)
Bald kommen noch mehr Milchprodukte oder Tiefkühlkost in die Supermärkte mit Ampel-Bewertung. dpa Bildfunk -

Diese Ampel, der sogenannte Nutriscore, hat den Vorteil, dass er sich auf das gesamte Lebensmittel bezieht - und nicht den Einzelbestandteilen wie Fett, Zucker und Kohlehydrate jeweils eine Farbe gibt. So sind die Produkte viel besser vergleichbar. Ich kann auf einen Blick sehen, dass der Fruchtjoghurt noch grün ist, der Vanille-Pudding dagegen orange und die Tafel Schokolade rot. Und das reicht völlig aus, damit wir uns für das gesündere Produkt entscheiden.

Die Bewertung ist wissenschaftlich basiert, sie berechnet zum Beispiel Negativpunkte für Zucker und Fett sowie Pluspunkte etwa für Ballaststoffe. Am Ende gibt es dann einen Gesamtwert in Punkten, der Score - der entscheidet über die Einstufung in Grün, Orange oder Rot.

Ist ein Produkt mit gutem Nutriscore auch wirklich gesünder als eines mit schlechter Bewertung?

Grundsätzlich schon, weil es insgesamt eine bessere Nährwertqualität hat. Ein Fruchtjoghurt etwa wird besser bewertet sein als ein Schokopudding zum Beispiel. Aber selbstverständlich können sich auch Produkte Grün-mogeln, wenn die Hersteller Zucker rausnehmen und dafür Süßstoffe verwenden. Dann ist die Bewertung am Ende fraglich.

Danone ist ein Weltkonzern, der Geld verdienen will. Was verspricht sich das Unternehmen vom Nutriscore?

Die Ampel bringt ein gutes, gesundes Image. In Frankreich gibt es die beampelten Produkte bereits. Danone kommt bei uns zuerst mit den Fruchtzwergen, weil die Rezeptur über viele Jahre hinweg immer weiter verändert wurde - heimlich, still und leise. Vordringlich deshalb, weil Fett sparen auch Geld sparen bedeutet. Doch inzwischen kann man so etwas durch die Reduktionskampagnen öffentlich machen.

Bei den Fruchtzwergen hat man Zucker um mehr als ein Drittel reduziert, Fett um mehr als die Hälfte. Das ist etwas, was Kunden jetzt zu schätzen wissen. Deshalb die Bewertung in hellgrün und nicht mehr in warnendem Orange.

In Frankreich gibt es diese Lebensmittel-Ampel bereits. Was hat sich dort geändert?

In Frankreich sind mehr als 50 Lebensmittelhersteller dabei. Dort funktioniert es. Die Menschen meiden tatsächlich die orange-rot beampelten Produkte und greifen eher zu den grün-gelben. Es hilft dabei, etwa den Pudding stehen zu lassen und eher zum Joghurt zu greifen.

Macht diese Lebensmittel-Bewertung Sinn, solange sie freiwillig ist?

Klar wäre eine Pflicht besser, weil wir dann die Ampel flächendeckend hätten. Zumal wir Konkurrenzprodukte untereinander auch überhaupt nicht vergleichen können, wenn nur vereinzelt Produkte beampelt sind. Die Politik wird die Ampel nicht verpflichtend machen, so viel ist klar. Deshalb hoffe ich jetzt, dass - genau wie in Frankreich - viele Hersteller wenigstens mit der freiwilligen Kennzeichnung nachziehen. Die Hersteller können sich den Nutriscore nicht schön rechnen, er basiert auf klaren Vorgaben.

Selbstverständlich ist die Ampel auch ein schöner Anreiz für die Produzenten für fett- und zuckerärmere Lebensmittel. Denn freiwillig will sicher niemand die Farbe Rot auf seinen Produkten sehen.

Online: Heidi Keller

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