Autonomes Fahren Bosch will ab 2018 Roboter-Taxis testen

Der Autozulieferer Bosch will bereits im kommenden Jahr Roboter-Taxis auf deutschen Straßen ausprobieren. Auch andere Unternehmen haben ambitionierte Pläne.

Die ersten Modelle der Robotaxis werden aus Sicherheitsgründen noch einen Fahrer an Bord haben. (Foto: Bosch -)
Die ersten Modelle der Robotaxis werden aus Sicherheitsgründen noch einen Fahrer an Bord haben. Bosch -

Autonomes Fahren ist eines der wichtigsten Themen in der Mobilitätsbranche. Denn die Unternehmen, die als erste erfolgreich damit sind, haben gute Chancen, großen Profit damit zu erwirtschaften.

Fragen an Katharina Fortenbacher-Jahn und Tobias Frey, SWR Wirtschaft und Soziales

Schon 2018 sollen die ersten selbstfahrenden Taxis auf deutschen Straßen fahren. Ist dieser Zeitplan realistisch?


Das ist sehr ambitioniert. Ich kann mir vorstellen, dass die Roboter-Taxis nächstes Jahr punktuell eingesetzt werden - aber vorerst nur testweise. Wir sollten uns keine Hoffnungen machen, dass wir selbstfahrende Taxis 2018 häufig sehen werden und nutzen können.

Es ist noch vieles unklar: Wie soll die Technik genau funktionieren? Welche Sicherheitssysteme werden eingesetzt? Es steht noch nicht einmal fest, auf welchen Strecken die Roboter-Taxis fahren sollen. Ein Sprecher von Bosch sagte, dass auch das Zahlungssystem noch nicht klar sei. Möglicherweise wird das Taxi per App angefordert und dann auch auf diesem Weg bezahlt - aber das ist noch offen.

Was macht die Roboter-Taxis so interessant?

Für uns Nutzer klingt es praktisch: Man ruft es mit dem Handy, es kommt, fährt uns und holt den nächsten ab. Für Firmen wie Uber lockt der enorme Umsatz, wenn das Unternehmen keine Fahrer zahlen muss. Forscher sind sich einig, dass sich die Unfallzahlen drastisch verringern werden. Mc Kinsey rechnet damit, dass man bis zu 90 Prozent aller tödlichen Unfälle verhindern könnte. Wirtschaftlich betrachtet, würde das autonome Fahren die Versicherungen stark entlasten.

Die Verkehrs- und Umweltbelastung würde sinken, denn Parksysteme würden Kilometer sparen. Die Parkplatzsuche ginge viel schneller. Autonome Fahrzeuge würden durch die neue Logistik besser ausgelastet. Ein Taxi könnte rechnerisch im Schnitt zehn Pendlerautos ersetzen. Dadurch werden wiederum Staus in den Städten und auf den Autobahnen verringert. Für die Hersteller bedeutet das aber die Entwicklung komplett neuer Autos und die Verarbeitung ganz anderer Datenmengen als bisher.

Die Bahn-Logistiktochter Schenker will nächstes Jahr Roboter-Lkw auf einer Teststrecke auf der A9 einsetzen. Was ist von diesem Plan zu halten?

Ein Mercedes-Benz Actros Lkw fährt auf der Autobahn (Foto: Daimler AG (Pressestelle)  -)
Daimler hat bereits teil-autonome Fahrversuche mit Lkw gestartet. Daimler AG (Pressestelle) -

Bei den selbstfahrenden Lastern ist die Industrie schon ein Stück weiter. Da gab es schon häufiger Testversuche. Der Stuttgarter Autobauer Daimler hat auch schon einen autonom fahrenden Laster auf der A8 zwischen Stuttgart und Ulm fahren lassen.

Da hat die Autoindustrie in den vergangenen Jahren schon vorgelegt: Es wurden Sicherheitssysteme ausgetüftelt, die Sensortechnik wurde verfeinert. Ich kann mir gut vorstellen, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis wir häufiger selbstfahrende Lkw auf den Straßen sehen.

Bosch und Schenker wollen offenbar in ihrem Segment schon im nächsten Jahr Pflöcke einschlagen. Warum so schnell?

Das autonome Fahren ist für die Hersteller ein milliardenschwerer Zukunftsmarkt. Viele Unternehmer möchten davon profitieren. Deshalb arbeiten fast alle großen Industriekonzerne aktuell an Plänen und Lösungen. Das ist ein richtiger Konkurrenzkampf. Die Bahn testet zum Beispiel auch lokführerlose Züge. Jeder möchte im besten Fall der Erste sein, der die Technik zuverlässig anbietet.

Beim autonomen Fahren lässt sich viel Geld sparen. Wie beim Roboter-Auto steigt die Sicherheit, es soll insgesamt dadurch weniger Staus auf den Straßen geben und bei den lokführerlosen Zügen weniger Verspätungen. Die Unternehmen könnten auch Personal einsparen, wenn weniger Lkw-Fahrer oder Lokführer gebraucht werden.

Online: Jutta Kaiser

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