Auf vier Siegel achten Daunen-Produkte ohne Tierquälerei

Daunendecken sind zu jeder Jahreszeit angenehm. Doch vor dieser Anschaffung schrecken manche Verbraucher zurück. Denn Tierschützer behaupten, Daunen-Federn würden Gänsen bei lebendigem Leibe ausgerupft.

Fragen an Elke Klingenschmitt aus der SWR Redaktion Umwelt und Ernährung

Stimmt der Vorwurf der Tierschützer?

Da ist leider etwas dran an diesem Vorwurf. Der sogenannte Lebendrupf ist zwar seit 1999 in Europa verboten, es gibt aber ein Schlupfloch: Während der Mauser dürfen den Tieren die Federn, wie man salopp sagt, "abgestrichen" werden. "Raufen" heißt das auch. Tierschützer bemängeln, dass so also doch noch Lebendrupf praktiziert wird, vor allem in Osteuropa und Asien. Und da sind viele Tiere betroffen: Nach Angaben des Verbandes der Deutschen Daunen- und Federnindustrie in Mainz importieren deutsche Unternehmen um die 10 000 Tonnen Federn im Jahr, rund 70 Prozent davon aus dem ostasiatischen Raum, etwa China, und 30 Prozent aus Osteuropa (Ukraine, Ungarn, Polen, Russland). Die Hersteller von Daunenjacken und -decken sagen aber, die meisten der Daunen stammten von geschlachteten Tieren, also als Nebenprodukt des Fleisches. Entendaunen sind übrigens immer von Schlachttieren.

Also kann man doch manche Daunen-Produkte bedenkenlos kaufen?
Ja, ich würde sagen, ja, aber nur mit einem Tierschutzzertifikat, das aussagt, diese Daunen stammen nicht aus Lebendrupf und auch nicht aus der tierquälerischen Stopfmast von Gänsen. Da gibt es im wesentlichen vier Siegel:

  • Der "Responsible Down Standard" (RDS) wurde von der Outdoor-Marke The North Face eingeführt und wird am häufigsten vom Mode-Einzelhandel verwendet.
  • Der "Global Traceabel Down Standard" (Global TDS) ist strenger als RDS, weil auch die Elterntiere mit kontrolliert werden.
  • Dann gibt es noch den "Downpass" und den "Traumpass".

Wenn die Bettdecke oder Daunenjacke eines dieser vier Siegel trägt, dann ist das schon mal beruhigend für das Tierschutz-Gewissen. Ganz sicher sein kann man sich jedoch nie – es gibt immer auch schwarze Schafe unter den Daunenproduzenten.

Wem das zu unsicher ist: Gibt es Alternativen zur Daunendecke, welche andere Füllung kann bei den positiven Eigenschaften gleichziehen?

Das ist richtig schwierig, an die Temperatur- und schweißbindende Eigenschaft der Daune kommt tatsächlich kaum etwas heran: Unter Kunststoff-Fasern schwitzt man leicht und Baumwoll- und Rohseide-Füllung ist nur etwas für den Sommer.

Damit man lange Freude an Daunendecken hat, haben Sie noch einige Pflege-Tipps?

Wichtig: Jeden Morgen aufschütteln und lüften! Man kann die Daunendecke prinzipiell selbst waschen. Sie ist aber schwierig zu trocknen: Im Trockner bitte einen Tennisball dazugeben. Außerdem verrutscht die Füllung in einer Kassetten-Decke gern. Ein Tipp, aber nicht ganz billig: Alle 5 bis 10 Jahre die Füllung der edlen Daunendecke vom Spezialgeschäft reinigen und in einen neuen Bezug füllen lassen.

Label und Standards

RDS: Der „Responsible Down Standard“ (RDS) wurde vor drei Jahren von der Outdoor-Marke The North Face initiiert und ist inzwischen die im Mode-Einzelhandel am häufigsten zu findende Kennzeichnung. Die drei Buchstaben zertifizieren Lieferketten, bei denen Daunen ausschließlich von bereits getöteten Tieren (Schlachtrupf) stammen. Die Tiere müssen ohne leidvolle Umstände gehalten und dürfen nicht zwangsgefüttert werden. Kontrollen finden angekündigt wie unangekündigt statt. Mit dem Standard arbeiten inzwischen bekannte Outdoor- und Modemarken: außer The North Face etwa Vaude, Columbia, Mammut, Jack Wolfskin, Deuter, Haglöfs, Esprit, C&A, Hess-Natur.


Global TDS: Der Global Traceabel Down Standard (Global TDS) strebt den höchstmöglichen Standard in der Daunengewinnung an. Er ist insofern strenger als der RDS, da die Elterntiere mit kontrolliert werden. Der Standard TDS wurde zunächst von der Outdoor-Marke Patagonia entwickelt und später zur unabhängigen Zertifizierung weiterentwickelt. Patagonia ist dafür bekannt, viel Wert auf nachhaltige Produktionsmethoden zu legen. 2010 geriet die Marke wegen Berichten über die Verwendung von Daunen aus Lebendrupf unter Druck.


Eigene Richtlinien: Spitzenreiter beim Tierschutz ist das schwedische Unternehmen Fjällräven, das eigene Richtlinien für die Daunen-Lieferkette entwickelt und ganz ohne Label auskommt. Die Bedingungen gelten als besonders streng. Der Standard gehöre zu den transparentesten der Branche, heißt es bei Utopia, einem Portal für Nachhaltigkeit. Außer dem Verbot von Lebendrupf und Stopfmast geht es auch um Artenschutz.

Online: Petra Thiele

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