Automobilwirtschaft Baden-Württemberg "Viele Worte, wenig Taten" beim Strategiedialog

Treffen zwischen Akteuren und Austausch sind wichtig - mit Ergebnissen zur Mobilität der Zukunft war aber beim Strategiedialog Automobilwirtschaft nicht zu rechnen, kommentiert Sabrina Fritz, SWR Wirtschaft.

Ministerpräsident Kretschmann steht vor Beginn des Treffens mit Autobossen und IG Metall-Bezirksleiter zusammen. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Ministerpräsident Kretschmann steht vor Beginn des Treffens mit Autobossen und IG Metall-Bezirksleiter zusammen. picture-alliance / dpa -

Der Strategiedialog in Stuttgart ist eine Leistungsschau der Autoindustrie und der Politik. Da werden selbstfahrende Rennwagen, Ladestationen für einen Porsche Turbo oder Konzepte für private Ladestationen gezeigt. Doch im Gegensatz zu den Rennwagen auf der Stuttgarter Messe kriechen die Elektrofahrzeuge im Alltag über die Straße.

Elektroautos sind in Deutschland nach wie vor selten

Zählt man alle Autos zusammen, die zumindest teilweise mit Strom angetrieben werden, kommt man in Deutschland bei 100 Autos auf drei bis vier mit einem Elektro- oder Hybridantrieb. Dabei quellen die Fördertöpfe über. 4.000 Euro Prämie gibt es für ein Elektrofahrzeug - doch das Geld will kaum jemand haben. Das liegt vor allem daran, dass Elektroautos immer noch teuer und schwer zu bekommen sind. Die Lieferzeiten betragen mehrere Monate und die Elektrovariante ist oft 10.000 Euro teuer als der Benziner.

Das Ausland setzt Autobauer unter Druck

Mit einer Kletteraktion haben Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace für bessere Luft in Stuttgart demonstriert. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Mit einer Kletteraktion haben Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace für bessere Luft in Stuttgart demonstriert. picture-alliance / dpa -

Weitere Probleme sind geringe Reichweiten und die niedrige Zahl an Ladestationen in Deutschland. Andere Länder gehen rigoroser vor. China verlangt von Herstellern ab kommendem Jahr, dass zehn Prozent ihrer Produktion Elektroautos sind. Großbritannien will in 20 Jahren nur noch Elektroautos auf den Straßen sehen. Also schon das Ausland setzt die Hersteller unter Druck.

Der Strategiedialog zwischen Politik und Autoindustrie in Baden-Württemberg, der bisher zwei Mal stattgefunden hat, soll noch die kommenden sechs Jahre weiter gehen. Dies ist ein Signal, dass es für die Elektromobilität keine schnellen Lösungen geben wird.

Viele Worte, wenig Taten

Kommentar von Sabrina Fritz, SWR Aktuelle Wirtschaft

Sabrina Fritz (Foto: SWR, SWR -)
Sabrina Fritz SWR -

Strategiedialog - was ein Wort. Übersetzt heißt das für mich: viele Worte, wenig Taten. Ich sage: Genug geschwätzt. Wenn in der deutschen Autoindustrie nicht in ein paar Jahren die Lichter ausgehen sollen, brauchen wir ein Plan - und zwar schnell. Bezahlbare Elektroautos, die nicht mehr kosten als ein Benziner. Und auf die man nicht monatelang warten muss. Ein Konzept, wie lade ich mein Auto, wenn ich in einem Wohnhaus wohne und wo kommend die Batterien her. Bislang gibt es weder eine deutsche noch eine europäische Batterieproduktion. Die künftigen Motoren beziehen BMW, Audi und Daimler vor allem aus Asien, ein riskantes Spiel.

Von all dem ist auf dem Autogipfele in Stuttgart nicht die Rede. Es ist eine Leistungsschau deutscher Autohersteller, die sich mit Ladestationen für den Porsche und selbstfahrende Rennwagen brüstet. Politik und Wirtschaft haben sechs Strategiefelder - man kann auch sagen Arbeitsgruppen - gebildet, auf denen sie in den nächsten sechs - ja, sechs - Jahren zusammenarbeiten wollen. Dazu gehören Energie, Verkehrslösungen und, klar, Digitalsierung. Das ist nicht falsch, aber zu spät.

Vertuschung statt sauberer Autos

Wertvolle Jahre sind vergeudet worden, in denen die Autoindustrie vertuscht hat, statt saubere Autos zu bauen. Ist es Zufall, dass ausgerechnet heute der Spiegel mit der Mitteilung kam, dass es auch Absprachen bei Benzinmotoren gegeben haben soll?

Ich weiß auch nicht, ob es eine gute Idee ist, dass sich jetzt Politik und Autoindustrie in Baden-Württemberg gemeinsam hinters Steuer klemmen, um in die Zukunft zu fahren. Könnte man sich das in anderen Branchen auch vorstellen? Einen jahrelangen Strategiedialog Chemieindustrie zum Beispiel? Die Politik hat sich von der Industrie in einen Dialog zwängen lassen, in dem sie leider keine deutlichen Worte mehr sagen kann.

Online: Jutta Kaiser

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