Atommüll-Lagerung Eine fatale Lücke von mindestens 40 Jahren

Die Genehmigung der Atommüll-Zwischenlager gilt nur für 40 Jahre - so schnell wird aber vermutlich kein Endlager fertig. Der BUND fordert ein neues Zwischenlager-Konzept.

Analyse des BUND zu Atommüll-Zwischenlagern (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Analyse des BUND zu Atommüll-Zwischenlagern picture-alliance / dpa -

Der Zeitplan wird nicht hinhauen. Vor gut einem Monat wurde die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll offiziell gestartet, aber es zeigt sich schon jetzt: Es dauert zu lange.

Bis endlich Atommüll eingelagert werden könnte, wird es das nächste Problem geben: Die Atommüll-Zwischenlager, wo die abgebrannten Brennstäbe schon seit Jahren warten, dass sie in ein Endlager können, müssten eigentlich um das Jahr 2040 geräumt werden. Denn nur so lange gilt ihre Genehmigung.

Sind die Zwischenlager darüber hinaus noch sicher? Nein, sagt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einer heute vorgelegten Analyse.

Endlager erst 2080

Die Genehmigungen für Zwischenlager laufen aus. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Die Genehmigungen für Zwischenlager laufen aus. picture-alliance / dpa -

Eigentlich müsste der Atommüll zum Beispiel aus dem Zwischenlager Neckarwestheim Ende 2046 raus, aus dem Lager Philippsburg ein Jahr später. Gorleben, Ahaus, Lubmin – hier laufen die Genehmigungen schon in den 2030er Jahren aus. Experten sagen allerdings jetzt schon, dass mit allen Klagen und Verzögerungen ein Endlager wohl erst 2080 in Betrieb gehen könnte. Bleibt ein zeitliches Loch von 40 bis 50 Jahren.

So lange kann die Lagerdauer-Genehmigung bei diesem hochsensiblen Abfall nicht mal eben verlängert werden. Der BUND verweist darauf, dass es weltweit in keinem Staat bislang Erfahrungen für eine Zwischenlagerdauer von mehr als 50 Jahren gibt. Das Material altert.

Was passiert mit den Behältern, den Dichtungen, dem Inhalt nach so langer Zeit? Was passiert, wenn das benachbarte Atomkraftwerk abgebaut wird und das Personal abgezogen ist? Nur wenige Zwischenlager haben eine so genannte "Heiße Zelle", wo Reparaturarbeiten an den Behältern gemacht werden können.

Es braucht ein neues Konzept - und zwar schnell

Aktuell fehlt es den Atommüll-Zwischenlagern schon an ausreichender Absicherung gegen Terroranschläge, bemängelt der BUND. Am Forschungszentrum Jülich in Nordrhein-Westfalen ist die Lagergenehmigung schon vor vier Jahren abgelaufen und es wird nichts unternommen.

Am AKW Brunsbüttel lagern immer noch neun Atommüll-Behälter, obwohl das Bundesverfassungsgericht vor zwei Jahren die Genehmigung kassiert hatte. Sicherheitsdefizite, die in Zukunft zunehmen werden.

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist deshalb klar: Es muss ein neues Zwischenlagerkonzept her - und zwar schnell.

Alice Thiel-Sonnen, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Moritz Hartnagel

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